Niemand konnte das besser als Walter Röhrl, der einstige Sekretär und Dienstfahrer im Bischöflichen Ordinariat Regensburg. "Du hast mir in all diesen Jahren durch deine blitzartige und intuitive Virtuosität am Lenkrad mehrfach das Leben geschenkt", schrieb Röhrls ewiger Beifahrer Christian Geistdörfer in einem von der Sport Bild abgedruckten Brief.
Besser kann man Röhrls Genialität kaum beschreiben. Am 7. März feiert der zweimalige Rallye-Weltmeister seinen 70. Geburtstag.
Erinnerungen sind bei Walter Röhrl jederzeit abrufbar. Da waren diese Testfahrten mit Mercedes im Dezember 1980 in Österreich:
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In der Früh auf einer Schneestraße, rechts und links Schneemauern, ich komme im Drift mit 180 km/h um eine lange Rechtskurve
Vor ihm wie aus dem Nichts ein breiter Holz-Laster: "Da läuft dein Leben vor dir ab." So schräg, wie es nur ging, hat er "an die Schneemauer rangelenkt, damit sich das Auto ein bisschen reinbeißt ohne abzuprallen". Hat geklappt, ist nix passiert: "Es war erst ab der B-Säule alles abgerissen." Haarscharf ist's gewesen, sei's drum.

Zur richtigen Zeit dabei

Über den Unterschied zur Rallye-WM der Gegenwart sagt Walter Röhrl, er sei "Gott sei Dank zur richtigen Zeit" dabei gewesen. Triumph und Tragödie - nie waren sich diese beiden Betrüger so einig wie damals, als die hochgezüchteten PS-Monster auf dem weltberühmten Col de Turini in den französischen Seealpen, in den undurchdringlichen Nebelbänken von Portugal oder auf Eis und Schnee in Finnland randalierten.
Stets an Röhrls Seite: Christian Geistdörfer, in der Hand das Gebetbuch, aus dem er Röhrl im Stakkato vorliest, was dieser zu tun hat: "90 mittel links Kuppe 90 voll rechts."
Die Legende des Walter Röhrl wird in einer kalten, regnerischen Nacht während der Rallye Portugal im Jahr 1980 geboren, auf der Sonderprüfung über die Gebirgskämme von Arganil. "Keine zwei Meter weit", sei die Sicht damals gewesen, erzählt Röhrl, der die Prüfung in der Nacht vorher in seinem Hotelbett im Kopf "abgefahren" ist.
Blind habe er jeden Baum, jede Kurve nachzeichnen können, und so hat er seinen Fiat 131 Abarth dann auch den Berg hochgeprügelt - geleitet nur von Geistdörfers Stimme, die sich durch das dröhnende Gebrüll des Motors fräste. Zwei Menschen, auf Gedeih und Verderb einander ausgeliefert in einem tobenden, heulenden Erlkönig, die Drehzahlen in Bereichen jenseits des Fassbaren.

Der überirdische Rallye-Gott

Ob er denn wohl tatsächlich, wie man sich seither am Lagerfeuer erzählt, damals mit geschlossenen Augen gefahren ist? Röhrl sagte der "Sport Bild":
Blödsinn. Es war ja auch kein richtiger Blindflug. Zwei Meter Sicht hatten wir ja noch
In jener Nacht erhob sich Walter Röhrl aus der grauen Masse und stieg auf zum überirdischen Rallye-Gott. Er findet das im Rückblick nüchtern betrachtet fast logisch: "Vier Minuten 50 schneller zu sein auf einer Sonderprüfung als die gesamte Weltelite, ist schon eine Ansage." Stimmt.
Im Rallye-Auto ist Röhrl heute nur noch bei Classic-Veranstaltungen unterwegs, zuletzt ist er die Histo-Monte gefahren, in einer Replika des legendären Audi Quattro. Es geht ihm in diesen Nostalgie-Veranstaltungen "mehr oder weniger darum, ein altes Auto zu bewegen, und nicht um einen Wettkampf" - obwohl ihn schon immer mal wieder die Frage kitzelt, "ob ich wohl noch schnell genug bin".
1980 (Fiat) und 1982 (Opel) war Walter Röhrl Weltmeister, viermal gewann er die berühmte Rallye Monte Carlo mit vier verschiedenen Autos, was außer ihm noch niemand geschafft hat. Außerdem war er bei Sportwagenrennen und in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft erfolgreich unterwegs.
Die Formel 1 hat ihn nie gereizt, auf glattgebügelten Asphaltbändern im Kreis zu fahren, war nicht seine Welt. "Mit einem schlechten Auto fährt man da immer hinterher", hat er mal gesagt, "in der Rallye kann man schlechtes Material durch fahrerisches Können ausgleichen." Könner wie er sind selten geworden.

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