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Fünf Langläufer festgenommen: Doping-Skandal erschüttert WM

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A general view as athletes compete in the Cross Country Skiathlon Men 30k race during the FIS Nordic World Ski Championships on February 23, 2019 in Seefeld, Austria

Fotocredit: Getty Images

VonSID
27/02/2019 Am 15:33 | Update 27/02/2019 Am 16:52

Neun Festnahmen, 16 Hausdurchsuchungen und offenbar zwei auf frischer Tat ertappte Langläufer: Das österreichische Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft München haben ein international agierendes Dopingnetzwerk zerschlagen. Im Fokus der Razzien im Rahmen der "Operation Aderlass", die zeitgleich in Seefeld und in Deutschland liefen, soll der in Erfurt ansässige Sportmediziner Mark S. stehen.

"Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern", hieß es in einer Mitteilung des BK. Das Ziel: Illegale Einkünfte zu generieren.

Die Ermittlungen liefen bereits seit mehreren Monaten, der Vorwurf lautet auf Verdacht des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken.

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Fünf Langläufer festgenommen

Die Maßnahmen wurden in Seefeld rund zwei Stunden vor dem Start der WM-Entscheidung im 15-km-Skilanglauf der Männer bekannt. Im WM-Ort wurden zwei Mitglieder der Gruppe sowie fünf Sportler festgenommen, in Deutschland der Sportmediziner S. und ein Komplize, hieß es. Bei den Sportlern handele es sich um zwei Österreicher, zwei Esten und einen Kasachen.

Bei den beiden Österreichern handelt es sich laut ÖSV-Langlaufchef Markus Gandler um Max Hauke und Dominik Baldauf, am Sonntag Sechste im Teamsprint. Einer der festgenommenen Sportler soll von der Polizei am Morgen auf frischer Tat beim Blutdoping erwischt worden sein

"Für den österreichischen Skilanglauf ist das das Schlimmste, was passieren konnte. Und das bei der Heim-WM. Das kommt aus dem Nichts. Ich habe nichts geahnt", sagte der österreichische Langläufer Luis Stadlober, der im Rennen auf Platz 56 landete.

Deutsche Athleten waren nicht betroffen. "Ich kann bestätigen, dass bei uns die Lage ruhig ist", sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. "Es fanden keine Untersuchungen statt, weder im Teamhotel noch in Deutschland bei Institutionen, die den DSV vertreten. Nach unseren Erkenntnissen ist auch keiner aus unserem medizinischen Bereich in die Untersuchungen involviert", sagte Schwarzbach. Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder erklärte im Exklusiv-Interview bei Eurosport:

Der DSV ist überhaupt nicht involviert. Ich finde die Doping-Razzien gut, man muss alle Betrüger aufdecken und durchgreifen. Eine wichtige Geschichte.

DSV-Athlet Sebastian Eisenlauer sagt nach dem 15-km-Rennen: "Das ist für den Sport nicht gut. Schwarze Schafe gibt es leider immer. Wichtig ist, dass sie knallhart entfernt werden. Wir können uns glücklich schätzen, wenn die raus sind."

Dürrs Angaben lösten Ermittlungen aus

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte, dass die Ermittlungen durch die Angaben des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in der "ARD"-Sendung "Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle" vom 17. Januar dieses Jahres ausgelöst worden waren. Daraufhin wurde ein Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt eingeleitet, dieses sei nun in ein Ermittlungsverfahren gegen konkrete Beschuldigte übergegangen.

"Die NADA begrüßt das Zusammenwirken der staatlichen Ermittlungsbehörden aus Österreich und Deutschland für den sauberen Sport. Es zeigt sich, dass das Anti-Doping-Gesetz wirkt", teilte die Nationale Anti Doping Agentur mit: "Die NADA unterstützt die Ermittlungen und geht allen Hinweisen aus den Untersuchungsergebnissen nach, die auf Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen auf sportrechtlicher Ebene hindeuten."

"Wir stehen unter Schock"

Bei der WM in Seefeld zeigten sich viele Funktionäre fassungslos. "Wir stehen unter Schock. Hoffentlich werden jetzt einmal die Drahtzieher erwischt", sagte Österreichs Langlaufchef Markus Gandler dem "ORF": "Wir arbeiten Tag und Nacht, um schnelle Ski zu haben und alles. Und dann passiert sowas."

ÖSV-Langlaufkoordinator Trond Nystad, Ehemann der deutschen Olympiasiegerin Claudia Nystad, erklärte im "ORF": "Ich habe keine Worte dafür, das ist einfach traurig." Zwei österreichische Skilangläufer sind dabei in Seefeld offenbar sogar auf frischer Tat beim Blutdoping erwischt worden. Wie die "Kronen"-Zeitung berichtet, seien die beiden Athleten am Mittwochmorgen in ihrer Unterkunft von der Polizei festgenommen worden.

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