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Nächster Rücktritt im DSV: Henning Lambertz kein Schwimm-Bundestrainer mehr

Nächster Rücktritt im DSV: Lambertz kein Schwimm-Bundestrainer mehr
Von Eurosport

20/12/2018 um 15:30Aktualisiert 20/12/2018 um 15:44

Henning Lambertz ist überraschend als Schwimm-Bundestrainer zurückgetreten. Dafür gab er familiäre, aber auch verbandsinterne Gründe an. Für den krisengeschüttelten Deutschen Schwimm-Verband (DSV) ist das ein weiterer Tiefschlag. Da auch die Verbandspräsidentin Gabi Dörries aufgehört hat, sind anderthalb Jahre vor den Olympischen Spielen in Tokio die zwei wichtigsten Posten im DSV nicht besetzt.

Die Tränen seiner zwei Töchter verfolgten Henning Lambertz bei jedem Wettkampf. "Wenn die Kinder auf deinen Koffern sitzen und dich anbetteln: 'Bitte geh' nicht!', dann ist das nur schwer zu ertragen", sagte Lambertz dem SID. Deshalb traf er "die schwerste Entscheidung meiner Karriere": Er trat am Donnerstag völlig überraschend als Bundestrainer zurück und versetzte dem krisengeschüttelten Deutschen Schwimm-Verband (DSV) einen weiteren Tiefschlag.

    Dass seine "Freundin und Mentorin" Gabi Dörries seit zwei Wochen keine Verbandspräsidentin mehr ist, sei "das Zünglein an der Waage" gewesen. Lambertz (48), der auch in Krisenzeiten immer die volle Rückendeckung der Präsidentin zu spüren bekommen hatte, verriet:

    "Im Schulterschluss haben wir sechs Jahre hervorragend zusammengearbeitet. Ich habe zu Gabi immer gesagt: Wenn du einmal aufhörst, dann gilt das auch für mich."

    Dörries war beim Verbandstag am 8. Dezember wegen ihres nicht zur Abstimmung gebrachten Finanzkonzepts zurückgetreten, jetzt folgt ihr der Bundestrainer. Anderthalb Jahre vor den Olympischen Spielen in Tokio sind damit im DSV die zwei wichtigsten Posten nicht besetzt.

    Rücktritt beim DSV: Gabi Dörries gibt ihr Amt ab

    Rücktritt beim DSV: Gabi Dörries gibt ihr Amt abSID

    Lambertz Aufgaben werden verteilt

    "Ich bin schockiert. Das ist der zweite harte Schlag innerhalb kürzester Zeit", sagte die frühere Athletensprecherin Dorothea Brandt dem SID:

    "Es bleibt nur zu hoffen, dass von den vielen Dingen, die Henning angestoßen hat, etwas übrig bleibt."

    Einen direkten Nachfolger für Lambertz wird es bis zu den Sommerspielen 2020 nicht geben, seine Aufgaben werden "in einem kompetenten Trainer- und Expertenteam auf mehrere Schultern verteilt", sagte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen. Es ist davon auszugehen, dass sich am Qualifikationsmodus für die WM im kommenden Sommer in Südkorea (harte Normzeiten, längerer Zeitraum) nichts ändert.

    Lambertz war nach dem miserablen Olympia-Auftritt 2012 vom Bundesstützpunkttrainer in Essen zum Chef-Bundestrainer Schwimmen aufgestiegen und hatte ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Er wolle Deutschland wieder zur Schwimm-Nation Nummer eins in Europa machen. Davon sind Marco Koch und Co. weit entfernt, auch wenn die erfolgreiche EM im vergangenen Sommer in Glasgow Anlass zur Hoffnung gab.

    Bei Olympia in Rio blieb das Becken-Team aber auch unter Lambertz medaillenlos, zudem gab es immer wieder Reibereien mit Heimtrainern und Athleten, zuletzt wegen des umstrittenen Kraftkonzepts, der harten Normen und der zunehmenden Zentralisierung. Der Bundestrainer versuche, "allen eine Doktrin aufzudrücken, von der nur er selbst überzeugt ist", hatte zum Beispiel Weltrekordler Paul Biedermann kritisiert. Mit dem Olympia-Sechsten Philip Heintz war Lambertz während der WM 2017 in Budapest öffentlich aneinandergeraten.

    Lambertz dennoch zufrieden

    Lambertz ist mit seiner Arbeit dennoch zufrieden. "Ich denke, wir haben in den letzten sechs Jahren an den richtigen Stellschrauben gedreht", sagt er:

    "Ich übergebe ein Team, das zusammengewachsen und dichter an die Weltspitze gerückt ist. Wenn man den Weg weitergeht, kann daraus Großes wachsen."

    Er selbst wird weiter ein kleiner Teil davon sein, denn die Trainingssteuerung von Ex-Weltmeister Koch wird Lambertz bis zu den Olympischen Spielen fortsetzen. Ob er danach als Schwimmtrainer an den Beckenrand zurückkehrt, ist offen. Eines aber ist gewiss: Seine Kinder hat Lambertz mit der Entscheidung glücklich gemacht. "Sie sind mir um den Hals gefallen", verriet er.