Das Lächeln wich gar nicht mehr aus Tony Martins Gesicht. Freudestrahlend feierte er mit seinen Teamkollegen auf dem Podium bei der belgischen Radsportparty zum Auftakt der Tour de France. "Es war irgendwo ein Selbstläufer, wir stehen am Start und wissen, dass wir stark sind. Ein zweiter Platz wäre eine Enttäuschung gewesen", sagte Martin:

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Das war mein absolutes Highlight. Es ist atemberaubend, wir reiten auf einer Welle des Erfolgs.

Jumbo-Visma mit dem Gelben Trikot Teunissen und dem mehrfachen Zeitfahr-Weltmeister Martin setzte an allen Zwischenzeiten die Bestmarken und konnte im Ziel über einen absoluten Traumstart am ersten Tour-Wochenende jubeln: Zwei Etappensiege und das "maillot jaune" sind ein perfekter Auftakt.

Nur der Sturz von Topsprinter Dylan Groenewegen trübte die Bilanz etwas, der Niederländer musste auch im Mannschaftszeitfahren abreißen lassen.

Vier Deutsche in den Tour-Top 20

Platz drei ging an die belgische Mannschaft Deceuninck (+0:21), gefolgt von Sunweb und Katusha-Alpecin (beide +0:26). Bora-hansgrohe beendete die Etappe als 12. Team mit 0:46 Sekunden Rückstand. Der maximale Rückstand im Kreis der 22 Tour-Teams betrug knapp zwei Minuten.

Tony Martin ist in der Gesamtwertung jetzt Vierter, hinter drei Teamkollegen und mit zehn Sekunden Rückstand auf Teunissen. Rick Zabel, Nils Politt und Lennard Kämna liegen nach den starken Auftritten heute auch unter den Top 20. Neuer Spitzenreiter in der Nachwuchswertung ist Wout Van Aert (Jumbo), der belgische Cross-Spezialist.

Ineos legt vor, Jumbo kann kontern

Als erste Mannschaft ins Rennen gegangen, hatte Ineos eine Bestzeit gesetzt, an der sich alle Konkurrenten die Zähne ausbissen - bis nach langem Warten dann doch Jumbo die Briten noch entthronte. "Es war in Ordnung, wirklich ziemlich gut. Wir haben prima harmoniert", sagte Thomas.

Brüssel erlebte über seine Boulevards eines der schnellsten Teamzeitfahren in der Tour-Historie, an den Rekord von Orica-GreenEdge in Nizza (2013/57,841 km/h) kam aber keine Equipe heran.

Für Tony Martin kam der Erfolg an einem ganz besonderen Tag: genau an einem 7. Juli hatte er einst auch schon als Solist eine Tour-Etappe gewonnen und dabei sogar das Gelbe Trikot geholt. Mit der Mannschaft zu gewinnen, ist genauso schön wie alleine", sagte Martin: "Das ist jetzt das erste Mal, dass ich bei der Tour mit der Mannschaft auf dem Podium stehe."

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Buchmann gibt Entwarnung nach Sturz

Die deutsche Klassementhoffung Emanuel Buchmann blieb mit der Equipe Bora-hansgrohe im Rahmen der Möglichkeiten, musste aber am Ende ziemlich auf die Zähne beißen. "Es war eine solide Vorstellung, kein super, super gutes Zeitfahren", sagte Buchmann nach einem durchschnittlichen zwölften Platz. Der Oberschwabe hielt jedoch den Zeitverlust in Grenzen und hat damit die erste schwierige Prüfung auf dem Weg in die Top 10 der Gesamtwertung überstanden.

Nachwirkungen seines Sturzes vom Samstag zeigte der Ravensburger nicht, am Ende hatte er ein bisschen Mühe, das Tempo seiner Kollegen zu halten. "Mir ging's echt gut, das Knie hat gestern wehgetan, heute habe ich nichts mehr gespürt." Das Team von Manager Ralph Denk hatte den Schwerpunkt der Vorbereitung ohnehin eher auf das Hochgebirge abgestimmt. "Die Zeit ist okay, das ist im Rahmen", sagte Schachmann bei Eurosport.

(SID)

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