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Halfpipe-Olympiasieger Wise: "Man muss die Welle reiten"

Halfpipe-Olympiasieger Wise: "Man muss die Welle reiten"
Von SID

14/04/2018 um 22:14Aktualisiert 14/04/2018 um 22:32

Der Sturz durch die Falltür kam völlig unerwartet.

"Plötzlich war der Boden unter mir weg und ich stand in der Luft wie Karl der Kojote im Roadrunner-Cartoon", beschreibt David Wise seine erste Begegnung mit dem Startbereich beim Freestyle-Event Audi Nines in Sölden. "Wenn man sich das Ding im ganzen anschaut, ist es wahrscheinlich der gigantischste Kurs, der je gebaut wurde", sagt der zweimalige Halfpipe-Olympiasieger im Interview mit dem SID.

Das Ski-Multitalent ist begeistert von dem neuartigen Parcours, der Elemente aus dem Slopestyle und dem Cross vereint, einen Big-Air-Sprung bietet und am Ende sogar eine Quarterpipe. Gewöhnen musste sich Wise vor allem aber erst einmal daran, gleichzeitig mit zwei weiteren Athleten auf den Kurs zu gehen. "Wenn wir in der Halfpipe auf zwei verschiedenen Seiten gleichzeitig starten würden, gäbe es in der Mitte einen Riesenknall. Hier ist das gerade das Besondere", so der 27-Jährige.

Vor eineinhalb Monaten gewann Wise Gold in Pyeongchang, auf spektakuläre Art und Weise. Der US-Amerikaner stürzte in seinen ersten beiden Läufen und machte erst im dritten seinen zweiten Triumph nach Sotschi perfekt. "Meine Heimatstadt veranstaltet jetzt am 28. Februar einen David-Wise-Tag, das ist einfach total durchgeknallt", so Wise.

Begonnen hat Wise mit dem Skifahren bereits im Alter von drei Jahren, er landete früh im Juniorenteam der Alpinen. Doch der damals Neunjährige war fasziniert von den Tricks der Snowboarder, schrottete das ein oder andere Paar Rennski im Park oder verschwand Stunden mit einem Freund und fuhr abseits der Piste - irgendwann lenkten die Eltern ein und stimmten einem Disziplinwechsel zu.

Wise machte sowohl auf der Buckelpiste, den Aerials, im Slopestyle oder Big Air eine gute Figur, spezialisierte sich dann aber auf die Halfpipe. Trotz des enormen Potenzials ließ der große Durchbruch auf sich warten. "Meine größten Erfolge habe ich erst als Vater gefeiert", sagt der Familienmensch. Die Verantwortung für zwei Kinder, als Ehemann, das alles habe ihn sehr verändert.

"Plötzlich habe ich mich nicht mehr nur mit mir selbst beschäftigt. Damit war die Verbissenheit beim Skifahren weg und ich konnte es endlich genießen." Neben den beiden olympischen Goldmedaillen gewann er viermal den Superpipe-Wettbewerb bei den X-Games, holte den Titel bei der WM 2013 und feierte sechs Weltcup-Siege.

Dass die Begegnung mit Ehefrau Alexandra seinem Leben eine neue Richtung gab, inspirierte ihn zu einer Gute-Nacht-Geschichte für seine Tochter Nayeli. Es geht um einen egoistischen unfreundlichen Bären, der einen Schmetterling kennenlernt und sich dadurch zum Beschützer der Tiere im Wald entwickelt.

"Das war immer ihre Lieblingsgeschichte, so ist sie über die Zeit immer detaillierter geworden. Eines Tages hat mich meine Tochter gefragt, warum es von meiner Geschichte kein Buch gibt - und nun bin ich auch noch Kinderbuchautor", sagt Wise. Nach dem Saisonabschluss bei den Audi Nines kehrt Wise endlich zurück nach Nevada, seine Familie hat er seit Pyeongchang kaum zu Gesicht bekommen.

"Man muss die Welle reiten, es war eine echt verrückte Zeit", sagt Wise schulterzuckend, auch wenn die ganz großen Auftritte in den Medien ausgeblieben sind. "Bei der Today-Show haben sie mich nicht eingeladen. Sie wissen in den USA irgendwie nicht so richtig, wo sie mich einordnen sollen. Auf der einen Seite ein Vater von zwei Kindern, auf der anderen Seite dieser langhaarige Typ mit den vielen Tattoos", sagt Wise.

Eigentlich sei er eher introvertiert, daher störe ihn das auch nicht. Der Terminkalender ist auch so schon voll genug.

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