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Nordische Ski-WM 2019 | Weitere Enthüllungen im Doping-Skandal drohen

"Fall wird weitere Kreise ziehen": Doping-Eklat droht sich auszuweiten
Von SID

28/02/2019 um 15:59

Deutschlands Anti-Doping-Kämpfer sind entsetzt. Das Zentrum des neuen internationalen Doping-Skandals liegt in Erfurt. Es drohen weitere Enthüllungen. "Ich gehe davon aus, dass dieser Fall weitere Kreise ziehen wird, auch in andere Sportarten hinein", sagte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA).

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach von einem "Schatten auf dem gesamten Sport", Doping-Experte Fritz Sörgel von einer "neuen Dimension" der Manipulation: Der Doping-Skandal bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld hat in Deutschland großes Entsetzen ausgelöst, zumal in dem Sportmediziner Mark S. die zentrale Person aus Erfurt stammt.

"Ich gehe davon aus, dass dieser Fall weitere Kreise ziehen wird, auch in andere Sportarten hinein", sagte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) dem SID. Es sei klar, "dass sicher noch andere Sportarten betroffen" sind, erklärte Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt.

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Am Mittwoch war es bei Razzien des österreichischen Bundeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft München in Seefeld und Erfurt zu neun Festnahmen und 18 Hausdurchsuchungen gekommen. Fünf Sportler wurden festgenommen, zwei Österreicher, zwei Esten und ein Kasache.

Brisantes Material bei Sportmediziner gefunden

Sportmediziner Mark S. wurde am Mittwoch aus seiner Praxis in Erfurt abgeführt. Die Zollbeamten hatten bei dem 40-Jährigen brisantes Material gefunden, zahlreiche Blutbeutel und eine Zentrifuge, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Daneben wurde auch ein Komplize festgenommen.

Mark S. ist schon länger im Spitzensport aktiv, hatte sich nach dem Studium zunächst dem Radsport zugewandt und für die Teams Gerolsteiner und Milram gearbeitet. Vor wenigen Jahren soll er laut SZ angegeben haben, etwa 50 bis 60 Spitzensportler regelmäßig betreut zu haben, "vor allem Schwimmer, Radsportler, Fußballer, Handballer und Leichtathleten."

Diese Sportarten könnten nun weitere Dopingfälle liefern. Die kriminelle Organisation sei verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchgeführt zu haben, teilten die Behörden mit. Mortsiefer sagte:

"Wir haben der Staatsanwaltschaft unsere Unterstützung angeboten. Wir können zum Beispiel alte Proben auftauen oder auf konkrete Anfrage auch Informationen zu den Blutpässen liefern."

DOSB muss mit weiteren Hiobsbotschaften rechnen

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) muss also mit weiteren Hiobsbotschaften rechnen, auch wenn die Lage schon jetzt prekär genug ist. "Leider werfen die aktuellen Ereignisse erneut einen Schatten auf den gesamten Sport", sagte Alfons Hörmann. Der DOSB-Präsident betonte aber auch, dass der Kampf gegen Doping fortgesetzt werden müsste, um "die abschreckende Wirkung auf Sportler und vor allem die kriminell agierenden Hinterleute zu verstärken."

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Sportpolitikerin Dagmar Freitag (SPD) hatte kein Verständnis für Hörmanns Wehklagen. Verantwortliche im Sport würden sich jetzt wieder "erschüttert" zeigen, doch Erschütterung allein reiche nicht, sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag:

"Dafür braucht es eine gesetzliche Grundlage, die wir in Deutschland seit Ende 2015 mit dem Anti-Doping-Gesetz gegen den erbitterten Widerstand des DOSB verabschiedet haben."

Vielleicht benötigt man aber auch eine Stärkung der Kronzeugenreglung. Denn ausschlaggebend für den Erfolg der Ermittler waren bei der "Operation Aderlass" Aussagen, die der österreichischen Skilangläufer Johannes Dürr gemacht hatte. Dürr reihte sich damit in die Gruppe wichtiger Whistleblower ein, die in der Vergangenheit großen Anteil daran hatten, dass Doping-Skandale aufgedeckt wurden.

Sörgel hat nur Kopfschütteln für Atlethen übrig

Nur noch Kopfschütteln hatte der Nürnberger Doping-Experte Fritz Sörgel für das Vorgehen der dopenden Ski-Langläufer in Seefeld übrig, die bei der WM auf frischer Tat ertappt wurden. "Man muss sich das Szenario einmal vor Augen führen. Der Athlet hat die Nadel noch im Arm stecken und die Ermittler kommen bei der Tür herein", sagte Sörgel, der in dem Zusammenhang vor einer "neuen Dimension" im Doping sprach.

ARD und ZDF werden trotz der neuen Enthüllungen weiter von der Nordischen Ski-WM berichten. Dies bestätigten beide Sender dem SID am Donnerstag. Auch ein künftiger Verzicht auf Livebilder der durch zahlreiche Dopingfälle zunehmend in die Kritik geratenen Sportart sei derzeit kein Thema.

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