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Tour-Geschichte(n): Rekord-Ausreißer - und das schlimmste Unglück der Tour

Tour-Geschichte(n): Rekord-Ausreißer - und das schlimmste Unglück der Tour

11/07/2019 um 09:31Aktualisiert 11/07/2019 um 10:35

Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich heute jähren und deren Bilder uns noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit Thierry Marie, Marcel Kittel, Erik Zabel und einem fürchterlichen Unglück mit vielen Toten.

Der 11. Juli - kein Tour-Tag wie jeder andere:

Die beiden längsten Solo-Fluchten des Tour-Geschichte spielten sich beide ausgerechnet an diesem Tag ab.

Die Leistung von Thierry Marie ist manchen noch in eigener Erinnerung. Am 11. Juli 1991 gelingt ihm ein erfolgreiches Solo über 243 Kilometer. Der Franzose reißt nach 25 Kilometern auf dem Weg nach Le Havre aus, singt unterwegs noch ein Lied für die TV-Kamera und setzt das unvergessliche Castorama-Trikot bestens in Szene. Zu spät reagiert das Feld - und so bleibt dem Deutschen Remig Stumpf wie am Vortag nur Platz zwei.

Marie übernimmt auch Gelb, das auf dieser Etappe fehlte: Nach dem Sturz-Aus von Rolf Sörensen am Tag zuvor wollte es Greg LeMond als "Nachrücker" nicht tragen.

Thierry Marie, Tour 1991

Thierry Marie, Tour 1991AFP

Noch weiter als Marie war kurz nach dem 2. Weltkrieg ein anderer Franzose unterwegs, Albert Bourlon: Am 11. Juli 1947 absolvierte er 253 Kilometer zwischen Carcassonne und Luchon als Solist - einsamer Rekord bis heute.

Es blieb die eindrücklichste Leistung seiner sportlichen Laufbahn. Die Erinnerung an den 2013 mit 96 Jahren verstorbenen Bourlon lebt zumindest in Bourges fort. Dort wurde posthum ein Velodrom nach dem mutigen Mann benannt, der sich im Zweiten Weltkrieg aus der Gefangenschaft befreite, nach Rumänien flüchtete und dort umgehend ein Radrennen gewann.

An einen anderen 11. Juli hat ein Sprinter-Trio um Erik Zabel schlechte Erinnerungen: Den Sprint in Marennes gewinnt der Berliner 1997 zwar, doch nach dem Jubel kommt die Ernüchterung: Wegen eines Kopfstoßes wird er später noch disqualifiziert. Noch härter trifft es Tom Steels: Der Belgier wirft mitten im Sprint eine Trinkflasche auf einen Gegner und wird aus der Tour ausgeschlossen.

Und ein weiterer Sprinter darf am nächsten Tag auch nicht mehr starten: Nach der Etappe wird bekannt, dass Djamolidine Abdoujaparov einige Tage zuvor eine positive Probe beim Dopingtest abgegeben hat. Ohne den Usbeken geht es nach Bordeaux weiter (wo Zabel mit einem Sieg Revanche nimmt...).

Tour de France 1997, Erik Zabel (Telekom)

Tour de France 1997, Erik Zabel (Telekom)Imago

Einen saubereren Sprint gibt es am 11. Juli 2013 in Tours, wo Marcel Kittel seinen dritten Erfolg bei der 100. Tour-Auflage perfekt macht.

Gegen Mark Cavendish im Trikot des britischen Meisters muss sich der Erfurter mächtig ins Zeug legen, hat aber das Rad am Ende wieder vorn.

Tour 2013: Marcel Kittel fängt Mark Cavendish noch ab

Tour 2013: Marcel Kittel fängt Mark Cavendish noch abGetty Images

John Degenkolb als Zweiter und Rüdiger Selig als Dritter sorgen für eine der erfolgreichsten deutschen Tour-Etappen überhaupt.

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Jenseits des Sports ist der 11. Juli leider auch jener Tour-Tag, der mit dem fürchterlichsten Unglück der Geschichte verbunden ist. Von der Tour 1964 wird meist wegen des epischen Duells zwischen Jacques Anquetil und Raymond Poulidor berichtet, das im berühmten Zweikampf am Puy de Dôme gipfelt.

Doch einen Tag zuvor kommt es im Rahmen der 19. Etappe zu einer schrecklichen Katastrophe: An einer Brücke über den Kanal der Dordogne stehen die Menschen in Port-de-Couze dicht gedrängt und warten auf das Fahrerfeld, als ein Lastwagen heranrast, die scharfe Kurve nicht erwischt und in die Menge fährt.

Die Bilanz: Neun Tote, darunter drei Kinder, und dreizehn Verletzte. Die Fahrer stoppen an diesem Tag kurz am Ort des Unglücks - und seitdem wird jedes Jahr in einer Gedenkzeremonie der Opfer gedacht und Blumen am Denkmal niedergelegt.

Drama bei der Tour de France 1964 in Port de Couze
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