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Mit Video | Buchmann verpasst Podium - Bernal macht Tour-Sieg perfekt

Mit Video | Buchmann verpasst Podium - Bernal macht Tour-Sieg perfekt
Von Eurosport

27/07/2019 um 16:32Aktualisiert 27/07/2019 um 23:31

Emanuel Buchmann hat bei der letzten Bergankunft der Tour de France 2019 in Val Thorens den Sprung aufs Podium verpasst. Egan Bernal verteidigte sein am Vortag erobertes Gelbes Trikot und ist damit designierter Gesamtsieger der Tour de France 2019 vor der Schlussetappe in Paris. Den Etappensieg holte sich als Ausreißer der Italiener Vincenzo Nibali nach knapp zwei Stunden als Solist.

Buchmann beendet die Tour als Vierter mit 1:56 Minuten Abstand zum Gelben Trikot, er konnte seinen Rückstand auf Steven Kruiswijk (+1:31) nicht aufholen.

"Am Ende hatte ich nichts zu verlieren, denn der Abstand nach hinten war groß genug, um etwas zu probieren. Leider hatte ich nicht mehr die besten Beine, aber ich bin völlig überwältigt und überglücklich mit meinem vierten Rang. Es war in diesem Jahr das Optimum, denn Thomas und Kruijswijk waren einfach besser. Aber mal sehen was die nächsten Jahre noch bringen werden", sagte Buchmann.

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"Platz vier ist geil, ein absolutes Traumergebnis", sagte Buchmann, der sich gleich nach dem Ziel ein Küsschen von Freundin Claudia abholte: "Bernal hat den Toursieg verdient, er war der Stärkste." Buchmann, der sich auf der letzten Alpen-Etappe noch um einen Platz nach vorne schob und nur um 25 Sekunden am Podest vorbeischrammte, war am Ende einfach happy:

"Ich bin nicht weit weg vom Podium, das ist ein Super-Gefühl."

Bora-Teamkollege Gregor Mühlberger hatte am Schlussanstieg alles für seinen Kapitän gegeben, doch letztlich wagte keiner der Top-Fahrer eine Attacke, sie kamen fast zeitgleich an. "Ich glaube, ich brauche noch ein paar Tage, um zu begreifen, wie gut ich hier gefahren bin", sagte Buchmann.

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Bernal schreibt Geschichte, Alaphillipe rutscht ab

Egan Bernal und Geraint Thomas (Gesamt-Zweiter/+1:11) überquerten die Ziellinie einige Meter vor ihren Rivalen Arm in Arm - Team Ineos feiert damit einen Doppelsieg in der Gesamtwertung, ebenso wie schon 2012 als die Mannschaft noch Sky hieß.

Egan Bernal - Tour de France 2019

Egan Bernal - Tour de France 2019Getty Images

"Ich muss noch nach Paris kommen, aber es ist alles einfach unglaublich", sagte der Kolumbianer, der erst am Vortag ins Gelbe Trikot geschlüpft und danach in Tränen aufgelöst war.

"Jetzt bin ich aber schon deutlich ruhiger, auch wenn ich noch ein bisschen brauche, um das hier zu verstehen."

Julian Alaphilippe verlor mehrere Minuten, der Franzose rutschte vom zweiten Gesamtrang mehrere Positionen auf Platz fünf (+3:45) ab. Frankreichs Meister Warren Barguil kletterte noch in die Top Ten, weil Richie Porte seinen Platz zehn nicht halten konnte.

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Buchmann holt nicht genügend auf

Hinter Nibali belegte das Movistar-Duo Alejandro Valverde (+0:10) und Mikel Landa (+0:14) die nächsten Plätze auf der verkürzten Etappe. ES folgten Branl und Thomas (+0:17), Buchmann wurde Siebter (+0:23) vor Kruijswijk (+0:25) - das reichte nicht zum Sprung aufs Podium.

Als zweitbester Deutscher belegte Lennard Kämna einen starken 13. Platz (+1:30) auf der 20. Etappe.

Nibali gelang mit seinem Etappensieg ein versöhnlicher Abschluss einer für ihn bis dahin enttäuschenden Tour.

Vincenzo Nibali bei der Tour de France 2019

Vincenzo Nibali bei der Tour de France 2019Getty Images

Den Gewinn des Bergtrikots konnte Romain Bardet feiern, Peter Sagan ist das Grüne Trikot ebenfalls nicht mehr zu nehmen. Neide müssen nur noch das Ziel in Paris erreichen - wie Bernal, der auch die Nachwuchswertung anführt. Die Teamwertung wird an Movistar gehen.

Bernal jüngster Tour-Sieger nach 1909

Auch am Tag nach dem spektakulären Abbruch der Etappe nach Tignes am Freitag, als bei Bernals Fahrt ins Gelbe Trikot Hagelsturm und eine Schlammlawine für ein vorzeitiges Ende vor der Bergankunft gesorgt hatten, hatten die Naturgewalten die Tour fest im Griff. Aufgrund von unpassierbaren Straßen waren die geplanten 130 km auf nicht einmal Hälfte verkürzt worden. Die Hauptschwierigkeit, der 33,4 km Schlussanstieg in den höchsten Skiort Europas, blieb aber unangetastet - und wurde schließlich bei bestem Wetter absolviert.

Auf der kurzen, topfebenen Anfahrt vom Startort Albertville zum Fuß des Anstiegs kontrollierte Bernals Ineos-Team das durchaus hohe Tempo, die Favoriten hielten noch die Füße still. Zu Beginn der Kletterpartie verschärfte Kruijswijks Jumbo-Mannschaft kilometerlang das Tempo, ein gnadenloses Ausscheidungsfahren begann.

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Als erster Podiumsanwärter streckte Alaphilippe die Segel. Der Franzose fiel nach tapferem Kampf rund 13 km vor dem Ziel zurück. Danach blieb das Tempo hoch, keiner der Konkurrenten war jedoch gut genug, um Bernal und dem starken Ineos-Team noch einmal gefährlich zu werden.

Bernal wird somit am Sonntag mit 22 Jahren und 192 Tagen zum drittjüngsten Tour-Sieger der Geschichte und zum jüngsten seit 110 Jahren werden. Jünger waren in grauer Radsport-Vorzeit nur der Franzose Henri Cornet 1904 (19 Jahre, 352 Tage) und der Luxemburger Francois Faber 1909 (22 Jahre, 187 Tage).

(SID)

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