Es ist die Ruhe vor dem Vier-Schanzen-Sturm: Im beschaulichen Schweizer Engelberg proben die deutschen Skispringer um den starken Karl Geiger und den verbesserten Markus Eisenbichler am Wochenende den Ernstfall. "Ich mag die Schanze. Wir wollen uns dort die Form holen, um gestärkt in die kurze Pause und dann die Tournee zu gehen", sagt der deutsche Vorflieger Geiger vor der mit Spannung erwarteten Generalprobe für den Saisonhöhepunkt.
Gerade Geiger hat gute Erinnerungen an die altehrwürdige Gross-Titlis-Schanze: Vor einem Jahr feierte der Bayer in der 4000-Einwohner-Gemeinde den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere. Prompt reiste er als Mitfavorit zum Tourneestart in seiner Heimat Oberstdorf, konnte die Erwartungen aber nicht erfüllen. "Ich versuche aus den letzten Jahren zu lernen. Bei der Tournee ist immer ein bisschen ein Formeinbruch gekommen", sagte er nun dem "SID".
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Bislang scheint der Lerneffekt zu greifen. In allen fünf Einzelspringen der Saison war Geiger bester Deutscher, sein schlechtestes Ergebnis ist bislang ein siebter Platz. Genau diese Konstanz ist nötig, um auch bei der Tournee um den Titel zu kämpfen. "Bei der Vierschanzentournee kriegt man nichts geschenkt. Deswegen muss man dran bleiben", sagt der aktuell größte Hoffnungsträger des neuen Bundestrainers Stefan Horngacher.

Engelberg-Sieg ein schlechtes Omen

Das genaue Gegenteil von Geiger war zuletzt Eisenbichler, dessen Formkurve mit Platz 15 in Klingenthal aber immerhin wieder leicht nach oben zeigt. Nun gilt es, den Dreifach-Weltmeister über Weihnachten wieder an die Weltspitze zu führen. Klingenthal sei dazu "der richtige Schritt" gewesen, sagte Eisenbichler jüngst in Baden-Baden, wo er Platz drei bei der Wahl zum Sportler des Jahres belegte:
Jetzt schauen wir, dass wir bis zur Tournee wieder in Form kommen.
Vielleicht aber muss das gar nicht schon in Engelberg passieren. Denn wie Geiger weckten in der Vergangenheit schon viele DSV-Springer mit einer gelungenen Generalprobe Hoffnungen, erfüllten diese jedoch nie. 2014 und 2017 gewann Richard Freitag in Engelberg, 2012 und 2013 wurde Andreas Wellinger Zweiter. Der Traum vom ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald 2001/02 erfüllte sich im Anschluss nie.
Auch international gilt längst: Wer in der Schweiz glänzt, den erwischt oftmals die gefürchtete Weihnachtsdelle - und er enttäuscht beim ersten Saisonhöhepunkt. Seit 2006 gab es 17 verschiedene Sieger am Titlis - nur vier gewannen danach auch die Tournee. Noch gut in Erinnerung ist Sloweniens Wunderkind Domen Prevc, der 2016 in Engelberg seinen vierten Saisonsieg feierte - und danach völlig die Form verlor.
Eines der seltenen Gegenbeispiele ist der Japaner Ryoyu Kobayashi, der vor einem Jahr das zweite Engelberg-Springen gewann und dann den Grand Slam holte.
Sollten Geiger und Co. leer ausgehen, würde das deutsche Team erstmals seit 2010 ohne Saisonsieg zur Tournee fahren. Aber, und das ist das Gute: Auch umgekehrt funktioniert die Engelbergsche (Un-)Konstante. Sven Hannawald verabschiedete sich im Dezember 2001 mit Platz 15 in Richtung Tournee - und feierte dort seinen legendären Vierfachsieg.
(SID)
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