Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Es regnet den ganzen Tag über in Rio - eine gute Gelegenheit, die Beachvolleyball-Nation Brasilien auf ihre Wetterfestigkeit zu testen. Die favorisierten Teams aus dem Gastgeberland spielen. Also auf an die Copacabana!
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Der Regen ist eher ein ewiges Nieseln, trotzdem sind Straßenverkäufer über Nacht wie Pilze aus dem Boden geschossen. Ihr einziges Angebot an diesem Tag: Regencapes, in allen Farben und Größen. Gleich am Ausgang der U-Bahn-Station Cardeal Arcoverde warten Scharen von ihnen und schreien einem, kaum dass man um die Ecke gebogen kommt, in die Ohren: "Capas de chuva".

Morbach Beachvolleyball Olympia Fans

Fotocredit: Eurosport

Das gut gefüllte Beachvolleyball-Stadion ist dann übersät mit den bunten Regencapes. Und schnell ist klar: Wind und Nässe sind den Leuten hier egal. Begeistert machen sie jede Anweisung des Animateurs am Mikrofon mit, klatschen, singen und schunkeln unentwegt. Beim Sieg des brasilianischen Männer-Duos Alison Cerutti und Bruno Schmidt ganz besonders laut.
Die Weltmeister besiegen die Italiener Alex Ranghieri und Adrian Carambula 2:0. Danach kommt der vollbärtige Cerutti in seinen hellgrünen Flip Flops lässig daher geschlurft und spricht über das miese Wetter: "Das ist nicht gut für das Spiel, aber die Fans pushen uns. Bei ihnen müssen wir uns bedanken".
Zwei Stunden später, beim Spiel der Brasilianerinnen Agatha und Barbara helfen alles Anfeuern, Mitleiden, Aufschreien und auch das dezente Ausbuhen der Spanierinnen Liliana Fernandez Steiner und Elsa Baquerizo Macmillan nichts. Agatha und Barbara verlieren 0:2. Die Zuschauer an der verregneten Copacabana aber haben bewiesen: Sie sind tatsächlich goldverdächtig.

Szene des Tages:

Im Olympic Park in Barra stehen sie Tag für Tag, die Wegweiser aus Fleisch und Blut. Ausgestattet mit überdimensional großen Kunststoff-Händen mit ausgestrecktem Zeigefingern: Die weisen zu den diversen Stadien im sportlichen Herzen dieser Spiele - eigentlich überflüssig, denn die Arenen der Turner, Ringer oder Fechter sind nicht zu übersehen.
Ein netter Empfang für die Zuschauer ist es allemal, komplizierter erweist sich der Job für manchen freiwilligen Helfer innerhalb der Stadien. Ein besonders schwerer Fall tut bei den Wasserspringern Dienst: Die Englischkenntnisse des jungen Mannes sind überschaubar, auch mit Gesten komme ich bei der Fahndung nach dem richtigen Ausgang oder auch nur einer Toilette nicht weiter. Mit treuem Augenschlag schaut mich der Kerl immer wieder an, ehe er schließlich gesteht: "Ich bin erst seit gestern hier und völlig verloren."
Kleiner Trost für ihn und alle Suchenden: Bis zum Ende der Spiele bleibt ja noch ein wenig Zeit für die Eingewöhnung.

Helfer bei Olympia weisen den Weg

Fotocredit: Eurosport

Sidekick des Tages:

Auf Hymne und Fahne seines Landes musste Fehaid Aldeehani nach seinen Sieg im Doppeltrap-Schießen verzichten. Weil sein Land wegen politischer Einflussnahme der Regierung vom IOC suspendiert ist, startet der 49-jährige Kuwaiti für die "Mannschaft unabhängiger Athleten".
Die Olympische Flagge, die ihm zu Ehren anstelle der kuwaitischen gehisst wurde, würdigte er keines Blickes. "Es tut weh, und ist sehr enttäuschend, sagte Aldeehani."

Zitat des Tages:

Alter ist egal. Gewinnen kommt von zwischen den Ohren.
Die Amerikanerin Kristin Armstrong nach ihrem dritten Olympiasieg im Straßenrad-Zeitfahren, einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag.
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