Der Sprung hinein ins Glück war ein doppelter Salto gestreckt mit doppelter Schraube, und Emma Weiß gelang er fast perfekt. Schon in den Sekunden nach ihrer Landung aus luftiger Höhe brach daher die pure Freude aus ihr heraus. "Es war brutal emotional", berichtete sie später im Videocall, "es sind brutal viele Tränen geflossen." Derlei Gefühlsregungen waren freilich nur allzu verständlich nach ihrem unerwarteten Sprung mitten hinein in die Weltklasse.
Weiß, 20 Jahre alt und aus Albstadt auf der Schwäbischen Alb, ist Ski-Freestylerin, und beim Saisonauftakt in Ruka/Finnland gelang ihr am vergangenen Freitag in der Disziplin Aerials aus deutscher Sicht Historisches. Hinter Ex-Weltmeisterin Laura Peel (Australien) landete sie auf Platz zwei - ein Erfolg aus heiterem Himmel: Zuletzt hatte im März 1998 Gerhard Melcher eine deutsche Podestplatzierung im Weltcup erzielt. "Es ist alles so surreal, total schwer zu greifen", sagte sie.
Emma Weiß war bei der WM 2019 immerhin schon Elfte, bei ihren sechs Starts im Weltcup vor dieser Saison aber landete sie im Bestfall auf Platz 20. Im vergangenen Winter setzte sie ein Oberarmbruch außer Gefecht. Umso bemerkenswerter ist dieser zweite Rang, auch wenn Weiß gerne einräumt, dass wegen der Corona-Reisebeschränkungen die Top-Stars aus China oder Australien fehlten. Was freilich davon unabhängig zählt: Ihre Wertung im Superfinale war auf Weltklasse-Niveau.
Nizhny Tagil
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Aerials ist jene Freestyle-Disziplin, bei der die Athleten auf furchterregend steile Schanzen zufahren, danach in großer Höhe schwindelerregend durch die Luft wirbeln und im Idealfall auf dem steilen Aufsprunghügel sicher landen. Tatsächlich haben dies einst zwei deutsche Damen herausragend beherrscht: Elfie Simchen (1989) und Sonja Reichart (1991) gewannen WM-Gold und von 1987 bis 1994 zudem 23 Weltcup-Wettbewerbe (Simchen neun, Reichart 14).

Weiß reist mit den Schweizern - kaum Unterstützung vom DSV

Simchen ist eine gute Bekannte der Familie Weiß, sie wurde dereinst auch von Emmas Vater betreut: Auch Armin Weiß war Ski-Freestyler - allerdings in der Disziplin Akrobatik (Acro), die mal Ballett hieß, aber seit 20 Jahren praktisch tot ist. Armin Weiß holte zwei Weltcup-Siege, belegte bei Olympia 1992, als Acro Demonstrationswettbewerb war, Platz sechs. Danach kümmerte sich Weiß neben seiner Ballettschule nicht zuletzt um die Karriere der Tochter. Mit wachsendem Erfolg.
"Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich meinen Eltern bin", betont Weiß. Sie begann auf der Buckelpiste, wechselte erst mit 15 zu den Springern. Schon immer aber trainiert sie bei den Schweizern mit, sie reist auch mit ihnen, fühlt sich "voll integriert" - den Beziehungen des Vaters sei Dank. Unterstützung vom Deutschen Skiverband (DSV) erfährt sie kaum, ihre 30.000 Euro teure Saison finanzieren Sponsoren wie ein Stuhlhersteller und die Eltern.
Mit ihrem zweiten Platz hat sich Emma Weiß auf Anhieb für die WM 2021 qualifiziert, wo immer diese nach der Absage in China stattfinden wird.
Zugleich hat sie schon eine gute Basis für die Teilnahme an Olympia 2022 in Peking geschaffen. Bis dahin werde weiter von ihr zu hören sein, denn, sagt Weiß lachend: "Ich bin eine Wettkampfsau." Das kann sie an der Stätte ihres größten Erfolges gleich noch mal beweisen: In Ruka finden am kommenden Wochenende noch zwei Europacup-Wettkämpfe statt.
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(SID)

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