Der Weltmeister gibt den Ton vor: "Wenn ich mir die Strecke anschaue, bekomme ich richtig Lust und Motivation", begeisterte sich Julian Alaphilippe am Eurosport-Mikrofon nach der Enthüllung des Tour-Parcours für 2022. "Schon die erste Woche wird sehr spannend, die Etappenprofile sind sehr unterschiedlich und da kann eine Menge passieren", freute sich der Publikumsliebling: "Das wird ein echter Spaß!"
Recht hat er, Langeweile wird bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli nächsten Jahres kaum herrschen.
Tour-Chef Christian Prudhomme hat ganz offen "Attacke" als Motto ausgegeben und fasst die Herausforderung an die Stars am Beispiel der ersten Tage auf französischem Boden nach dem Auftakt in Dänemark kompakt zusammen: "Sie müssen nicht nur bei der ersten Bergankunft auf der 7. Etappe voll da sein, aber auch im schweren Finale der 6. Etappe, auf den Pavés der 5. Etappe und auf dem windanfälligen Kurs nach Calais auf der 4. Etappe."
Tour de France
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Eine Warnung schiebt der Franzose direkt hinterher: Die auf dem Papier geringere Anzahl an Anstiegen im Vergleich zu den Vorjahren "ist eine Täuschung". Es gehe höher hinauf als zuletzt, was die doppelte Passage des Col du Galibier (2642 m) und die Bergankunft am Col du Granon (2413 m) in den Alpen belegen.
Doch damit nicht genug: der genauere Blick auf die Streckenführung zeigt, dass die Zahl von fünf Bergankünften eher konservativ gerechnet ist, zumal etliche schwere und steile Finals vermeintliche Sprinteretappen zu Schlüsselstellen für alle Favoriten im Kampf um das Gelbe Trikot machen. "Bei dieser Tour kann alles passieren, jederzeit", unterstreicht Prudhomme: "Man kann das Rennen wirklich überall verlieren!"
Ein Blick auf fünf Fallen der Tour 2022 abseits der Zeitfahren und großen Bergankünfte:

Warnung vor der Wand

Wer denkt, die Ankunft in Longwy auf der 6. Etappe sei angesichts des Sieges von Peter Sagan 2017 wieder nur ein Fall für stabile Sprinter, sei gewarnt: Das Finale ist 2022 deutlich schwerer, obwohl schon damals einige Klassementfahrer dort den Anschluss verloren.
Diesmal steht neben den drei ansteigenden Finalkilometern zusätzlich schon sechs Kilometer vor dem Ziel eine 12,3 Prozent steile Wand vor den Fahrern.

Olympiastadion ist kein Sprinter-Heimspiel

Am Tag nach der ersten Bergankunft ist beim Abstecher in die Schweiz auf der 8. Etappe wieder absolute Wachsamkeit für die Stars angesagt.
In der Heimat des IOC wartet hinauf zum Olympiastadion von Lausanne ein Finale, das mit "ansteigender Zielgerade" viel zu banal klassifiziert wäre: Fast fünf Kilometer geht es bergan, schön gewürzt mit einer 12 Prozent steilen Passage von fast einem Kilometer Länge.

Keine Ruhe vor dem Ruhetag

Noch anspruchsvoller wird die Rückkehr nach Frankreich auf der 9. Etappe: Mit Col des Mosses, Col de la Croix und dem 15 Kilometer langen Pas de Morgins im Finale stehen gleich drei lange Kanten auf dem Menü, das abgerundet wird durch einen vier Kilometer langen Schlussanstieg nach Châtel.
Über 3600 Höhenmeter verstecken sich in diesem Teilstück - ein ganz schlechter Tag, um einen schlechten Tag zu haben.
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"Das ist keine Bergetappe" - ehrlich?

Tour-Chef Prudhomme betonte ausdrücklich, dass diese 10. Etappe keinesfalls eine Bergetappe sei, was viele Fahrer angesichts eines Anstiegs von über 19 Kilometern Länge zum Tagesziel in Megève etwas anders sehen dürften.
Der Steigung hinauf zum Flugfeld ist zwar zugegebenermaßen angesichts etlicher flacherer Passagen im Schnitt nicht sehr steil, aber gerade im letzten Drittel dennoch schwer genug, um dort durchaus Schaden anrichten zu können: Einfach mal bei Thibaut Pinot nachfragen, der dort 2020 am Schlusstag noch die Dauphiné verlor.

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Fight am Flugplatz

Eine Etappe durchs Zentralmassiv ist immer eine echte Nagelprobe, denn flach ist es auf diesen Teilstücken fast nirgends. Wo es zudem sehr steil wird, wissen die Tour-Fahrer schon vor der 14. Etappe nur zu genau: Die drei Kilometer aus Mende hinauf zum Flugplatz sorgen mit ihren 10,2 Prozent Steigung immer für Abstände, manchmal sogar für größere Differenzen als deutlich längere Kletterprüfungen im Hochgebirge.
Bei der Tour 2018 ließ Roglic dort seine Konkurrenten im Kampf ums Podium stehen, 2015 nahm Chris Froome an diesem kurzen Anstieg Titelverteidiger Nibali eine halbe Minute ab.
Fazit? Titelverteidiger Tadej Pogacar fasst es perfekt zusammen: "Das wird ein Rennen, in dem alles drinsteckt. Vom Start bis ins Ziel. Zeitfahren, Sprints, Windkante, Kopfsteinpflaster, große Anstiege, schwierige Finals" - nur Langeweile, die wird es nicht geben.
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