Acht Niederlagen hat Rohan Dennis (Ineos Grenadiers) seit seinem WM-Titel in Yorkshire am 25. September 2019 in Einzelzeitfahren kassiert. Doch im neunten Anlauf hat es endlich wieder geklappt: Der Australier gewann in Banyoles den 18,5 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr der Katalonien-Rundfahrt in 22:27 Minuten mit fünf Sekunden Vorsprung auf Rémi Cavagna (Deceuninck – Quick-Step) und 28 Sekunden vor dessen portugiesischem Teamkollegen Joao Almeida, um danach im Sieger-Interview freudestrahlend von einer "großen Erleichterung" zu sprechen.
"Es ist lange her und es war ein harter Weg. Aber es ist wirklich großartig, wieder zurück auf der obersten Stufe des Podiums zu stehen. Das Team hat immer daran geglaubt, dass ich da wieder hinkomme, und es ist einfach toll, es geschafft zu haben", so der Australier, der im Herbst beim Giro d'Italia für seine großen Helferdienste für Gesamtsieger Tao Geoghegan Hart gefeiert wurde, selbst aber seit seinem Wechsel zu den Briten kein Rennen mehr gewonnen hatte.
"Es ist mein erster Sieg für das Team und auch mein erster Sieg seit der WM in Yorkshire. Daran habe ich jeden Tag gearbeitet und es wurde nicht leichter mit all den Youngstern", erklärte Dennis, der sich im vergangenen Jahr immer mehr starken Kontrahenten im Einzelzeitfahren gegenüber sah – allen voran seinem Teamkollegen Filippo Ganna, der in Katalonien aber nicht am Start stand.
Katalonien-Rundfahrt
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22/03/2021 AM 16:05
"Ich trainiere auf diesen Straßen viel und es waren heute viele Freunde hier draußen, um mich anzufeuern. Es ist toll, vor ihnen zu gewinnen", freute sich Dennis, der im 15 Kilometer entfernten Girona lebt, über seinen Heimsieg, der ihn aber nicht an die Spitze der Gesamtwertung spülte.

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Joao Almeida übernimmt Gesamtführung

Weil Dennis am Vortag mehr als zwei Minuten verloren hatte - und Cavagna sogar mehr als 13 Minuten – übernahm Almeida das Grün-Weiße Trikot des Gesamtführenden der siebentägigen WorldTour-Rundfahrt von Auftaktsieger Andreas Kron (Lotto Soudal).
Mit einer Sekunde Vorsprung vor Brandon McNulty (UAE Team Emirates), der in Banyoles Tagesvierter wurde, führt Almeida das Rennen nun an.
Luis Leon Sanchez (Astana – Premier Tech) wurde Tages-13. und folgt in der Gesamtwertung seines Ausreißversuches vom Vortag mit nur fünf Sekunden Rückstand auf Almeida auf Rang drei – zwei Sekunden vor Steven Kruijswijk (Jumbo – Visma).

Lennard Kämna rutscht in der Gesamtwertung auf Platz zehn ab

Doch auch Ineos Grenadiers ist nach dem Dennis-Sieg im Zeitfahren in der Gesamtwertung gut vertreten: Richie Porte und Adam Yates fuhren im Zeitfahren auf die Plätze sechs und sieben und sind nun Gesamtfünfter und -sechster. "Ich bin hier nur Helfer. Wir haben vier andere Karten zu spielen", betonte Dennis mit Blick auf Porte und Yates sowie Geraint Thomas (Tages-10. / + 0:47) und Richard Carapaz (37. / + 1:20).
Lennard Kämna (Bora – hansgrohe), der am Vortag unter den vier späten Ausreißern war und sich ein kleines Zeitpolster verschafft hatte, belegte in Banyoles den 22. Tagesrang und rutschte in der Gesamtwertung vom vierten auf den zehnten Platz zurück.
Er hat nun 22 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Almeida, liegt angesichts seiner Zielsetzung "Top Ten" aber weiterhin voll im Soll. Der zweite Bora–hansgrohe-Fahrer, Wilco Kelderman, ist drei Sekunden hinter Kämna Gesamtelfter.
"Es war ein hartes Zeitfahren. Ich bin mit meiner Leistung ganz zufrieden, optimal ist es aber sicher noch nicht gelaufen, da liegt noch einiges an Arbeit auf dem Zeitfahrrad vor mir. Aus Ausgangssituation vor den Bergen passt aber in jedem Fall. Mal sehen, was die Beine morgen hergeben", sagte Kämna.

