Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Die Stimme von Monica Puig war nicht zu überhören. "I did it!“, kreischte die 22-Jährige, bevor sie nach ihrem Sieg im Tennisfinale aus dem Gang in den Pressekonferenzraum schritt. Der Mama und dem Papa in Puerto Rico hätte sie am liebsten auch ein paar Kreischer durchgegeben, aber alles gelang ihr an diesem Tag eben nicht.
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Ganz schlecht zum Beispiel, gerade an diesem Freudentag: "Keine Ahnung, was mit meinem Handy los ist, aber ich kann nicht nach Hause telefonieren. Ich wollte dringend mit meinen Eltern sprechen“, erzählte Puig. Ein ähnlich dringendes Mitteilungsbedürfnis verspürte Angelique Kerber in dem Moment nicht.
Die Weltranglistenzweite hatte ihren Part vor Puig absolviert. Meist mit starrer Miene und mit einem eher halbherzigen Versuch, das Erreichen des Finals zu goutieren. "Das ist nicht die Medaille, die ich wollte. Aber ich bin stolz, mein Land repräsentiert zu haben und eine Medaille mit nach Hause zu nehmen“, sagte sie.
Das Zuhause war auch bei Puig ein wichtiges Thema. Kerbers schlagkräftige Bezwingerin, obwohl in Miami aufgewachsen, schwärmte von ihrem Heimatland, betonte, sie sei ziemlich häufig zu Besuchen dort gewesen. "Und ehrlich“, sagte sie, "wenn ich an den Strand gehen will, ist Puerto Rico mein bevorzugter Platz.“
Die unterlegene Kerber sah ein: "Ich habe gutes Tennis gespielt - aber sie hat eines der besten Spiele ihrer Karriere gemacht.“ Grund genug für Monica Puig, die gesamte Weiblichkeit Lateinamerikas mit ihrem Triumph infizieren zu wollen. "Man kann alles schaffen im Leben“, lautete die Botschaft an ihre Geschlechtsgenossinnen. Und dann machte sie sich wieder daran, ihr Handy in Gang zu setzen.

Szene des Tages:

Nacheinander stapften die kräftigen Jungs vom britischen Achter daher, und jeder von ihnen bekam ein "Well done!" mit auf den Heimweg. Absender waren eine Reihe junger Zuschauer, die über den Köpfen der Athleten auf einer Betonmauer saßen, die Olympiasieger aus dem Königreich von dort beglückwünschten - und die große Freiheit genossen.
Die große Freiheit, auch ohne ein Ticket richtig nah dran zu sein am olympischen Treiben. Das Fünf-Ringe-Theater kann sonst schon mal eine ziemlich strikte und ernste Angelegenheit sein. In Rio aber machten sich die Veranstalter nicht die Mühe, das Areal rund um die Regattastrecke für eintrittskartenlose Menschen abzuriegeln.

Andreas Morbach berichtet aus Rio

Fotocredit: Eurosport

Die Maschendrahtzäune blieben also unverhüllt - was viele Passanten zum ausgiebigen Verweilen einlud. Und die ganz besonders Frechen unter ihnen schafften es sogar bis direkt über die Häupter der Olympioniken.

Sidekick des Tages:

Das Arsenal-Trikot, in dem der Tontaubenschütze Abdullah Al-Rashidi seinen Wettbewerb austrug, war schon ungewöhnlich. Noch besser gefiel den Brasilianern aber der schicke Schnurrbart des 52-Jährigen.
Der Kuwaiti, der wegen der Sperre seines Landes durch das IOC für die "Mannschaft unabhängiger Athleten" startet, wurde rasch zum Publikumsliebling - und sagte später dankbar: "Ich habe das Gefühl, ich komme aus Brasilien und nicht aus Kuwait.“

Zitat des Tages:

"Ich bin kein PR-Mensch, ich beantworte echt ungern Fragen.“
Der deutsche Diskuswerfer Christoph Harting bei der Pressekonferenz zu seinem Olympiasieg

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