Maximilian Schachmann war weit weg, als Tadej Pogacar die Tour de France mit seiner Dominanz erdrückte. Ein Trainingslager in der Sierra Nevada, eine frühzeitige Anreise nach Japan zur Akklimatisierung – der deutsche Radprofi ließ nichts unversucht für seinen großen Traum. Die Tour, das bis zum vergangenen Wochenende von Pogacar so beherrschte Spektakel über Alpen, Mont Ventoux und Pyrenäen, hatte Schachmann ganz bewusst ausgelassen – und alles der Jagd nach einer Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio untergeordnet.
Am Samstag, nur einen Tag nach der Eröffnungsfeier, sollen sich die Mühen auszahlen. Im olympischen Straßenrennen am Mount Fuji (03.00 Uhr MESZ/11.00 Ortszeit) zählt der 27-Jährige in einem Weltklasse-Starterfeld zum Favoritenkreis.
Trotzdem übte sich Schachmann, der erster deutscher Straßenrad-Olympiasieger seit Jan Ullrich (2000) werden könnte, in Zurückhaltung. "Es wird kein einfaches Unterfangen, die Medaillenränge zu erreichen", sagte der Berliner, der ein "sehr, sehr schwieriges" Rennen prognostiziert.
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Das 234 km lange Rennen auf hügeligem Kurs hat es tatsächlich in sich. Die Auffahrt auf den ikonischen Fuji garantiert zwar sehenswerte TV-Bilder, ist für die Fahrer aber nicht die größte Hürde. 32 Kilometer vor dem Ziel führt die Strecke auf den Mikuni-Pass, einen fünf Kilometer langen und mit 11,5 Prozent durchschnittlicher Steigung äußerst fordernden Anstieg. Er ist die Schlüsselstelle im Kampf um Gold.
"Der letzte Anstieg wird entscheidend. Oder er sorgt zumindest für eine ganz entscheidende Selektion", sagte Schachmann. Insgesamt biete das olympische Straßenrennen eine sehr anspruchsvolle Topografie, "es ist generell technisch nicht sehr einfach, die Straßen sind in Japan recht schmal, es ist kurvig", sagte Schachmann.
Hinzu kommen die äußeren Bedingungen. Es ist ein warmer Sommer in Tokio, eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für eine zusätzliche Belastung der Athleten. "Es wird warm werden, jeder wird müde sein im Finale", sagte Schachmann.
Unterstützt wird er bei der Hitzeschlacht von Nikias Arndt, Simon Geschke und dem früheren Tour-Vierten Emanuel Buchmann, der wie Geschke im Anschluss an die Frankreich-Rundfahrt anreiste. Vor allem Kletter-Ass Buchmann, Schachmanns Teamkollege beim Rennstall Bora-hansgrohe, wird bei den insgesamt 4865 zu absolvierenden Höhenmetern gefordert sein.
Die Kapitänsrolle ruht beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) allerdings klar auf Schachmann. "Max wird mit einer ausgezeichneten Form in Tokio am Start stehen. Er hat die Olympischen Spiele in den Fokus seiner Vorbereitungen gerückt, dementsprechend wird die Mannschaft auch eingestellt werden", sagte Sportdirektor Patrick Moster.
Auf die Streckenführung und das Klima hat sich Schachmann eingestellt. Auf einen konkreten Rivalen kann er sich jedoch nicht fokussieren. Die Startliste ist gespickt mit Top-Stars.
Tour-Champion Pogacar vereint mit seinem slowenischen Landsmann Primoz Roglic die Kräfte, Nairo Quintana führt das starke Aufgebot Kolumbiens an, Belgien schickt Supertalent Remco Evenepoel und den dreifachen Tour-Etappensieger Wout Van Aert an den Start, die Briten setzen auf die Brüder Simon und Adam Yates. "Ich muss versuchen, am letzten Berg in der Favoritengruppe dabeizubleiben", sagte Schachmann: "Dann ist viel möglich auf den letzten Kilometern."
(SID)
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