Cavagna setzt die erste echte Bestmarke

Zu Beginn des Zeitfahrens legten zunächst die beiden Tschechen Karel Vacek (Qhubeka – Assos / 25:33 Minuten) und Josef Cerny (Deceuninck – Quick-Step / 23:05) die ersten Bestzeiten vor. Cernys Bestmarke hatte aber nur rund 20 Minuten Bestand, bis sein französischer Teamkollege Cavagna nochmal 33 Sekunden schneller war und sich an die Spitze schob.
Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 49,260 km/h schien nun ein Richtwert mit hoher Halbwertszeit gefunden zu sein – und das Warten auf Ex-Weltmeister Dennis begann. 49 Minuten nach Cavagna rollte der Australier von der Startrampe, und 48:55 Minuten nach dem Franzosen überquerte er mit neuer Bestzeit den Zielstrich.
Die beiden Top-Favoriten waren damit im Ziel, doch rund anderthalb Stunden sollte der Kampf gegen die Uhr noch dauern. Ein Fahrer nach dem anderen scheiterte deutlich an Dennis' Zeit, und während der Kampf um den Tagessieg entschieden schien, begann nun der um die Gesamtwertung. Sowohl Dennis als auch Cavagna hatten am Montag bereits mehrere Minuten verloren, so dass nur die letzten 80 Starter überhaupt für die Gesamtführung in Frage kamen.

Porte, De Bod und McNulty mit Top-Zeiten

Der Erste von ihnen, der sich mit einer guten Zeit fürs Weiße Trikot mit den grünen Brustringen des Gesamtführenden empfahl, war dann der Spanier Jonathan Castroviejo (Ineos Grenadiers / 23:22). Ihn unterbot eine knappe halbe Stunde später der nächste Ineos-Profi, Richie Porte in 23:02 Minuten und schob sich zwischenzeitlich auf Tagesrang drei – "best of the rest" hinter Dennis und Cavagna.
Der Südafrikaner Stefan De Bod (Astana – Premier Tech) kam bis auf vier Sekunden an Porte heran, bevor dann Brandon McNulty (UAE Team Emirates) die virtuelle Gesamtführung übernahm. Der US-Amerikaner fuhr in 22:56 Minuten sechs Sekunden schneller als Porte und 29 Sekunden langsamer als Dennis. Er war somit neuer Tagesdritter und Gesamterster.

Almeida schnappt McNulty knapp das Führungstrikot weg

In der Folge schoben sich Fausto Masnada (Deceuninck – Quick-Step / 23:16), Wilco Kelderman (Bora – hansrohe / 23:20) und Adam Yates (Ineos Grenadiers / 23:02) sowie Steven Kruijswijk (Jumbo – Visma / 23:00) und Geraint Thomas (Ineos Grenadiers / 23:14) nacheinander in die Top 15 des Tages.
Für einen Paukenschlag sorgte aber erst Joao Almeida (Deceuninck – Quick-Step), der sich in 22:55 Minuten nochmal eine Sekunde vor McNulty platzierte und die virtuelle Gesamtführung übernahm.
Nach dem Portugiesen kam niemand mehr nah an die 23-Minuten-Marke heran. Einzig Kämna und Luis Leon Sanchez (Astana – Premier Tech) waren für die Gesamtwertung als Ausreißer des Vortages dank ihrer Zeitpolster noch interessant, konnten ihre Positionen aber nicht ganz behaupten: Kämna fuhr nach 23:33 Minuten über den Zielstrich und rutschte als Tages-22. auf Gesamtrang zehn zurück, Sanchez war 13 Sekunden schneller, wurde Tages-13. und ist nun Gesamtdritter.
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