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Olympia 2018: Sigi-Heinrich-Blog: Besuch bei Freunden

Sigi-Heinrich-Blog: Besuch bei Freunden

14/02/2018 um 09:11Aktualisiert 15/02/2018 um 23:16

Olympia 2018: Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich beleuchtet in seinem Blog das Geschehen in Pyeongchang. 1998 flog Hermann Maier spektakulär in Nagano ab, 20 Jahre später macht es ihm Matthias Mayer nach, was unser Experte genauer unter die Lupe nimmt. Zudem erzählt er von der Verpflegung in Südkorea und von einem großen Plan der Österreicher.

Immer Maier oder was? Vor 20 Jahren hob der "Herminator" in Asien ab, genauer gesagt in Nagano. Ein Jahrhundertsturz mit einer beinahe göttlichen Wiederauferstehung. Selten hat ein Crash so intensiv dazu beigetragen, einen Mythos zu begründen. Und genau auf den Tag genau zwei Jahrzehnte später kracht wieder ein Mayer in den Zaun, nimmt Kameras mit und Reporter und Streckenposten. Er rasiert die halbe Piste.

Aber ich nehme an, ihr habt den Unterschied schon gemerkt. Der zweite Mayer hat ein "Y" im Namen und heißt Matthias. Er zog sich bei seinem Sturz einen Bluterguss an der Hüfte zu, wird aber wohl bei der Abfahrt wieder an den Start gehen. Die Maiers und Mayers dieser Welt sind nicht unterzukriegen. Stehaufmännchen quasi.

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Video - Erst Horror-Sturz, dann Doppel-Gold: Hermann Maier schreibt Olympia-Geschichte

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Piazzolla kommt mit Wiener Schnitzel

Ich habe den "Jahrtag" von Hermann Maier im "Austria-Haus" erlebt, einer ganz und gar wunderbaren Begegnungsstätte bei diesen Olympischen Spielen. "Schön, dass sie uns besuchen, schön, dass sie da sind." So wird man von feschen Hostessen, die natürlich in Trachtenjoppen gehüllt wurden, empfangen.

Und ehe ich mich versehe, kommen schon die Kollegen aus Österreich auf mich zu, die ich zum Teil schon seit 30 Jahren und länger kenne. Es ist fast wie beim letzten Klassentreffen, das auch schon wieder zu lange her ist. Und dann, natürlich: Keine Hühnersuppe, kein südkoreanischer Kohl. Nicht "spicy" sondern ausgewogen gewürzt kommt das Wiener Schnitzel auf den Tisch.

"Wollen sie noch einen Nachtisch", wird höflich nachgefragt. Es gäbe Kaiserschmarrn. Was für eine Frage. Er ist locker, wird in der Pfanne serviert. Ein Hauch Staubzucker (Puderzucker) umschmeichelt ihn. Dazu gibt es einen unglaublichen Zwetschgenröster, den man als eigene Nachspeise anpreisen könnte. Kaffee hinterher. Wird mit Wasser gereicht und einer kleinen Schokolade. Servicekönigreich Österreich halt.

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Ja, und noch einmal. Schön ist sie, diese olympische Welt, die sich im Austria-Haus so wunderbar unaufgeregt präsentiert. Garniert wird alles noch mit einem musikalischen Leckerbissen. Fünf Tiroler, vereint unter dem Namen "Tyrol-Musik-Projects" streicheln die Seele mit einem unglaublichen Repertoire von Wiener Schrammelmusik bis hin zu Astor Piazzollas Tangorhythmen aus Argentinien. Da fallen die Töne nicht über die Besucher her, sondern bleiben dezent im Hintergrund. Die Jungs sind halt auch olympiaerprobt. Sie waren schon in Sotschi und in Rio de Janeiro dabei.

Brasilianisches Lebensgefühl vor Alpenkulisse

Olympiaerprobt ist auch Emanuel Rego, der brasilianische Superstar der Beach-Volleyballer. Einer der erfolgreichsten seiner Szene. Und allmählich geht mir ein Licht auf. Denn am Eingang zum "Austria-Haus" habe ich eine Volleyball-Anlage gesehen und mich natürlich gefragt, ob ich irgendwas verpasst habe oder ob das schon Schneeblindheit ist.

Des Rätsels Lösung: Österreich will eine neue Sportart etablieren. "Schneevolleyball." Nicht lachen jetzt.

Schneevolleyball am Austria-Haus

Es ist dem Alpenvolk bierernst mit dieser Aktion. Am Demonstrationswettbewerb hier in Südkorea nehmen hochkarätige Asse teil. Eigentlich ist alles schon perfekt ausgearbeitet. Weil bis 2024 keine neuen Wettkämpfe ins olympische Programm aufgenommen werden, denken die Volleyballstrategen natürlich langfristig. Und das ist gut so, denn es sind noch ein paar kleine Fragen offen, die einer Klärung bedürfen.

Welche Kleidung wird getragen? Bikini für die Damen, Badehose für die Männer geht natürlich nicht. Wir haben hier fast zwanzig Grad Minus.

Vielleicht also Thermounterwäsche in bunten Farben, denn die Sportler müssen ja beweglich bleiben. Für Rego vielleicht ein Skianzug aus einer früheren Kollektion. Ein Overall. Denn so ein Brasilianer, das weiß man ja, friert schnell mal. Die Regeln bleiben wie bekannt. Zwei Spieler hüben, zwei drüben, ein Netz dazwischen. Handschuhe? Beim Bloggen gut, beim Schmettern… Ich weiß nicht. Beim Baggern wären sie kein Hindernis. Fingerhandschuhe, Fäustlinge. Ihr merkt schon. Das ist noch nicht so ausgegoren.

Aber bis 2028 oder 2032 oder 2036, wenn wegen Schneemangel längst keine alpinen Wettbewerbe mehr ausgetragen werden, wird das alles in einem mehrseitigen Regelwerk festgeschrieben sein. Dann endlich muss man in Österreich nicht mehr Abfahrtsolympiasieger werden, um Unsterblichkeit zu erlangen. Es reicht auch, wenn man Schneeball-Olympiasieger wird. Oder zumindest ins Finale kommt.

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