Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Über dem olympischen Reitstadion bricht gerade die Dämmerung herein, da sucht Isabell Werth erst mal die Orientierung. "Wo geht’s jetzt lang - nach links oder rechts?“, fragt sie in die Runde. Im Medienzelt hat die 47-Jährige gerade ausgiebig über ihr sechstes Gold bei Olympia, das fünfte mit der Mannschaft, referiert. Aber jetzt weiß sie nicht weiter.
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11/08/2016 AM 00:54
Elf Tage in Rio und die Erfahrung aus inzwischen fünf Olympia-Teilnahmen reichen nicht aus, um sich zügig zurechtzufinden. Und dann soll Werth auch noch sagen, ob sie bereits die nächsten Spiele in Tokio auf dem Schirm habe. "Ich denke nur an Rio", erklärt sie. Eine kluge Haltung, am Montag steht ja noch die Entscheidung im Einzel an.

Isabell Werth ist die erfolgreichste Reiterin der Olympia-Geschichte

Fotocredit: AFP

Aber jetzt ist der Frau vom Niederrhein erst mal geglückt, was ihr bislang noch bei jeder beruflichen Stippvisite unter den fünf Ringen gelang: Sie hat Gold mit dem deutschen Dressur-Team gewonnen, diesmal in Kooperation mit Kristina Bröring-Sprehe, Sönke Rothenberger und Dorothee Schneider.
Mit ihrem persönlichen Sixpack hat Werth die Dressur-Legende Reiner Klimke in der deutschen Olympia-Rekordliste überflügelt. Die beste Punktwertung strich sie auf ihrer erst zehnjährigen Stute Weihegold zudem ein. Reiterinnenherz, was willst du mehr? Isabell Werth hätte da was - beim Abspielen der deutschen Nationalhymne im inzwischen fast menschenleeren Stadion fiel ihr auf: "Singen ist definitiv etwas, das wir noch verbessern können.“
Klingt nach einer sechsten Olympia-Teilnahme, 2020 in Tokio.

Szene des Tages:

Vor zwei Tagen hat es in Rio hartnäckig genieselt, heute aber wartet die Olympiastadt mit richtigem Regen auf. So etwas scheinen die Leute hier nicht gewöhnt zu sein, viele von ihnen hetzen fast panisch durch die Straßen, um irgendwo ein trockenes Plätzchen zu erhaschen. Und wie immer in solchen Fällen, reagiert der sehr flexible brasilianische Arbeitsmarkt fix.
Als es dauernieselte, waren sofort Scharen mobiler Händler mit Bergen von Regencapes am Start. Heute nun ist es richtig nass, deshalb tritt die zweite Stufe der örtlichen Katastrophenhilfe in Kraft: Der Verkauf von Regenschirmen. Auch die bunten Capes werden weiterhin angepriesen, für umgerechnet 1,50 Euro das Stück. Der Renner aber sind die Schirme. Die verkaufen sich wie warme Semmeln - und es scheint, als hätte kaum ein Brasilianer so ein Ding zu Hause. Aber vielleicht sind die Leute hier auch einfach nur vergesslich.

Islam El Shehaby verweigert Or Sasson den Handschlag

Fotocredit: AFP

Sidekick des Tages:

Sie müssen nicht, sollen aber und machen es eigentlich auch immer, die Judoka: Die Verbeugung vor dem Gegner vor und den Handschlag nach dem Kampf. Der Ägypter Islam El Shehaby verweigerte seinem Gegenüber Or Sasson nun das Shakehands. Nicht wegen seiner Niederlage, sondern weil Sasson Israeli ist. Ägyptische Islamisten sollen Schwergewichtler El Shehaby zu einem Kampfverzicht gedrängt haben. Die Internationale Judo-Föderation ließ zu dem Fall ausrichten, es sei schon ein Fortschritt, dass Sportler aus arabischen Ländern gegen Israelis überhaupt antreten.

Zitat des Tages:

"An der ganzen Anlage riecht es, als ob jemand gefurzt hat“ (Facebook-Eintrag des deutschen Wasserspringers Stephan Feck zum Flair des Beckens im Maria Lenk Aquatics Center)

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