Erst griff sich Daniel Huber mit beiden Händen ungläubig auf den Helm, wenige Momente später lauschte der Lokalmatador mit geschlossenen Augen genüsslich der österreichischen Bundeshymne. Ganze 22 Tournee-Springen, mehr als fünf Jahre oder genau 1833 Tage dauerte es, bis Huber die schier ewige Durststrecke der einst so stolzen und dominanten Skisprung-Nation Österreich mit seinem Triumph in Bischofshofen beendete.
Seit dem 30. Dezember 2016, als Stefan Kraft in Oberstdorf gewann, war dem ÖSV-Team kein Tagessieg bei der Vierschanzentournee gelungen. Bis zuletzt sprach nur wenig dafür, dass diese Misere bald enden würde. Bis bei Huber, 29, nach vielen Jahren des Wartens der Knoten platzte.
"Daheim den ersten Weltcupsieg zu feiern", sagte Huber im "ORF" mit feuchten Augen und rang nach Worten: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. So viele Emotionen, die gerade abgehen in mir."
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Huber freute sich über einen "geilen Tag", zuvor hatte der Vize-Weltmeister mit dem Team von 2019 und 2021 erst dreimal im Einzel-Weltcup auf dem Podium gestanden. Der überraschende Erfolg zauberte auch Cheftrainer Andreas Widhölzl ein Lächeln ins Gesicht: "Mich freut es für ihn. Er ist ein irrsinnig guter Springer, der jederzeit um den Sieg mithupfen kann."

Trainer zieht durchwachsene Tournee-Bilanz

Dass es für den Salzburger ausgerechnet auf seiner Heimschanze klappte, "ist saucool", betonte Widhölzl, das tue der ganzen Mannschaft gut. Trotzdem zog der Coach seine Tournee-Bilanz mit "gemischten Gefühlen", die hoch gesteckten Ziele in der Gesamtwertung verfehlten seine Schützlinge deutlich
"Wir haben gerade am Anfang viel liegen gelassen", sagte Widhölzl. Zum Auftakt in Oberstdorf verlor Huber als bester ÖSV-Adler auf Platz acht bereits 33 Punkte oder umgerechnet mehr als 18 Meter auf Tourneesieger Ryoyu Kobayashi.

Kraft und Hörl enttäuschen bei Vierschanzentournee

Der formschwache Weltmeister Kraft, dem in Bischofshofen vor drei Jahren der letzte österreichische Tournee-Stockerlplatz gelungen war und der genauso wie Jan Hörl in diesem Olympia-Winter bereits einen Sieg gefeiert hat, landete in der Gesamtwertung auf dem enttäuschenden 26. Platz.
Die glorreichen Zeiten, als die Alpenrepublik in den sieben Tournee-Ausgaben von 2009 bis 2015 sechs verschiedene Sieger stellte, sind jedenfalls vorbei. Hörl wurde als Gesamt-Achter bester Österreicher, direkt vor Huber. Das sei "nicht so gut", sagte Widhölzl, der aber auf die "sehr guten Tagesleistungen" aufbauen will.
Diese bringen vor den Olympischen Spielen in Peking (4. bis 20. Februar) zumindest ein wenig Aufwind im rot-weiß-roten Lager. Denn als einzige Nation stellt Österreich in dieser Saison mehr als einen Weltcupsieger, dank Huber sind es jetzt schon drei.
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(SID)

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