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Tour-Geschichte(n): Horror-Sturz wegen Polizist und "Die Deutschen nehmen uns alles"

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Laurent Jalabert (l.) - Armentieres - Tour de France 1994

Fotocredit: Getty Images

VonAndreas Schulz
03/07/2020 Am 04:48 | Update 03/07/2020 Am 06:04
@euroschulle

Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich am 3. Juli jähren - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit Laurent Jalaberts Horror-Crash, dem Premieren-Sieg von Fabian Cancellara und Erfolgen von der deutschen Profis Altig, Kunde & Thaler.

Der 3. Juli - kein Tour-Tag wie jeder andere:

Leider ist auch heute die bekannteste Szene eine blutige: Die Bilder vom Horror-Sturz am 3. Juli 1994 vergisst man nicht so leicht. Auf der 1. Etappe kommt es seinerzeit nach knapp 234 Kilometern in Armentières zum Drama: Ein Gendarm, der eigentlich für die Sicherheit auf der Zielgeraden sorgen soll, will noch ein Erinnerungsfoto vom Sprintfinale knipsen.

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Zu weit wagt er sich auf die Straße, verschätzt sich mit der Entfernung der heranrasenden Meute. Laurent Jalabert, damals noch Top-Sprinter, und Fabiano Fontanelli können nicht mehr ausweichen und stürzen schwer, ebenso wie Wilfried Nelissen. Das Rennen ist für sie vorbei, es wird lange dauern, bis sie wieder voll genesen sind.

Jalabert wird als "neuer Fahrer" zurückkehren: Keine Massensprints mehr, dafür plötzlich Ambitionen in der Gesamtwertung. Exakt ein Jahr später, am 3. Juli 1995, holt sich "Jaja" das Gelbe Trikot und wird jene Tour als 4. der Gesamtwertung beenden, was neue Fragen aufwirft.

Tour de France 1994: Tourarzt Porte bei Laurent Jalabert und Fabiano Fontanelli

Fotocredit: Getty Images

Aus deutscher Sicht hingegen ist der 3. Juli gleich dreifach ein herausragender Tour-Tag:

1966 gibt es einen Doppelschlag auf der 12. Etappe aus den Pyrenäen hinaus nach Luchon. Nach seinem Sieg im Prolog triumphiert Rudi Altig erneut. Damit aber nicht genug: Landsmann Karl-Heinz Kunde schlüpft ins Gelbe Trikot, das er vier Tage lang trägt. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", sagt "Bergfloh" Kunde damals, das viel zu weite Gelbe Trikot über seiner stolzgeschwellten Brust: "Ich kann es noch gar nicht fassen."

"Die Deutschen nehmen uns alles", klagt die französische Presse und titelt: "Kunde kolossal". 15 von 22 Etappen jener Tour sind Kunde oder Altig im Gelben Trikot, in Paris wird Altig dann Neunter, Kunde Zwölfter.

Kunde (l.) und Altig (r.) - Tour de France 1966

Fotocredit: Getty Images

1978 schlägt dann der nächste Deutsche am 3. Juli zu: Am Tag zuvor gewinnt Klaus-Peter Thaler schon die 3. Etappe, nun holt er auch noch Gelb. Dieser Coup gelingt ihm auf einem historischen Tagesabschnitt: Über unglaubliche 153 Kilometer führt damals das Mannschaftszeitfahren von Evreux nach Caen. Trotz der enormen Distanz ist es am Ende ganz schön knapp, nach 3:39 Stunden liegt Thaler mit seinem Team Ti-Raleigh nur sieben Sekunden vor der ersten Konkurrenz.

Zwei Tage trägt Thaler das "maillot jaune", in Paris belegt er Rang 35.

  • Alle deutschen Träger des Gelben Trikots der Tour de France
  • Alle deutschen Etappensieger in der Tour-Geschichte

Schließlich ist der 3. Juli auch noch jener Tag, an dem ein gewisser Fabian Cancellara seinen ersten Tour-Tagessieg holt. 2004 in Lüttich lässt er den etablierten Assen mit seinen 23 Jahren keine Chance. Damals noch für Fassa Bortolo aktiv, hätte er es sich sicher kaum träumen lassen, acht Jahre später an selber Stelle wieder den Auftakt im Kampf gegen die Uhr zu gewinnen. Und ganz nebenbei in der Zwischenzeit auch bei den Tour-Starts in London 2007, Monaco 2009 und Rotterdam 2010 zu triumphieren. Nur auf französischem Boden fehlt ihm ein Auftaktsieg...

Fabian Cancellara - Tour de France 2004, Fassa Bortolo

Fotocredit: Imago

Schließlich gibt es noch einen besonderen Pechvogel: Am 3. Juli 2011 wird der große Teamplayer Bernhard Eisel unabsichtlich zum Unglücksraben des Mannschaftszeitfahrens in Les Essarts. Sein HTC-Team ist heißer Sieganwärter, doch der Österreicher touchiert bereits in der ersten Kurve das Hinterrad eines Mannschaftskollegen und stürzt.

Der Zug rauscht ohne ihn weiter, doch ohne eine seiner Lokomotiven fehlen im Ziel fünf Sekunden zum Etappensieg (und zu Gelb für Tony Martin). Eisel muss den Kurs als Einzelzeitfahren absolvieren, aber am Ende dieser Tour stehen für HTC doch nicht weniger als sechs Tageserfolge: Da lässt sich so ein Missgeschick leichter verschmerzen...

Tour de France 2011: HTC angeführt von Tony Martin

Fotocredit: Imago

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