Der 26. Juli - kein Tag wie jeder andere bei der Tour de France:
Die 19. Etappe der Tour de France 2019 sollte in den Alpen den vielleicht entscheidenden Schlagabtausch um den Tour-Sieg bringen, doch die Naturgewalten stellten den Verlauf auf den Kopf. Hagelstürme, Starkregen und Schlammlawinen sorgten dafür, dass das Rennen vor dem Schlussanstieg abgebrochen werden musste.
Der große, indirekte Gewinner des Tages war Egan Bernal, der am vorletzten Gipfel attackiert hatte - an dessen Bergwertung letztendlich die Abstände für die Gesamtwertung genommen wurden. Knapp eine Minute Vorsprung hatte der Kolumbianer dort herausgefahren, das Gelbe Trikot so erobert und die Weichen auf seinen Gesamtsieg gestellt.
Tour de France
Tour-Geschichte(n): Herzschlag-Finale 1989, vergiftete Siege, Tony-Martin-Premiere
23/07/2019 AM 15:43

Vor einem Jahr: Wetter-Chaos stoppt Tour-Showdown in den Bergen

Zuvor hatte es schon zu Beginn der Etappe eine unerwartete Wendung gegeben: Mitfavorit Thibaut Pinot musste nach wenigen Kilometern das Rennen unter Tränen und Schmerzen aufgeben.
Der Franzose, in der Pyrenäen stärkster Kletterer und Sieger am Tourmalet, hatte sich einen Muskelfaserriss zugezogen, der ihm keine andere Wahl ließ.

Vor einem Jahr: Pinot muss Tour unter Tränen aufgeben

Bis gegen 16:30 Uhr glauben am 26. Juli 2003 die Fans von Jan Ullrich an seinen zweiten Toursieg. Dazu müsste er im Zeitfahren 65 Sekunden auf den 49 Kilometern nach Nantes gegen Lance Armstrong aufholen. Nicht unmöglich, schließlich lag er auf der 12. Etappe im Kampf gegen die Uhr über 47 Kilometer sogar um 96 Sekunden vor dem Texaner.
Doch diesmal ist es keine Hitze-, sondern eine Regenschlacht. Ullrich verzichtet auf eine Streckenbesichtigung, verlässt sich auf ein Videostudium des Kurses im Hotel. Armstrong hingegen fährt die Strecke im Regen ab, ein vielleicht entscheidender Vorteil. In jedem Fall kommt Ullrich (Bild oben) in einem Kreisverkehr zu Fall - alle Hoffnungen sind dahin. Armstrong liegt als Tagesdritter schließlich sogar elf Sekunden vor seinem Rivalen, die Tour ist entschieden.
Vorbei ist die Tour an diesem Tag für einen anderen Deutschen: Uwe Peschel, der mit 34 Jahren endlich sein Tour-Debüt gibt, stürzt gleich zweimal: Vorbei der Traum des Zeitfahr-Spezialisten von einem Spitzenplatz in seiner Spezialdisziplin und von Paris. Peschel will unbedingt die Tour beenden, doch die Ärzte raten ab, denn er erlitt zwei Rippenbrüche, nur noch ein Lungenflügel war funktionsfähig. Folge am Rande: Team Gerolsteiner kam so nur mit drei der gestarteten neun Fahrer in Paris an.

Uwe Peschel (Gerolsteiner), Tour de France 2003

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Wieder ein 26. Juli, wieder ein abschließendes Tour-Zeitfahren: Im Jahr 2008 hält dabei Stefan Schumacher, wie schon zwei Wochen zuvor, im Kampf gegen die Uhr die Weltelite in Schach. Die 53 Kilometer zwischen Cérilly und St Amand Montrond bewältigt er 21 Sekunden schneller als Fabian Cancellara.
Doch wenig später wird der Schwabe als CERA-Doper überführt, ebenso wie sein österreichischer Teamkollege Bernhard Kohl, der an diesem Tag den dritten Gesamtrang gegen den Russen Denis Menchov verteidgt.

