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Gefälschte Dopingdaten? Russland droht schwere Strafe

Gefälschte Dopingdaten? Russland droht schwere Strafe
Von Eurosport

23/09/2019 um 15:38Aktualisiert 10/10/2019 um 15:31

Russland muss in der jüngsten Affäre um mögliche Manipulationen von Daten aus dem Moskauer Dopinglabor immer mehr mit Sanktionen rechnen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) kündigte am Montag eine Untersuchung an. Die WADA gab Russland drei Wochen Zeit, um auf die Ungereimtheiten zu reagieren. Die WADA zweifelt an der Echtheit der Daten aus dem Moskauer Labor.

Russland ist endgültig zurück im Fadenkreuz der internationalen Doping-Wächter. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat am Montag ein offizielles Verfahren gegen die Sport-Großmacht eingeleitet, da Daten aus dem Moskauer Dopinglabor manipuliert sein könnten. Dem Riesenreich drohen harte Sanktionen.

Unregelmäßigkeiten bei Daten

"Experten haben sich die Daten angesehen, die wir von Whistleblowern bekommen haben, und die Daten, die wir von Russland erhalten haben. Es gibt Fragen, die gestellt werden müssen", sagte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli nach einer Sitzung der WADA-Exekutive in Tokio. Moskau bekam drei Wochen Zeit, um auf die Unregelmäßigkeiten zu reagieren.

"Ich wäre keineswegs überrascht, wenn sich jetzt Manipulationen an den an die WADA übergebenen Proben herausstellen sollten", sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende im Sportauschuss des Deutschen Bundestages dem SID.

"Es muss ja einen Grund gegeben haben, warum sich die Herausgabe so lange verzögert hat."

Konkret geht es um Daten, die das Ausmaß des institutionalisierten Dopingprogramms belegen sollen. Nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen WADA-Gremiums, Jonathan Taylor, sollen positive Dopingtests gelöscht worden sein. "Die Frage ist nun, warum?", zitierte die New York Times Taylor. Wenn Russland Sanktionen vermeiden wolle, müsse das Land eine Erklärung "aus dem Hut zaubern". Voraussichtlich am 23. Oktober will das Gremium über mögliche Sanktionsvorschläge entscheiden.

"Die Gewährung der Echtheit der Moskauer Labordaten war eine Bedingung für die Wiederaufnahme der RUSADA", betonte die WADA am Montag erneut in einer Erklärung. Erst nach langen Verhandlungen gab Russland Anfang 2019 die Daten heraus, dafür wurde die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA in einem vielkritisierten Tauschhandel wieder aufgenommen. Bisher wurden aus den Daten 298 besonders verdächtige Fälle bekannt.

"Strengste Sanktionen" möglich

Die WADA hatte im Vorfeld gewarnt, "strengste Sanktionen" zu ergreifen, falls sich herausstellt, dass die Daten manipuliert seien. Nicht nur die erneute Suspendierung der RUSADA könnte ein Thema werden, auch müssen sich russische Athleten auf Konsequenzen einstellen. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang durften russische Sportler nur unter neutraler Flagge antreten.

Am Montag traf sich auch das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Die führenden Köpfe um Präsident Sebastian Coe wollten entscheiden, ob die fast vierjährige Suspendierung Russlands durch die IAAF kurz vor der WM in Doha (27. September bis 6. Oktober) aufgehoben wird. Das dürfte wegen der jüngsten Vorfälle eher unwahrscheinlich sein.

"Russland möchte natürlich wieder zurück, und die Leichtathletik-Familie würde Russland auch gerne aufnehmen, aber die Bedingungen, die dazu abgearbeitet werden müssen, hat Russland noch nicht erfüllt. Da muss noch einiges geschehen", hatte DLV-Präsident Jürgen Kessing dem SID schon vor den neuerlichen Anschuldigungen gesagt.

"Ich hoffe, dass der Internationale Leichtathletikverband bei seinen heutigen Beratungen bei seiner bisherigen klaren Linie bleibt und Russland nach den Meldungen dieses Wochenendes weiterhin suspendiert", sagte Freitag.

(SID)

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