"Ahhhhh!" Felix Neureuther stöhnte in einer Mischung aus Frust und Enttäuschung laut auf. Platz sechs beim Weltcup-Riesenslalom in Alta Badia - das war zwar "kein Weltuntergang", wie der beste deutsche Ski-Rennläufer meinte, aber eben auch nicht das, "was möglich gewesen wäre".
Deshalb habe er sich im Ziel der "Gran Risa", wo er seinen Stoßseufzer los ließ, "geärgert. Ich habe gemerkt, dass der Punch nicht so da war, dass ich nicht das umsetzen konnte, was ich mir vorgenommen hatte: aktiver und aggressiver Ski zu fahren." Stolze 2,13 Sekunden fehlten dem 32-Jährigen deshalb auf den Österreicher Marcel Hirscher, der einen der schwersten "Riesen" der Saison zum vierten Mal nacheinander gewann. Stefan Luitz (+2,93) wurde Neunter.

Zur Halbzeit noch Fünfter

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Mehr als zwei "solide Läufe" waren nicht drin für Neureuther, der als Fünfter des ersten Laufs noch auf seine zweite Podestplatzierung im WM-Winter gehofft hatte. Der Grund: Noch "sehr viel Luft nach oben, was die Attacke betrifft", wie Neureuther selbstkritisch analysierte.
Weil er zuletzt häufiger zu dieser Erkenntnis gekommen war, nahm er sich für den weiteren Saisonverlauf selbst in die Pflicht. "Den Schweinehund noch ein bisschen zu überwinden, den nächsten Schritt zu machen - es wird Zeit, dass das jetzt passiert." Sonst wird's in St. Moritz im Februar eng mit der erhofften Medaille.
In Alta Badia war es jedoch alles anderes als einfach. Dort wird zwar Jahr für Jahr ein "sehr, sehr cooles Rennen" gefahren, wie Neureuther meinte. Dies aber fühle sich an, "als würde dir jemand die ganze Zeit Vollgas hinten auf den Kopf schlagen". Und da habe er nach den vielen verletzungsbedingten Trainingspausen der letzten Jahre "im Kopf" mitunter noch Probleme.

Neureuther: Zielsprung "nicht so okay"

Dazu hatten sich die Organisatoren diesmal mit einem Zielsprung noch eine besondere Gemeinheit ausgedacht. "Ich finde das nicht so okay, dass sie da eine Schanze hingebaut haben", sagte Neureuther, der sich "wie ein Skispringer" vorkam, "wir Läufer kommen da voll am Limit hin, das kann echt gefährlich werden."
Luitz war im Ziel entsprechend erledigt. "Ich bin blau, haben wir keinen Hocker da?", war sein erster Kommentar, "es ist brutal anstrengend." Rang neun sei "nicht das, was ich kann". Hirscher aber ließ sich nicht beirren - und raste 0,71 Sekunden vor Mathieu Faivre zu seinem 41. Weltcup-Sieg. Den "Riesen" in Alta Badia hat er jetzt genau so oft gewonnen wie der legendäre Alberto Tomba.
Die deutschen Abfahrer mussten am Samstag in Gröden noch mehr leiden als Neureuther. Nach der starken Team-Vorstellung im Super-G mit Platz fünf von Andreas Sander kam beim Sieg von Max Franz nur Thomas Dreeßen als 26. in die Punkte.
"Das war ein bisschen ein Rückschritt", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier, der vor allem Sander (33.) "von der Materialabstimmung nicht optimal aufgestellt" sah. Aber, betonte er, die Grundstimmung sei weiter positiv. "Wir kommen und sind auf unserem Weg nicht aufzuhalten."

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