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Daniel Deußer und die FN – noch laufen die Verhandlungen

Daniel Deußer und die FN – noch laufen die Verhandlungen

14/02/2019 um 12:31Aktualisiert 14/02/2019 um 12:32

Daniel Deußer ist seit Jahren einer der besten deutschen Springreiter.  Es wäre ein großes Glück für die deutsche Mannschaft, wenn der 37-Jährige bei Championaten und Nationenpreisen das Team verstärken würde. Doch die Frage ist, ob sich die FN und der Reiter einig werden. Gelingt das nicht, wird sich Daniel Deußer dafür entscheiden für Belgien zu reiten.

Fest steht, dass Daniel Deußer sich Deutschland verbunden fühlt und für sein Heimatland starten möchte. Das hat er gerade erst am letzten Wochenende nach seinem Sieg in Bordeaux gegenüber dem französischen Medium GRANDPRIX Magazine geäußert. Fest steht aber auch, dass der 37-jährige Springreiter sehr gerne an Nationenpreisen und Championaten teilnehmen möchte. Hat er doch auch gleich mehrere Pferde unter dem Sattel, die dafür beste Voraussetzungen mitbringen. Dass er trotzdem 2017 und 2018 nicht Teil der deutschen Nationalmannschaft war,  ist darin begründet, dass die FN von Reitern eine Unterschrift fordert, ohne die der Zutritt zum Kreis der Equipe-Reiter verwehrt bleibt. Diese Unterschrift hat Daniel Deußer bislang nicht geleistet. Das gleiche gilt auch für Christian Ahlmann.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) betont ebenso wie Daniel Deußer und Christian Ahlmann, dass derzeit vielversprechend über die Angelegenheit verhandelt wird. Die Gespräche seien gut, betonen beide Seiten. Seit den Weltreiterspielen in Tryon wird verhandelt. Doch allmählich drängt die Zeit. Um bei einem Nationenpreis-Turnier für die Equipe an den Start zu gehen, muss die Tinte unter der Vereinbarung trocken sein. Der Nationenpreis startet in diesem Jahr recht spät, der erste Start für Deutschland ist im Mai.

Ein Punkt der besagten Vereinbarung fordert jedoch, dass die Springreiter alle Reisen und Maßnahmen ihrer Pferde 90 Tage im voraus angeben müssen. Eine Forderung, die für einen internationalen Springsport-Stall völlig absurd erscheint und zu den Punkten gehört, die Daniel Deußer stören. Selbst wenn die Einigung in den nächsten vier Wochen von den Beteiligten unterzeichnet wird, dürften Daniel Deußer und Christian Ahlmann dann wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt mit der Mannschaft an den Start gehen. 

Daniel Deußer ist der Meinung, dass die von der FN für unverzichtbar erachtete Vereinbarung Klauseln enthalten soll, die für Reiter nicht akzeptabel seien. Zum Beispiel gehört auch dazu, dass es Reitern vorgeschrieben wird sich einzig der Sportgerichtsbarkeit zu unterwerfen, sie darauf verzichten müssen ein Öffentliches Gericht anzurufen. Dabei geht es vor allem darum die FN abzusichern, sollte  ein Dopingvergehen gegen den Reiter in Gang gesetzt werden. Sowohl Daniel Deußer wie auch Christian Ahlmann haben bereits Erfahrungen gemacht und wissen wie es sich anfühlt, wenn der eigene Verband in so einem Fall nicht hinter dem Reiter steht, um ihm den Rücken zu stärken. 

Deußers Kommentar, er möchte nicht für Fehler anderer Leute verantwortlich gemacht werden, ist daher gut nachvollziehbar. Die Teams in internationalen Springsport-Ställen sind groß, viele unverzichtbare Helfer tragen zum Erfolg bei und sind bei der Versorgung der Pferde involviert. Manche dauerhaft, andere nur gelegentlich, dazu zählen auch Tierärzte. Passiert hier ein Fehler, wird zum Beispiel vergessen eine Medikamentengabe an einen anderen Arzt mitzuteilen, kann es vorkommen, dass bei einer Blutentnahme im Rahmen eines Turniers der Vorwurf unerlaubter Medikation auftritt. In diesem Fall muss der Reiter den Kopf hinhalten und die Konsequenzen tragen. Dazu zählen Strafgelder und Sperren.

Daniel Deußer will sich nicht entziehen, er fordert gleiches Recht für alle.  Seine Aussage, die Reiter anderer Nationen müssten derartige Klauseln bei ihrem Verband nicht unterzeichnen, lässt aufhorchen. Warum benötigt die Deutsche Reiterliche Vereinigung diese Vereinbarung unbedingt, wenn andere Nationen ohne solche Absprachen auskommen? Die FN möchte sich nicht äußern, solange die Verhandlungen noch laufen. Miteinander reden statt übereinander reden ist das Motto. Egal wie die Verhandlungen ausgehen, wird im Anschluss jedoch die Frage zu beantworten sein, weshalb die FN hier einen Alleingang unternimmt. 

Für den Fall, dass es nicht zu einer Einigung kommt, hat Daniel Deußer sich bereits entschieden seine Nationalität zu wechseln. Er wird dann weiterhin im roten Rock, aber für Belgien statt für Deutschland im Parcours antreten. Seine Wurzeln hat Daniel Deußer zwar in Deutschland, doch lebt der Reiter schon viele Jahre in Belgien, reitet die Pferde seines belgischen Chefs Stephen Conter. Außerdem ist er mit der Belgierin Carolin Wauters verheiratet, auch seine Tochter hat einen belgischen Pass. Ähnlich ist es bei Christian Ahlmann, der mit den Pferden aus dem belgischen Zangersheide im internationalen Sport antritt. Seine Lebensgefährtin Judy-Ann Melchior ist dort Chefin. Sie und der gemeinsame Sohn Léon haben ebenfalls belgische Pässe. Sollten die Verhandlungen scheitern, ist nicht auszuschließen, dass zwei der besten deutschen Springreiter in Zukunft die belgische Mannschaft verstärken.

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