Tadej Pogacar ist in Sorge. Nicht die Konkurrenz schreckt den Radsport-Überflieger vor dem Angriff auf seinen dritten Tour-de-France-Triumph nacheinander. Das Coronavirus greift im Peloton wild um sich - und wirbelt die Planungen von Teams und Fahrern knapp zwei Wochen vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt durcheinander.
"Wir werden uns so weit wie möglich isolieren", sagte Pogacar, der am Sonntag in seiner Heimat bei der Slowenien-Rundfahrt auf den Gesamtsieg zusteuerte. An den ersten beiden Tagen habe man noch Autogramme gegeben und Fotos mit den Fans gemacht. Die Volksnähe gab der Superstar zur Sicherheit dann aber lieber auf. "Wir werden uns zurückhalten, wir wollen bei der Tour am Start sein", sagte Pogacar am vergangenen Freitag.
Zuvor war sein Teamkollege Mikkel Bjerg positiv getestet worden. Dessen Zimmergenosse Vegard Stake Laengen nahm Pogacars Team UAE Emirates als Vorsichtsmaßnahme ebenfalls vorzeitig aus dem Rennen.
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Der Corona-Ausbruch in Slowenien ist dabei kein isolierter Vorfall. Bei der am Sonntag endenden Tour de Suisse waren die Auswirkungen noch größer. Gleich vier Teams - Jumbo-Visma, UAE Emirates, Bahrain-Victorious und Alpecin-Fenix - zogen sich komplett vom Etappenrennen zurück. Beim abschließenden Einzelzeitfahren am Sonntag in Vaduz ging nur etwa die Hälfte der ursprünglich 152 gestarteten Fahrer ins Rennen. Der Großteil fehlte wegen Corona.

Positiver Coronatest bei Vlasov

Auch die deutsche Equipe Bora-hansgrohe ist betroffen. Die Mannschaft aus dem oberbayerischen Raubling hofft bei der Tour nach dem Gesamtsieg beim Giro d'Italia durch den Australier Jai Hindley auf eine weitere Podiumsplatzierung. Vorgesehen ist dafür der Russe Alexander Vlasov - in der Schweiz stieg er am Freitag wegen eines positiven Tests aus dem Rennen aus. Eine ideale Vorbereitung sieht anders aus.
Die Sommerwelle trifft den Radsport zur Unzeit. Am 1. Juli fällt in Kopenhagen der Startschuss zur Großen Schleife, dem Höhepunkt der Saison. Tour-Direktor Christian Prudhomme kommentierte die Vorkommnisse in der Schweiz zurückhaltend. Man werde "das Protokoll und die Empfehlungen des Weltverbandes UCI respektieren", sagte er der "L'Equipe".

Tour de France: 2020 und 2021 keine positiven Fälle

Grundsätzlich setzt das Protokoll auf bewährte Maßnahmen wie die Maskenpflicht und Abstandsreglungen. Im Falle eines bestätigten Falles trifft die UCI in Rücksprache mit Vertretern der Teams, der Fahrer, des Veranstalters, Ärzten und den nationalen Behörden "eine angemessene" Entscheidung. Im Zweifel lautet diese: Ausschluss aus dem Rennen.
Bei der Tour war das bislang nicht nötig. 2020 und 2021 funktionierte das Konzept der "Blase", die Teams schotteten sich komplett ab, positive Fälle unter den Fahrern gab es nicht. Tadej Pogacar gewann in beiden Jahren. Auf dem Weg zum Hattrick im Gelben Trikot fahren die Corona-Sorgen wieder mit.
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