Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Gold im inoffiziellen Wettbewerb "Wer ist der Lässigste im ganzen Reiterland?“ gewinnt ganz klar Philippe Guerdat. Während die deutschen Springreiter im Stechen gegen Kanada noch um Bronze rangeln müssen, steht der 64-jährige Schweizer längst in einer schattigen Ecke hinter der Haupttribüne und platziert launige Kommentare zum Sieg seines Teams.
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Der Equipechef der französischen Springreiter kommt wie ein zufriedener Frührentner nach sechs Wochen Mallorca daher. Gut gebräunt, Sonnenbrille im Gesicht, den schicken Strohhut in den Händen hin und her wiegend, hält er Hof vor den französischen Journalisten. Und irgendwann lächelt er in die Runde: "Es ist noch nicht vorbei, ganz und gar nicht.“

Olympia-Bronze mit dem Team: Ludger Beerbaum

Fotocredit: AFP

Die Franzosen haben Blut geleckt, wollen nun auch am Freitag im Einzel glänzen. Für Ludger Beerbaum, der sein Team, als Not am Mann war, nervenstark ins Stechen ritt, ist das Thema Olympia nach Bronze mit der Mannschaft wohl durch. Weil er in den ersten Tagen nicht ganz so gut war, ist er nicht im Einzel dabei. Dafür ist der viermalige Olympiasieger bei seinem letzten Auftritt unter den fünf Ringen recht mitteilsam.
Der 52-jährige Altmeister erzählt, wie er im gemeinsamen Apartment der deutschen Springreiter am Morgen als Erster aufgewacht ist. Vor lauter Aufregung. "Es gab wenige Tage in meiner Karriere, die emotionaler waren als der heutige“, sagt er. Und:
Dass ich mit meinen grauen Haaren noch mal bei Olympia dabei bin und hier Bronze hole, tut richtig gut.
Lässig ist das nicht - aber dafür ausgesprochen rührend.

Szene des Tages:

Es klang schon nach einem ausgewachsenen Trauma, was Richard Ringer nach seinem Vorlauf-Aus über 5000 Meter so von sich gab. Via Facebook. Reden mochte der 27-Jährige an Ort und Stelle nicht, deshalb schrieb er später auf seinem Account entschuldigend: "Ich wollte keine Interviews geben, weil ich so schnell wie möglich raus wollte von dem Ort der Stars, wo ich heute nicht hingehöre."
https://facebook.com/permalink.php?story_fbid=1106540866079374&id=180473855352751
Ringer hatte sich in seinem Rennen schwer bei der Taktik verhoben: Viel zu schnell ging er die Sache an, der Übereifer rächte sich nach der Hälfte der Strecke. "Nach nicht mal drei Kilometern ging gar nichts mehr“, schrieb der Langstreckenläufer vom Bodensee. "Obwohl 'gehen‘ passt doch, so langsam wie ich war.“ Ein beruhigender Zusatz, immerhin war hiermit klar: Ringer kann über sich selbst lachen. Zumindest in der virtuellen Welt.

Sidekick des Tages:

Doch, in Rio sieht man schon ab und zu mal einen Briefkasten, in aller Regel wird die Post hier aber nicht ganz so vorschriftsmäßig abgeliefert wie in Deutschland. Abonnierte Tageszeitungen werden, immerhin extra in einer Plastikhülle verpackt, häufig in irgendeiner Ecke abgelegt. Und bei Briefen, Päckchen und Einschreiben verzichtet der Postbote gerne mal auf die paar Schritte bis zur Haustür - lieber lässt er seine Last direkt hinter dem Törchen zur Straße auf den Boden plumpsen.
So haben Nachbarn und Passanten jedenfalls immer einen guten Überblick über den aktuellen Briefverkehr im Viertel.
https://i.eurosport.com/2016/08/18/1914372.jpg

Zitat des Tages:

Das sind betrügerische Bastarde. Das Amateurboxen stinkt von der Basis bis zur Spitze.
Der irische Faustkämpfer Michael Conlan über die Zustände in seiner Zunft, nach der Viertelfinal-Niederlage im Bantamgewicht gegen den Russen Vladimir Nikitin.

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