SID

Calgarys Olympia-Bewerbung für 2026 vor dem Aus

Calgarys Olympia-Bewerbung für 2026 vor dem Aus
Von SID

30/10/2018 um 13:43

Calgarys Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2026 steht offenbar vor dem Aus. Einem Bericht der Zeitung Calgary Herald zufolge soll das städtische Olympia-Komitee der Kanadier nach angeblich gescheiterten Verhandlungen über die Finanzierung der Spiele noch am Dienstag zum Rückzug aus dem Rennen mit Mailand/Cortina d'Ampezzo und Stockholm aufgefordert werden.

"Es gab einen letzten Versuch, die Bewerbung zu retten. Aber es ist vorbei", sagte ein hoher Kommunalbeamter dem Herald zu den Gesprächen über die Verteilung der Kosten für die öffentliche Hand in Höhe von drei Milliarden Dollar.

Das letzte Wort über die Absage der für den 13. November geplanten Bürgerbefragung und damit den Verzicht auf eine Fortführung der Kandidatur des Winterspiele-Gastgebers von 1988 hat allerdings der Stadtrat, der am Mittwoch zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt.

Durch Calgarys Schwierigkeiten könnten dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zusehends die Bewerber für die Ausrichtung der übernächsten Winterspiele ausgehen. Denn auch Stockholm droht das Aus, nachdem die führenden Parteien im Rat der schwedischen Hauptstadt keine Steuergelder für Olympia freigegeben haben.

Auch der italienischen Bewerbung fehlen noch konkrete Zusagen der Regierung in Rom. Anfang Oktober hatte das IOC den türkischen Bewerber Erzurum von der Liste der möglichen Kandidaten für 2026 gestrichen.

Calgarys Bürgermeister Naheed Nenshi hatte zu Wochenbeginn eine Frist für einen Verhandlungserfolg bis Montagabend gesetzt und schon mit einem Rückzug der Bewerbung gedroht. Laut Medienberichten war Kanadas Premierminister Justin Trudeau von Nenshi bereits über die Fragezeichen hinter der Finanzierung informiert worden.

Almaty als Ass im Ärmel?

Angesichts wachsender Probleme mit den Bewerberstädten der Olympischen Winterspiele 2026 glaubt der Olympia-Experte Wolfgang Maennig, dass das IOC an einer Notlösung arbeitet. "Ich bin mir sicher, dass im Hintergrund längst Gespräche laufen", sagte der Sportökonom und Ruder-Olympiasieger von 1988 dem SID:

"Ich frage mich zum Beispiel: Wo bleibt Almaty? Vielleicht ist das das Ass im Ärmel?"

Die kasachische Stadt war vor drei Jahren knapp an Peking gescheitert, das die Spiele 2022 ausrichten wird.

Unabhängig von der Frage eines Gastgebers für 2026 sieht Maennig das Internationale Olympische Komitee in der Pflicht, weitere Reformen anzustoßen, um die Winterspiele langfristig zu sichern

"Das IOC hat das Problem verstanden und wird immer mehr selbst zum Berater, es wird vermehrt von sich aus auf Bewerber zugehen", sagte Maennig. Nächste Schritte würden folgen "und angesichts der Situation auch folgen müssen", sagte Maennig, der die oft ausufernden Kosten für olympische Infrastruktur-Projekte als Hauptproblem sieht.

"Das IOC fängt an nachzudenken, ob man nicht das Tabu bricht und sich auch an Infrastrukturkosten beteiligt", sagte Maennig: "Das wird so kommen."

Das operative Budget für 2026 wird das IOC mit 925 Millionen Dollar unterstützen.

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