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Vom Ski-Lehrling in Österreich zum deutschen Abfahrts-Star

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Thomas Dreßen | Lake Louise

Fotocredit: Eurosport

VonSigi Heinrich
04/12/2019 Am 13:59 | Update 04/12/2019 Am 17:10

Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich kam nach dem Triumph von Thomas Dreßen in Lake Louise kurzzeitig ins Grübeln, wer denn nun der erfolgreichste Abfahrer aller Zeiten sei. Der Wintersport-Kenner blickt zurück auf die Kindheit des 26-Jährigen und erklärt, warum es der "wilde Hund" in seinem Leben nicht immer leicht hatte. Für Heinrich hat Dreßen das Potenzial zum neuen deutschen Star im Schnee.

Als der Sieg von Thomas Dreßen in Lake Louise die Runde machte, trudelten bei mir schon die ersten Testfragen ein. Wer ist der erfolgreichste deutsche Abfahrer aller Zeiten? Ehrlich.

Ich dachte dann zunächst an Sepp Ferstl (den älteren), an Markus Wasmeier natürlich. Aber ich zweifelte. Dabei lag das Gute doch so nah. Thomas Dreßen. Jawohl. Er ist es. Kitzbühel, Kvitfjell und jetzt Lake Louise. Drei Abfahrtssiege.

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Damit ist er erstmal uneinholbar an der Spitze der deutschen Abfahrer, zumal damit zu rechnen ist, dass es dabei nicht bleiben wird. So wunderbar leicht wie er die Kurven ansteuert und sich mit Schwung in den nächsten Steilhang werfen lässt.

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Dreßens Fahrstil ist eine Augenweide. Seine Einstellung ist die eines großen Champions, der noch viel vorhat. Seine Präsenz im Schnee und auch außerhalb macht ihn in jeder Sekunde zu einem Sportler, der seine Fans mit leichter Hand erobert. Und dann ist da ja noch seine wirklich besondere Geschichte.

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Ein deutscher Ski-Lehrling in Österreich

Thomas Egger, der Dreßen als 14-jährigen Bub in seine Fittiche bekam, und der sich heute immer noch wie damals am Skigymnasium in Saalfelden um talentierten Nachwuchs kümmert, erinnert sich: "Er hatte es erst nicht leicht", erzählt er: "Ein deutscher Skifahrer in Österreich halt."

Aber der kleine Dreßen, der zwei Jahre zuvor seinen Papa Dirk durch das entsetzliche Gondel-Unglück in Sölden verloren hatte, setzte sich durch. "Er war nett, umgänglich und wurde unglaublich schnell integriert", sagt Egger. Es war eine ungewöhnliche Klasse in die Thomas Dreßen ging. Mädchen und Buben waren zusammen, auch auf der Skipiste.

Egger sorgte für gute Stimmung und vor allem dafür, dass die sportliche Ausbildung spielerisch und mit viel Freude passierte. Dreßen hat sich davon augenscheinlich inspirieren lassen.

Salopp könnte man es so formulieren: Der Bursch, der kommt einfach gut an. Bei allen, ob alt oder jung, ob Frau oder Mann. Auch Menschen, die am Sport nicht sonderlich interessiert sind, werden hellwach, wenn der Name Thomas Dreßen fällt.

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Zielstrebig, ehrgeizig und eine "feine Klinge"

Auch sportlich hielt er schnell mit. Thomas Egger erkannte das Potential: "Er hatte eine feine Klinge bei den Kurven."

Und noch etwas fiel Egger, dem Talenteschmied, den dereinst der erfolgreiche Biathlet Alfred Eder ans Skigymnasium Saalfelden vermittelt hatte, nachdem Egger am Biathlon keine besondere Freude fand, auf: "Der Thomas", sagt er schwärmerisch, "war unfassbar zielstrebig und hatte eine Bärenkondition."

Einmal erwischte er ihn bei einem Zusatztraining: "Da war er gerade bei 300 Situps angekommen."

Man musste ihn bremsen. Thomas Dreßen war bald das, was die Abfahrer respektvoll als "wilden Hund" bezeichnen. Die ersten brachialen Stürze bekam die Öffentlichkeit noch gar nicht mit wie jenen beim Europacup in Wengen.

Den Crash vor einem Jahr in Beaver Creak dann schon, denn längst war der 26-Jährige im Weltcup angekommen. Nun hat er sich mit seinem Sieg exakt ein Jahr nach seinem Sturz als Sieger zurückgemeldet - ein "wilder Hund" eben.

Rückkehr nach Beaver Creek

Am Wochenende steht wieder Beaver Creek auf dem Programm, wo der Garmisch-Partenkirchner übrigens 2017 zum ersten Mal in seiner Karriere im Weltcup aufs Podest fuhr. Die Fangnetze sind installiert. Und Dreßen freut sich darauf, auch wenn der Meniskus noch zwickt, weil ja alles, aber auch alles im rechten Knie vor einem Jahr kaputt gegangen war.

"Es gibt da noch ein paar Baustellen", sagt Dreßen, der wohl weiß, dass er derzeit eine Gratwanderung macht. Statt eines Comeback-Jahres, wie es geplant war, ist er schon voll im Rennmodus.

Aber andererseits ist das sein Leben. Er liebt die Herausforderung und vor allem auch den Rausch der Geschwindigkeit. Und er hat noch viel vor. "Ich bin ja noch nicht so alt", sagt er lapidar. Thomas Dreßen ist drauf und dran, ein neuer deutscher Star im Schnee zu werden.

Er muss dafür nur eines tun: Gesund bleiben.

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