Der durchnässte Karl Geiger jubelte im Schweizer Schneeregen über seine Weltklasse-Form, bei Pechvogel Markus Eisenbichler reichte es dagegen nur zu einem gequälten Lächeln: Im "fliegenden Doppelzimmer" des deutschen Skispringens war die Stimmung nach der windigen Generalprobe für die Vierschanzentournee erneut zweigeteilt. "Genial, so gut war ich noch nie. Die Tournee kann kommen", sagte Geiger, der am Samstag als Dritter und am Sonntag als Vierter voll überzeugte.
Während der Vizeweltmeister endgültig in den engen Kreis der Tournee-Favoriten flog, sucht Dreifach-Weltmeister Eisenbichler weiter vergeblich seine alte Form. Nach Rang 23 am Samstag verpasste der Bayer 24 Stunden später als 41. schon zum vierten Mal in diesem Winter den zweiten Durchgang. "Heute war ich chancenlos. Dennoch war das ein kleiner Schritt nach vorne", sagte Eisenbichler, der bei widrigen Verhältnissen vom Bakken musste.
Wie es besser geht, zeigte Geiger. Der Oberstdorfer ließ sich auch von Wind und Regen nicht stören. "Ich lehne die Rolle nicht ab, bei der Tournee zum Favoritenkreis zu gehören. So konstante Leistungen sind mir noch nie gelungen. Das freut mich extrem", sagte der 26-Jährige. Der Bayer war in jedem der sieben Saisonspringen mindestens Siebter und immer bester Deutscher. "Karl Geiger kann ganz beruhigt zur Tournee fahren, das passt", meinte auch Bundestrainer Stefan Horngacher.
Skispringen
Schuster lobt furiose DSV-Adler - aber eine Gefahr droht
29/03/2021 AM 13:38
Hinter Geiger klafft vor dem am Samstag beginnenden Saisonhöhepunkt dennoch eine Lücke. Zwar schaffte Pius Paschke als Zehnter den ersten Top-Ten-Platz seiner Karriere, und auch Constantin Schmid (11./48.) und Stephan Leyhe (19./10.) überzeugten punktuell.

Blick aufs Vorjahr macht Eisenbichler Mut

Dennoch gilt: Erstmals seit neun Jahren fährt das deutsche Team ohne einen einzigen Sieg zur Tournee. Im Vorjahr hatte Geiger die Generalprobe in der Schweiz gewonnen, wurde im Anschluss aber den hohen Erwartungen nicht gerecht. Richard Freitag, 2014 und 2017 Sieger in Engelberg, blieb sogar ohne jeden Weltcuppunkt.
Der Sieg bei der Tournee wird somit wohl nur über das "K-Quartett" führen: Neben Karl Geiger überzeugte vor allem der Pole Kamil Stoch, der am Samstag knapp vor Ex-Weltmeister Stefan Kraft seinen ersten Saisonsieg feierte. Kraft stürzte am Sonntag, blieb aber unverletzt. "Ich wollte jeden Meter rausholen, und dann ist der Boden zu schnell gekommen", sagte der Österreicher. In Stellung brachte sich auch Tournee-Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi (Japan) mit Rang vier sowie seinem zweiten Saisonsieg.
Und Eisenbichler? Der Weltmeister schaffte es am Samstag noch in den zweiten Durchgang, ehe ihm einmal mehr das Windglück fehlte. Mut macht einzig der Blick zurück: Vor einem Jahr hatte Eisenbichler in Engelberg ebenfalls den zweiten Durchgang verpasst - und war dann bei der Tournee auf Rang zwei hinter Kobayashi geflogen.
Deutscher Hoffnungsträger Nummer eins bleibt aber mit weitem Abstand Karl Geiger. Seit Sven Hannawalds legendärem Grand Slam 2001/02 hat kein Deutscher mehr die Tournee gewonnen, Geiger hat dank seiner Konstanz gute Karten. "Ich kann ganz beruhigt in die Tournee gehen", sagte Geiger, freute sich zunächst aber auf ein paar ruhige Weihnachtstage: "Es ist ja auch schön, ein bisschen Zeit für die Familie zu haben. Und einen Haufen Geschenke bekomme ich ja auch."
(SID)

Debakel in Engelberg: Eisenbichler und Freitag stürzen ab

Planica
"Gibt's ja nicht": Geiger macht Skiflug-Sieg in Planica perfekt
28/03/2021 AM 10:22
Planica
Geiger nervenstark: So macht er den deutschen Team-Sieg perfekt
28/03/2021 AM 07:56