Der Bundestrainer suchte im Moment der großen olympischen Enttäuschung nicht nach Ausreden. "Springreiten heißt Null reiten, und das haben wir nicht hingekriegt", sagte Otto Becker nach den für seine Equipe medaillenlosen Spielen und einem frustrierenden neunten Platz in der Teamwertung. Den negativen Gefühlen dürfe man sich aber nicht allzu lange hingeben, fügte Becker an: "Irgendwann muss man auch mal wieder nach vorne schauen."
In Beckers Equipe verfügte in Tokio nur der Weltranglistenerste Daniel Deußer über Olympia-Erfahrung, er gehörte 2016 in Rio zu der mit Bronze dekorierten Mannschaft um Ludger Beerbaum. Andre Thieme, Maurice Tebbel und Christian Kukuk mussten nicht zuletzt dem Phänomen Olympia Tribut zollen. Er habe gedacht, gab Thieme zu, "ein Super-Pferd reicht aus, aber ich habe gelernt, dass so viel mehr zusammenpassen muss".
Tatsache ist: Becker fehlten in Tokio drei der weltbesten Reiter. Weltmeisterin Simone Blum, Christian Ahlmann und Marcus Ehning mussten passen, weil ihre Championatspferde nicht fit genug für Olympia waren. "Wir waren in Rio mit fünf gestandenen Weltklasse-Paaren", sagte Becker: "Hier waren drei von vier Paaren noch unerfahren und erst auf dem Weg in die Weltspitze. Sie sind noch nicht so weit, um diese Leistung konstant abzurufen."
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Wie und ob es mit dem Bundestrainer Otto Becker, der seit 2009 im Amt ist, weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Traditionell umfassen die Verträge der Bundestrainer eine Olympiade, es stehen also Entscheidungen an. In der Dressur gilt es als sicher, dass Monica Theodorescu mindestens bis Paris 2024 weitermacht, in der Vielseitigkeit wird Peter Thomsen den scheidenden Hans Melzer beerben. Beckers Zukunft ist noch nicht abschließend geklärt.

Springreiter erstmals seit London 2012 ohne Edelmetall

Mannschafts-Olympiasieger und damit Nachfolger der ebenfalls "geplatzten" Franzosen wurde Schweden im Stechen gegen die USA. Henrik von Eckermann mit King Edward, Malin Baryard-Johnsson mit Indiana und Peder Fredricson mit All In siegten mit zwei Punkten Vorsprung, hinter den USA folgte Europameister Belgien auf Platz drei.
Deutschlands Springreiter verließen Olympia nach dem 18. Platz von Daniel Deußer im Einzel erstmals seit London 2012 ohne Edelmetall, die bis dato letzte deutsche Einzelmedaille gewann 2004 in Athen der drittplatzierte Marco Kutscher. Dennoch war die Ausbeute der deutschen Reiter in Tokio beachtlich: Zweimal Gold und einmal Silber in der Dressur sowie das Einzel-Gold von Julia Krajewski in der Vielseitigkeit ließen kaum Wünsche offen.
Drei bis fünf Medaillen hatte das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) als Ziel ausgegeben. "Absolut zufrieden" sei er deshalb, hatte DOKR-Geschäftsführer Dennis Peiler im Gespräch mit dem SID schon vor dem Nationenpreis gesagt: "Wir liegen voll im Soll."
Nichts anderes wird beim DOKR aber auch erwartet. "Sicherlich haben wir den Anspruch, in allen drei Disziplinen vorne mitzumischen", sagte Peiler. Das wird auch in Paris wieder der Fall sein - ganz egal, welche Bundestrainer dann das Zepter schwingen.
(SID)
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