Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Laura Ludwigs größtes Problem liegt zurzeit auf ihrem Rücken. Die Berlinerin macht eine halbe Drehung mit dem Oberkörper und zeigt auf die kleinen weißen Flächen, die sich in den letzten Tagen rund um ihre Schulterblätter angesiedelt haben. "Ich krieg‘ langsam Pigmentstörungen. Zu viel Sonne. Ich muss mich wohl mal eincremen“, hat die 30-Jährige erkannt.
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Jenseits der Flecken gibt es für Ludwig und Sandkastengefährtin Kira Walkenhorst aktuell nichts zu beanstanden. Durch den souveränen Sieg gegen die spindeldürre Sarah Pavan und die einen Kopf kleinere Heather Bansley aus Kanada stehen die beiden im olympischen Halbfinale. Vor ihnen hat das bei den Frauen noch kein europäisches Beachvolleyball-Gespann geschafft.
Eine kleine sporthistorische Tat im Theater um die fünf Ringe also. Gewusst? "Ähm, nee. So richtig nicht", lächelt Walkenhorst. "Ja, definitiv!“, ruft Ludwig. "Mir ist ein tierischer Stein vom Herzen gefallen." Den Ausdruck "tierisch“ benutzt sie in ihren ersten drei Sätzen ungefähr zehn Mal. Dann bemerkt sie ihre inflationäre Nutzung des Wortes, sagt als nächstes: "Das Halbfinale bei Olympia ist ein großer Schritt." Nachklapp:
Ich hab 'tierisch‘ weggelassen.
Noch zwei Mal kommen Ludwig und Walkenhorst jetzt in den Genuss, an der Copacabana hochoffiziell durch den Sand zu springen. Dort, wo selbst die Männer, die den Sand zwischendurch mit ihren grünen Rechen ebnen, mit rhythmischen Tanzbewegungen in ihre Kehr-Einlagen starten. Und wo ab sofort Sonnencreme zum Einsatz kommt.

Szene des Tages:

Aus dem olympischen Pool in Barra haben sie gerade das Wasser abgelassen. Aber ein bisschen wird noch weiter geschwommen in Rio: Bei den Freiwasserspezialisten, die am Montag und Dienstag im Atlantik stundenlang gegen das kalte Wasser und hohe Wellen ankämpfen. Aber auch in dem Freiluftpool in Botafogo, um den herum der Verkehr tobt.

Andreas Morbach berichtet aus Rio

Fotocredit: Eurosport

Schwimmen ist dabei vielleicht übertrieben: In dem maroden Becken mit Blick auf den Zuckerhut ist zwar Wasser, aber kein Schwimmer weit und breit. Verwunderlich ist das nicht, da reicht ein Blick auf die grünlich-braune Schmierschicht, die sich auf dem Beckenboden festgesetzt hat. Und auch die hellblauen Sonnenschirme neben dem Pool haben schon bessere Zeiten gesehen.
Doch inmitten des Verfalls gibt es einen Lichtblick: Den Bademeister, der aus einem zerschlissenen Liegestuhl mit emporgerecktem Daumen grüßt. Das nennt man dann doch mal positives Denken.

Sidekick des Tages:

Eine chinesische Romanze wurde bei den Wasserspringern aufgeführt. Im Wettkampf vom 3-Meter-Brett hatte He Zi Silber gewonnen, das schönste Edelmetall bekam die 25-Jährige aber von ihrem Freund überreicht.
Bei der Siegerehrung kniete Qin Kai, Dritter in der Drei-Meter-Synchronkonkurrenz, vor seiner Partnerin nieder, ein Heiratsantrag, dramaturgisch passend bei untergehender Sonne. "She said Yes“, stand als wichtige Zusatzinformation für die gerührten Zuschauer auf der Anzeigetafel.

Zitat des Tages:

"Unser Geld und meine Brieftasche haben sie genommen, mein Mobiltelefon und meine Akkreditierung haben sie mir gelassen."
Nächtliche Bilanz des US-Schwimmers Ryan Lochte, nachdem er auf der Taxi-Heimfahrt mit Teamkollegen ins Olympische Dorf von Straßenräubern gestoppt und überfallen worden war.

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