Als Lara Gut-Behrami nach zwölf wirklich sehr erfolgreichen, aber auch unvollendeten Jahren endlich ihre erste Fahrt zu einer Goldmedaille gelungen war, da redete sie den Wert dieses Sieges klein.
"Ich habe so viel erreicht in meinem Leben, dass es nicht an einer Medaille hängt", betonte die 29 Jahre alte Schweizerin und ergänzte nach ihrem Erfolg im Super-G, dem ersten Rennen bei der alpinen Ski-WM in Cortina d'Ampezzo: Eine Karriere solle bitte schön "nicht nur an einer Goldmedaille gemessen" werden.
Und doch: Es war Gold erwartet worden von Lara Gut-Behrami, wieder mal, und vor allem in der Ski-Nation Schweiz. Doch diesmal ging die große Favoritin, Siegerin der vier vorherigen Weltcup-Super-G, die Sache locker an. "Ich wusste zum ersten Mal", sagte sie, "dass mein Leben sich nicht ändern würde, wenn ich nicht Gold gewinne."
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Diesmal aber gewann sie - vor der Teamkollegin Corinne Suter (+0,34 Sekunden), der Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin aus den USA (+0,47) und Tschechiens Olympiasiegerin Ester Ledecka (+0,53).

Lara Gut-Behrami gewinnt das Super-G-Rennen der Frauen bei der alpinen Ski-WM

Fotocredit: Getty Images

Ski-WM: Gut-Behrami nutzt Shiffrin-Fehler aus

"Sie hat ihre Lockerheit zurückbekommen", sagte deshalb auch Kira Weidle (Starnberg), die auf der Olimpia delle Tofane nach einer fehlerhaften Fahrt Rang 19 belegte (+1,93), über die Siegerin des Tages. Gut-Behrami, die erste Schweizer Weltmeisterin seit Sonja Nef 2001 (Riesenslalom), profitierte aber auch von einem haarsträubenden Fehler von Shiffrin.
Die Amerikanerin war in ihrem ersten Super-G seit mehr als einem Jahr auf dem Weg zu einer überragenden Bestzeit, ehe sie fast ein Tor verpasste. "Es ist so, wie es ist", sagte Shiffrin und versicherte, Bronze sei "wirklich großartig."
Shiffrin ist dem Erwartungsdruck mit ihren zwei Olympiasiegen und fünf WM-Titeln längst gerecht geworden. Bei Gut-Behrami dauerte es etwas länger. Bei der WM 2009 in Val d'Isère war ihr Stern aufgegangen, sie gewann Silber in Abfahrt und Super-Kombination.
Der Weg zu Olympia- oder WM-Gold schien vorgezeichnet, doch Gut-Behrami konnte ihn nicht zu Ende gehen: Sie gewann eine weitere silberne Medaille sowie drei bronzene, eine davon im Super-G bei der Heim-WM 2017 in St. Moritz - danach riss das Kreuzband.
Das größte Kunststück von Gut-Behrami, seit 2018 mit dem zwischenzeitlichen Hamburger Fußball-Profi Valon Behrami verheiratet, ist es, sich vom permanenten öffentlichen und auch eigenen Druck gelöst zu haben. "Ich habe probiert", sagte sie, "die Erwartungshaltung wegzuschieben." Es ist ihr gelungen.
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(SID)

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