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Gelber wird’s nicht! Einmalige Chance auf Tour-Coup statt Trostpreise

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Romain Bardet et Thibaut Pinot

Fotocredit: Eurosport

VonAndreas Schulz
06/07/2019 Am 09:21 | Update 16/07/2019 Am 14:06
@euroschulle

Das Rennen um den Sieg bei der Tour de France ist 2019 offen wie selten: Das Fehlen von Vierfach-Sieger Chris Froome und seinem ärgsten Rivalen Tom Dumoulin eröffnet den verbliebenen Top-Fahrern eine einmalige Chance. Das Gelbe Trikot muss für sie diesmal kein Wunschtraum bleiben, wenn sie den Mut haben, Team Ineos mit seiner Doppelspitze Geraint Thomas und Egan Bernal wirklich herauszufordern.

"Diese Jahr oder nie": Mit klarem Auftrag schickt Frankreichs Tour-de-France-Zentralorgan L'Equipe das Duo Romain Bardet und Thibaut Pinot ins Rennen.

Die Schlagzeile stimmt, die Voraussetzungen für einen Tour-Sieg waren seit Jahren nicht mehr so günstig für Fahrer wie die beiden Franzosen.

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Nehmen wir die Bundesliga als Vergleich und stellen uns vor, die neue Saison würde dort ohne FC Bayern, BVB und RB Leipzig beginnen – es wäre die Steilvorlage schlechthin für Fohlen, Wölfe, Adler oder Vizekusen.

Genau so sieht die Ausgangslage bei der Tour de France Tour 2019 aus. Sie startet ohne ihren Seriensieger Chris Froome, seinen meist stärksten Rivalen Tom Dumoulin und den aufstrebenden Primoz Roglic.

Tour de France 2018: Tom Dumoulin, Geraint Thomas, Chris Froome in Paris

Fotocredit: Getty Images

Aus den Top 4 des Vorjahres fehlen drei Fahrer und Titelverteidiger Geraint Thomas ist von seiner Überform des Sommers 2018 augenscheinlich mehr als nur ein Stück entfernt.

Ihn und eine Herausforderer erwartet eine Strecke, die vor Bergen nur so strotzt: 55 Kilometern Zeitfahren stehen 30 schwere Anstiege gegenüber, darunter fünf Bergankünfte und sieben Pässe von über 2000m Höhe. Das sollte etlichen Konkurrenten besser liegen als dem Waliser.

  • Alle Profile der Tour-Etappen 2019: Viele Berge über 2000m

Statt Trostpreis winkt Tour-Sieg

"Irgendwann werden die Sterne günstig stehen" - mit dieser Hoffnung geht Pinot in die Tour de France 2019 und viel günstiger als diesen Sommer geht es kaum. Und nicht nur für ihn und seinen Landsmann Bardet gibt es die wohl einmalige Chance, sich den Tour-Triumph statt "nur" eines erneuten Podestplatzes zu sichern.

Der Favoritenkreis ist auf das Gelbe Trikot ist groß und umfasst Nairo Quintana, Rigoberto Uran, Jakub Fuglsang, Steven Kruijswijk und Alejandro Valverde, auch die Yates-Brüder, Mikel Landa, Daniel Martin und vielleicht sogar Richie Porte können sich Hoffnungen machen.

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Der entscheidende Unterschied zu den letzten Jahren besteht darin, dass aus der vagen Möglichkeit eines Coups diesmal eine realistische Perspektive geworden ist, auch wenn viele der neuen Favoriten den Ball verbal flachhalten.

Verständlich, denn einerseits ist Team Ineos alles andere als abzuschreiben (s.u.), besonders aber ist die Formfrage bei allen Anwärtern noch offen. Zu knapp waren die Abstände bei der Tour-Generalprobe Dauphiné, zu wenig selektiv die Bergetappen dort. Wessen Formaufbau das richtige Timing hatte, werden wir erst noch sehen. Nicht nur Altmeister Vincenzo Nibali verweist da auf die erste Bergankunft auf der 6. Etappe. Und wie der Italiener im Giro erst selbst leidvoll erfahren musste: Vermeintlich schon geschlagene Gegner können am Ende doch noch ganz oben stehen.

Bernal: Kletterstark - aber auch nervenstark?

Die zweite große Unbekannte bleibt das Nervenkostüm des von vielen als heißesten Kandidaten auf den Tour-Sieg gehandelten Egan Bernal. Der Kletterkünstler aus Kolumbien wird mit den Anstiegen bis hinauf zu 2770m Höhe bestens klarkommen.

Aber wie sieht es mit der Anforderung aus, auf jeder einzelnen Etappe vorne fahren zu müssen, sich nie im Finale mal bei zu großer Hektik auf engen Straßen auch zurückfallen lassen zu können oder wie 2018 auf der Etappe nach Roubaix mit über einer Viertelstunde Rückstand anzukommen?

Geraint Thomas, Egan Bernal - Tour de France 2018 in Paris

Fotocredit: Getty Images

Der 22-Jährige hat erst eine dreiwöchige Rundfahrt bestritten, nie den Druck einer Favoritenrolle beim größten Rennen der Welt getragen. Das ist eine andere Situation als bei Kalifornien-Rundfahrt, Paris-Nizza oder Tour de Suisse. Und ohne seinen Sieg in der Schweiz kleinreden zu wollen: Die Konkurrenz dort war nach dem Aus von Geraint Thomas überschaubar und der Vorsprung von 19 Sekunden nach neun Etappen gegenüber einem Fahrer wie Rohan Dennis (bei allem Respekt vor dem Zeitfahrweltmeister) eher überraschend gering als galaktisch groß.

Dennoch: Der nächste Sieg für einen Schützling von Dave Brailsford ist durchaus drin, zumal alle anderen Topfahrer entgegen der Wunschvorstellung mancher Fans nicht gemeinschaftlich das Hauptziel haben, einen Triumph von Team Ineos zu verhindern. Das allein treibt niemanden an, jeder fährt für das bestmögliche eigene Ergebnis. Aber Allianzen in einzelnen Situationen sind möglich, nicht nur Sky hat herausragend starke Edelhelfer im Aufgebot. Movistar etwa hat beim Giro endlich seine vielen Trümpfe erfolgreich gespielt.

Neue Top-Talente werden Tour erobern

Die Herausforderer der neuen Ineos-Doppelspitze werden Mut brauchen, aber die Chance, dass er belohnt werden könnte, ist größer als je zuvor in den letzten Jahren. Diese Gelegenheit gilt es zu nutzen, denn die nach oben drängende junge Garde wird zu ihrer Klasse auch rasch Erfahrung sammeln.

Tadej Pogacar und Sergio Andres Higuita Garcia

Fotocredit: Getty Images

Bernal ist schließlich nur der erste einer ganzen neuen Generation, die schon bald die Rundfahrten dominieren dürfte: Bei Ineos stehen Pavel Sivakov und Ivan Sosa vor einer großen Zukunft, auch Tadej Pogacar und Sergio Higuita haben schon in dieser Saison geglänzt – und dann sind da noch die alleskönnenden Seriensieger Mathieu Van der Poel und Wout Van Aert sowie Supertalent Remco Evenepoel.

Deshalb: Gelber wird’s nicht – die Sterne stehen günstig, Pinot & Co müssen nur den Mut haben, nach ihnen zu greifen.

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