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IOC sperrt Sotschi-Sieger Alexander Tretjakow Tretjakow lebenslang für Olympia

IOC sperrt Sotschi-Sieger Tretjakow lebenslang für Olympia
Von SID

22/11/2017 um 14:41Aktualisiert 23/11/2017 um 12:10

Das Internationale Olympische Komitee hat gegen einen weiteren russischen Olympiasieger von Sotschi eine lebenslange Olympia-Sperre verhängt. Neben Skeleton-Pilot Alexander Tretjakow erhielten drei weitere Skeleton-Fahrerinnen die Höchststrafe: Bronze-Gewinnerin Jelena Nikitina sowie Olga Potylizina (5.) und Maria Orlowa (6.). Eine detaillierte Begründung für die Urteile nannte das IOC nicht.

Damit greift die IOC-Kommission von Exekutivmitglied Denis Oswald, die für die Sanktionierung der im McLaren-Bericht genannten 28 verdächtigen russischen Sotschi-Starter zuständig ist, weiter hart durch. Die Fronten zwischen Russland und dem IOC verhärten sich zwei Wochen vor der Strafverkündung des Ringeordens gegen Russland im Zuge des Staatsdopingskandals dadurch weiter.

Sechs Langläufer gesperrt

Insgesamt sechs Langläufer sind bereits ebenfalls für alle Funktionen bei Olympischen Spielen lebenslang gesperrt worden, darunter Alexander Legkow, Goldmedaillengewinner von Sotschi über 50 Kilometer. Alle Sportler wurden aus den Olympia-Ergebnislisten gestrichen.

Tretjakow hatte in den beiden Rennen der neuen Weltcupsaison die Ränge drei beziehungsweise sechs belegt. Ob er weiter im Weltcup starten darf, muss nun der Weltverband IBSF entscheiden. Nikitina hatte am Samstag den Weltcup in Park City gewonnen - vor Vizeweltmeisterin Tina Hermann (Königssee).

"Gut, dass man diese Dinge nun ernst nimmt. Ich hätte mir einen stärkeren Rückhalt vom IOC schon vor den Olympischen Spielen in Rio gewünscht", sagte Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband Deutschland (BSD):

"Die IBSF muss sich jetzt wegen der Weltcup-Starts Gedanken machen, aber ohne detaillierte Urteilsbegründung ist das natürlich schwierig."

Geht das IOC in der Einzelfallbewertung weiter so rigide vor, geraten die Medaillenlisten von Sotschi völlig durcheinander. Geradezu tragisch wären die Verschiebespiele, die das IOC noch offiziell vollziehen muss, für die Letten.

Russland nicht mehr beste Nation

Nach der Disqualifikation von Tretjakow wäre der ursprünglich zweitplatzierte Lette Martins Dukurs neuer Skeleton-Olympiasieger von Sotschi. Damit würde Lettland seine erste Goldmedaille in der Geschichte Olympischer Winterspiele am grünen Tisch erhalten.

Die Perversität des Verfahrens verdeutlicht auch der Blick an die Spitze des Medaillenspiegels. Mittlerweile liegt Sotschi-Gastgeber Russland nur noch dank der mehr gewonnenen Silbermedaillen auf Platz eins des Medaillenspiegels vor Norwegen, beide Länder haben nun elfmal Gold auf dem Konto.

Würde beispielsweise Bobpilot Alexander Subkow, der schon von Oswald verhört wurde, seine beiden Goldmedaillen verlieren, wäre Russland seinen Platz an der Sonne los.

Mehr als 1000 Athleten unter Dopingverdacht

Die Oswald-Kommission, die derzeit die verdächtigen russischen Sotschi-Starter entweder persönlich in Lausanne oder per Videokonferenz befragt, will der Reihe nach ihre weiteren Sanktionen veröffentlichen. Anlass der Untersuchungen waren zwei Berichte des kanadischen Rechtsprofessors Richard McLaren, der Russland staatlich orchestriertes Doping nachgewiesen hat. Mehr als 1000 russische Athleten sollen insgesamt profitiert haben. In Sotschi sollen russische Dopingproben mithilfe des Geheimdienstes ausgetauscht oder manipuliert worden sein.

Die zweite IOC-Kommission unter der Leitung des ehemaligen Schweizer Spitzenpolitikers Samuel Schmid befasst sich mit der Frage der Mitwisserschaft russischer Politiker und Behörden. Auf Basis ihrer Einschätzung will die IOC-Exekutive unter dem deutschen Präsidenten Thomas Bach am 5. Dezember eine übergreifende Strafe verhängen.

Anfang des Monats hatte die New York Times geschrieben, das IOC erwäge unter anderem ein Verbot der russischen Hymne bei den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) und ein Ausschluss russischer Athleten von der Eröffnungsfeier. Allein dieser Bericht hatte einen Sturm der Entrüstung in Russland entfacht. Mehrere Politiker forderten im Falle der Verhängung solcher Maßnahmen durch das IOC einen Pyeongchang-Boykott.

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