Getty Images

Tour de France 2018: Degenkolbs Tour-Hoffnung: Durch die "Hölle light" zurück in den Himmel

Degenkolb: Durch die "Hölle light" zurück in den Himmel
Von SID

13/07/2018 um 14:48

John Degenkolb kehrt mit der Tour de France an die Stelle seines größten Sieges zurück. Seit dem Triumph 2015 auf dem Kopfsteinpflaster von Roubaix musste der Klassikerjäger viele Rückschläge einstecken. Vom Karrierehöhepunkt zum Crash und starken Verletzungen. Ein Unfall lässt ihn an der Spitze seiner Laufbahn als Profi-Radrennfahrer wieder weit zurück fallen. Nun will er wieder zurück.

Eurosport Player: Verfolgen Sie das ganze Event live

Jetzt bei Eurosport

Die Hölle des Nordens war für John Degenkolb einst der Himmel auf Erden. Der deutsche Radstar sagte nach seinem grandiosen Sieg bei Paris-Roubaix vor nunmehr drei Jahren:

"Das ist das Rennen, von dem ich immer geträumt habe, es einmal zu gewinnen. Jahrelang hatte ich für diesen Moment gearbeitet."

Was Degenkolb damals nicht ahnte: Seine Verweildauer im Velo-Paradies war nur kurz.

Degenkolbs Erinnerungen werden wach

Wenn der 29-Jährige am Sonntag mit der Tour de France auf die Kopfsteinpflaster Nordost-Frankreichs zurückkehrt, fährt die Erinnerung an den größten Moment seiner Karriere mit. "Die Pflasteretappe ist etwas Besonderes", sagt der Geraer über die neunte Etappe mit Ziel in Roubaix:

"Wir können mit unserem Kader wirklich etwas bewegen. Zuerst gilt es aber, auf Bauke zu schauen."

Bauke heißt mit Nachnamen Mollema, ist Niederländer, Rundfahrer mit durchschnittlichen Chancen auf einen Spitzenplatz im Tour-Gesamtklassement und Degenkolbs Kapitän bei Trek-Segafredo. Dass sich der Thüringer ihm unterordnen muss, statt zumindest auf den berüchtigten Paves seine Chance suchen zu dürfen, sagt viel über die Zeit seit seinem Triumph von 2015 aus.

Als Degenkolb damals im Radstadion von Roubaix die Pflasterstein-Trophäe in die Höhe reckte, war er ganz oben angelangt, hatte als erster Fahrer seit fast 30 Jahren die so unterschiedlichen Monumente Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix in einer Saison gewonnen. Dass der Sieg in Roubaix aber sein bislang letzter großer sein sollte, war nicht vorauszusehen.

Für Degenkolb sollte es vorerst der letzte Sieg sein

Als hätte er den Zorn der Nordhöllen-Götter heraufbeschworen, war Degenkolb seither vom Pech verfolgt. Im Januar 2016 zog er sich schwere Verletzungen zu, als eine Engländerin mit ihrem Auto Degenkolbs Trainingsgruppe über den Haufen fuhr, auch danach kassierte er viele Rückschläge - zuletzt kostete ihn ein Sturz ausgerechnet bei Paris-Roubaix einige Wochen Training.

"Ich konnte erst im Mai wieder strukturiert Radfahren. Es war lange ein brutaler Kampf mit mir und meinem Körper", sagte Degenkolb:

"Von einem Tag auf den anderen habe ich aber im Körper und im Kopf gespürt, dass es wieder geht."

Was wirklich geht für Degenkolb, könnte der Roubaix-Abschnitt zeigen.

Freilich gibt es bei der Tour nicht das volle Klassiker-Programm, sondern eine "Hölle light": Statt 257 Gesamtkilometern beim Original nur 156,5, statt 29 Kopfsteinpflaster-Sektoren mit rund 55 Kilometern nur 15 mit knapp 22 Kilometern, der berüchtigte Wald von Arenberg fehlt. Das reicht aber, um den nicht solche Belastungen gewohnten Rundfahrt-Fliegenwichten wie Nairo Quintana Sorgen zu bereiten.

Auch Degenkolb, dessen Tour-Ziel nach sechs zweiten Plätze der erste Etappensieg bleibt, gehört nicht zu den ersten Sieganwärtern. Die Favoritenrolle kommt seinen Nachfolgern zu, dem Belgier Greg Van Avermaet (Roubaix-Sieger 2017), ab der vierten Etappe in Gelb, oder dem slowakischen Weltmeister Peter Sagan (2018), dessen Triumph eine absolute Machtdemonstration war. Er sagte:

"Mit den schönen Erinnerungen wird das sicherlich etwas ganz Spezielles für mich. Aber mit dem Rennen im April ist das nicht zu vergleichen - schließlich wollen auch die Klassement-Fahrer vorne dabei sein."

Video - Café Tour - Selbsttest an der Brechreiz-Grenze: So brutal ist Alpe d’Huez

10:47
0
0