Stefan Schumacher bei der Tour de France 2008

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Auch der Tour-Sieg entscheidet sich auf diesen Kilometern: Der Spanier Carlos Sastre kann überraschend sein Gelbes Trikot gegen Cadel Evans verteidigen.
Der Australier holt, von einem Sturz vor Tagen gehandicapt, nur 29 Sekunden seines Rückstandes auf: Sastre gewinnt die Tour letztlich mit 65 Sekunden Vorsprung.

Carlos Sastre jubelt bei der Tour de France 2008 nach dem Zeitfahren

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Zeitfahren zum Dritten - aber diesmal ist der Tour-Sieg schon entschieden, als es 1997 rund ums Disneyland vor den Toren von Paris geht. Abraham Olano gewinnt diese vorletzte Etappe vor Gesamtsieger Jan Ullrich, doch in Erinnerung bleibt sie wegen Bjarne Riis. Der Däne hat sich damit abgefunden, dass er seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen kann. Doch ein Etappensieg als Trost und eine Verbesserung bis auf Platz vier wären auf den 63 Kilometern vielleicht möglich.
Aber schon auf dem Weg zum Startpodium kippt Riis mit seiner Rennmaschine um, dann folgt ein erster Defekt unterwegs. Wenig später verweigert das Spezialrad erneut seinen Dienst - und Riis reicht's: In hohem Bogen schleudert er die sündhaft teure Sonderanfertigung in die Botanik.

Bjarne Riis: Radwurf bei der Tour de France 1997

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Im Jahr 2009 markiert der 26. Juli das Tour-Ende in Paris. Lance Armstrong schafft es bei seinem Comeback bis aufs Podium, doch nicht in die Mitte: da steht Teamkollege Alberto Contador.
Doch der hört zu seinen Ehren nicht die spanische Nationalhymne, sondern jene aus Dänemark (Armstrong hat mit diesem Zwischenfall nichts zu tun...).

Das Podium der Tour de France 2009 in Paris: Andy Schleck, Alberto Contador, Lance Armstrong

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Erinnerungswürdig ist aber auch das Sprintfinale zuvor: Nicht wegen des Sieges von Mark Cavendish an sich, den er dominiert die Sprints jener Jahre in Serie, sondern wegen der Art und Weise des Erfolgs:
Der Brite siegt 2008 derart überlegen wie man es auf den Champs Elysées kaum je gesehen hat - und sein Anfahrer Mark Renshaw ist so schnell, dass er noch vor der versammelten Konkurrrenz Platz zwei belegt.

Cavendishs Sensationssprint auf den Champs Elysées 2009

In der Abenddämmerung des 26. Juli 2015 ist es Cavendishs alter Rivale und Ex-Teamkollge André Greipel, der seine stärkste Tour mit einem vierten und letzten Etappensieg krönt.
Nach weniger als drei Stunden ist noch einmal abschießend geklärt, wer der schnellste Fahrer jener Tour ist - nur zum Grünen Trikot reicht es trotz der vielen Tageserfolge nicht, da ist gegen Peter Sagans Konstanz (kein Etappensieg) kein Kraut gewachsen.

"Vollgas aus der Kurve": Greipel über den Sieg in Paris 2015

Einen weiteren deutschen Sieg in Paris an einem 26. Juli gibt es aus dem Jahr 1992 zu vermelden: Da setzt sich Olaf Ludwig im Panasonic-Trikot vor Jean-Paul Van Poppel und Johan Museeuw durch, Laurent Jalabert wird Vierter und gewinnt so die Punktewertung.
Für Ludwig aber endet die Tour so doch noch mit dem ersehnten Einzelsieg, nachdem er mit der Mannschaft schon das Teamzeitfahren gewonnen hatte.

Tour 1992: Olaf Ludwig siegt in Paris

Fotocredit: Imago

Und erstmals zwei Siege in einer Tour konnte Tony Martin 2014 bejubeln. Am 26. Juli siegt er im Zeitfahren erwartungsgemäß auf der vorletzten Etappe, nachdem er zuvor schon in den Vogesen ein Teilstück für sich hatte entscheiden können.
Mit 1:39 Minute ist der Vorsprung des Weltmeisters auf Tom Dumoulin mehr als komfortabel am Ende der 54 Kilometer zwischen Bergerac und Périgueux.

Tony Martin im Zeitfahren bei der Tour de France 2014

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