Am Ende eines frustrierenden Abends zeigte Felix Neureuther doch noch sein berühmtes Lausbubenlächeln. Was er sich für 2017 vorgenommen habe, wollte ein Reporter wissen, vielleicht ja die Hochzeit mit Freundin Miriam Gössner? "Naja", sagte Neureuther, druckste ein bisschen herum und grinste, "ihr erfahrt's es dann ja eh wieder irgendwie..." Also vermutlich: ja.

Neureuther-Frust über WM-Winter

Aber wie er so dastand im Zielraum von Alta Badia, eingemummelt in seinen dicken, blauen Ski-Anorak, war Neureuther eigentlich gar nicht nach Feiern. Aus in der ersten Runde beim Parallel-Riesenslalom auf der "Gran Risa", Platz 23, das passte leider gut in Neureuthers schwierige Saison - obwohl die ungewöhnlichen Duelle Mann gegen Mann sportlich wenig Aussagekraft hatten.
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"Es ist schon ärgerlich, dass ich so früh raus bin", sagte Neureuther, aber noch mehr ärgert ihn der gesamte WM-Winter. Nur im ersten Rennen, beim Riesenslalom im Oktober in Sölden, stand er als Dritter auf dem "Stockerl". Seitdem war er immer mal nah dran, am Ende jubelten aber stets die anderen. Viel zu brav, nicht aggressiv genug - nach jeder weiteren Enttäuschung gab Neureuther dieselbe Analyse ab.

Felix Neureuther

Fotocredit: SID

In Alta Badia, und das war neu, nahm er da auch seine Kollegen in die Pflicht. "Es muss mal bumm machen wie bei den Franzosen, die stehen als Mannschaft da wie eine Bombe", sagte er, "die knallen da runter. Die große Lehre ist: Du musst dich am Limit bewegen. Auch im Training."
Dort aber ist ihm mit dem verletzten Fritz Dopfer der wichtigste Partner abhanden gekommen, weshalb er forderte: "Die Jungen müssen auch mal langsam abliefern." Im Training - und im Weltcup.

Vorfreude auf Madonna

Dort fuhr Neureuthers Kollege Stefan Luitz am Montagabend unter Flutlicht ein starkes Rennen und am Ende auf Platz sechs. "Stefan hat viele Dinge sehr gut gemacht", lobte Alpindirektor Wolfgang Maier, doch auch er ist nicht zufrieden mit der Gesamtsituation. "Wir haben zwar guten Sport gezeigt, aber wir sind zu wenig auf dem Podium", sagte er. Neureuther und Co. müssten "mehr Gas geben, zündiger Skifahren".
Neureuther, der die Probleme in seinem Fall auf einen Mangel an Ski-Trainingstagen wegen seiner Rückenproblematik zurückführt, will bereits am Donnerstag liefern. Dann steht für ihn mit dem Slalom in Madonna di Campiglio (17.45/20.45 Uhr im Liveticker) das letzte Rennen 2016 an. "Madonna", sagte Neureuther, "ist genial, traumhaft". Als Kind habe er mitgefiebert, wenn sein Idol Alberto Tomba 50.000 Tifosi zur Verzückung brachte.
2012 stand Neureuther im Trentino als Zweiter erstmals selbst auf dem Podium, 2014 gewann er dort - vor Dopfer. "Das war einer der schönsten Siege", sagte er im Rückblick. Und diesmal? Im Slalom, versicherte Neureuther, sei er gut drauf. "Wenn ich die Trainingsleistungen abrufen kann, dann schaut's ganz gut aus..."
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