Isabell Werth bemühte sogar himmlische Kräfte. "Bisher ist mir das noch nicht passiert, und der liebe Gott möge das bitte auch weiterhin verhüten", sagte die erfolgreichste Reiterin der Geschichte dem SID. Den Sekundentod von Dorothee Schneiders Stute Rock and Rose infolge eines Aortenrisses beim Turnier in Pforzheim sowie die physischen und vor allem psychischen Folgen für ihre mit Olympia- und WM-Gold dekorierte Teamkollegin fasste Werth kurz und knapp zusammen: "Eine Katastrophe."
Mit der 17-jährigen Rock and Rose, genannt Rosi, hatte Mannschafts-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Dorothee Schneider in Pforzheim Platz drei belegt. Beim Angaloppieren zur obligatorischen Ehrenrunde der besten Drei geriet Rosi plötzlich leicht ins Schwanken und brach dann unvermittelt zusammen. Schneider hob es aus dem Sattel, benommen blieb die 51-Jährige minutenlang neben ihrem sterbenden Pferd liegen.
Die Untersuchung im Krankenhaus ergab einen Schlüsselbeinbruch, das bedeutet im Aufgalopp zu Olympia eine Pause für Schneider. Dr. Manfred Giensch, Mannschaftsarzt der deutschen Reiter, ist optimistisch, dass die Reitmeisterin aus dem hessischen Framersheim nach einer 14-tägigen Ruhepause schnell wieder im Sattel sitzen kann. Wie tief der Schock über das furchtbare Geschehen sitzt, kann aber auch er nicht abschätzen.
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"Das ist wirklich eine Katastrophe", sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu dem SID: "Ich habe sowas schon mal gesehen, es ist ganz schrecklich." Einziger Trost für Schneider: Ihr Pferd ist einen Sekundentod gestorben. "Wenn die Aorta reißt, geht alles ganz schnell", sagt Oberärztin Lisanne Damhuis von der Tierklinik Lüsche. Es gebe auch überhaupt keine Möglichkeit, dem vorzubeugen oder das Tier zu retten. Der Blutdruck gerät sofort so massiv durcheinander, dass keine Zeit bleibt, dem entgegenzuwirken.

Zweiter Fall im deutschen Team

Schneiders Rosi ist in der jüngeren Vergangenheit der zweite Fall im deutschen Dressurteam, im Februar 2020 starb Desperados, der Superhengst von Mannschafts-Olympiasiegerin Kristina Bröring-Sprehe, ebenfalls nach einem Riss der Aorta. Nun ist es aber keinesfalls so, dass Sportpferde und Pferde generell besonders gefährdet sind.
"Man kann ein Pony auf der Weide stehen haben, und plötzlich stirbt das Tier an einem Riss der Aorta", sagt Lisanne Damhuis. Eine etwas höhere Veranlagung haben die schwarzen friesischen Warmblüter, "aber es kann genauso bei Hunden, Katzen oder auch beim Menschen passieren", sagt Damhuis.
Welche Auswirkungen der Sturz und Tod ihres Pferdes auf Dorothee Schneiders Olympiapläne haben, ist zurzeit noch nicht absehbar. Allerdings hält die Bundestrainerin in ihrer bekannt unaufgeregten Art den Ball vorerst flach. "Es ist früh im Jahr und noch Zeit bis zur Nominierung", sagte Monica Theodorescu. In den kommenden Wochen stehen einige Turniere auf dem Programm, "bei denen sich Dorothee mit ihren Pferden für Tokio empfehlen und qualifizieren kann". Wichtig sei zunächst, "nichts zu überstürzen, damit der Bruch in Ruhe heilen kann".
Schneider selbst äußerte sich öffentlich bisher nicht, zu lesen ist nur ihr emotionaler Instagram-Tribut an Rock and Rose. Für Olympia war die Stute nicht vorgesehen, Schneiders Championatspferde sind Showtime, Sammy Davis jr. und Faustus.
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(SID)

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