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Nordische Ski-WM 2019 | Doping-Razzia: Hauke, Baldauf und Poltoranin wieder auf freiem Fuß

Geständnisse im Doping-Eklat: Langläufern drohen bis zu drei Jahre Haft
Von SID

01/03/2019 um 16:16

Die während einer Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld verhafteten ÖSV-Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf sind nach einem Geständnis wieder auf freiem Fuß, wie die Staatsanwaltschaft Innsbruck mitteilte. Den beiden Dopern drohen bis zu drei Jahre Haft wegen Sportbetrugs. Der Kasache Alexei Poltoranin sowie die Esten Andreas Veerpalu und Karl Tammjärv wurden ebenfalls entlassen.

Geständnisse, Sperren und eine peinliche Polizei-Posse um ein unsägliches Video: Der Doping-Skandal nach den Razzien bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld entwickelt sich immer mehr zum Kriminalstück.

Die fünf verhafteten Skilangläufer sind zwar seit Freitagmorgen allesamt wieder auf freiem Fuß, nachdem sie umfangreiche Geständnisse abgelegt hatten. Den beiden Österreichern Hauke und Baldauf drohen allerdings bis zu drei Jahren Haft wegen Sportbetrugs. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilte mit:

"Die Sportler haben das Eigenblutdoping zugestanden und umfangreiche Angaben gemacht. Da nach dem derzeitigem Ermittlungsstand nicht anzunehmen ist, dass die verdächtigten Athleten auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würden, liegen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor."

Zwei Komplizen des in Erfurt in einer parallelen Aktion festgenommenen Arztes Mark S., der die Sportler beliefert haben soll, blieben zunächst in Innsbruck in Haft. Über eine Überstellung nach Deutschland sollte zeitnah entschieden werden.

FIS reagiert und verhängt Sperren

Der Ski-Weltverband FIS erklärte nach zwei Tagen des Schweigens die fünf betroffenen Langläufer für vorläufig gesperrt und bestätigte damit erstmals offiziell die Namen. Neben Hauke und Baldauf sind dies die beiden Esten Andreas Veerpalu und Karel Tammjärv sowie der Kasache Alexei Poltoranin. FIS-Präsident Gian Franco Kasper wollte dem Fall dabei etwas Gutes abgewinnen.

Video - Verstörende Bilder im Doping-Skandal - Behle: "Da bist du sprachlos"

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"Die FIS wird Doping in keiner Form tolerieren. Sämtliche Sportler und andere Personen, welche die Regeln missachten, die saubere Athleten und die Integrität unseres Sports verletzten, werden bestraft", sagte der Schweizer: "Während die Geschehnisse ein negatives Licht auf den Sport werfen, senden sie doch ein klares Signal, dass Doping von der FIS nicht hingenommen wird und mit harten Konsequenzen verbunden ist."

Doping-Termine in Frankfurt und Berlin: Tammjärv packt aus

Der Este Tammjärv packte nach seiner Freilassung bei einer Pressekonferenz über seine Verbindungen zum inhaftierten Arzt S. aus. 2016 sei Tammjärv erstmals eine Injektion von dem Mediziner angeboten worden, in der Folge sei er mehrmals zum Doping nach Berlin sowie Frankfurt. Das erste Mal, dass sein Blut entnommen und ihm wieder zugeführt wurde, sei im Vorfeld der WM 2017 in Lahti geschehen.

Der verhaftete Arzt S. sei mit einem Kollegen mehrmals zu Wettkämpfen gereist und habe Tammjärv dort behandelt. Tammjärv sagte, dass er sich vor seiner Verhaftung in Seefeld durchaus beobachtet gefühlt habe, S. habe dies als "Paranoia" abgetan.

Veröffentlichtes Polizeivideo sorgt für Empörung

Unterdessen wirft der Fall Hauke/Baldauf ein schlechtes Licht auf die österreichische Polizei. Ein Polizeivideo der Verhaftung Haukes, das den Läufer in beklagenswertem Zustand noch mit der Bluttransfusion im Arm zeigt, geriet über soziale Medien an die Öffentlichkeit. Moralisch und ethisch schon hoch bedenklich, könnte dies auch straf- wie dienstrechtliche Konsequenzen haben. Das Bundeskriminalamt in Wien teilte mit, dass umgehend Untersuchungen eingeleitet wurden.

"Der Verantwortliche, der das Video in einen Messaging-Dienst eingespielt hat, wurde noch in der Nacht ausgeforscht. Er wurde mit sofortiger Wirkung vom Einsatz abgezogen, die Justiz mit den weiteren strafprozessual zu ergreifenden Maßnahmen befasst. Den Betroffenen erwartet neben dem strafrechtlichen Verfahren nun auch ein Disziplinarverfahren", hieß es in einer Mitteilung.

Hauke und Baldauf, beide selbst in der Grundausbildung zum Polizisten, droht der Ausschluss aus dem polizeilichen Spitzensportler-Kader und die Beendigung ihrer Dienstverhältnisse. Juristisch bestehe gegen die Sportler der Verdacht des Sportbetruges. Damit seien sie verdächtig, "trotz anderslautender Verpflichtungen und Erklärungen gegenüber Veranstalter, Verbänden und Sponsoren eine verbotene Dopingmethode angewendet und damit unrechtmäßig Unterstützungen und/oder Preisgelder erlangt oder zu erlangen versucht zu haben", so die Staatsanwaltschaft.