Vier von sieben Einzelspringen gewonnen, Platz eins und zwei in der Weltcup-Wertung: Selten reisten die DSV-Adler mit derartigen Erfolgen und dementsprechendem Selbstvertrauen im Gepäck zur Vierschanzentournee.

Bei Richard Freitag ist in dieser Saison endgültig der Knoten geplatzt. Der 26-Jährige ist der Topfavorit auf Tournee-Sieg. Der letzte Deutsche, dem dies gelang, war 2001/2002 Sven Hannawald, der alle vier Springen gewann.

Nizhny Tagil
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Im Eurosport-Interview erklärt er, was es so schwierig macht, sein Kunststück zu wiederholen, erläutert die Hintergründe der deutschen Tournee-Durststrecke und nennt seine Favoriten auf den Gesamtsieg.

Was hat Richard Freitag der Konkurrenz voraus?

Sven Hannawald: "Er hat sich im Sommer ein Paket erarbeitet, das am besten funktioniert. Sprungtechnisch, materialtechnisch aber auch körperlich. Es wirkt so, als könnte er es spielend leicht abrufen. Selbst mit kleinen Fehlern funktioniert sein Sprung noch. Das bringt auch eine gewisse Lockerheit, was ihn noch gefährlicher für die Konkurrenz macht."

Was muss passieren, dass Freitag Ihr Kunststück wiederholt und alle Springen gewinnt, bzw. ist das überhaupt möglich?

Hannawald: "Seit meiner Zeit waren viele Springer theoretisch in der Lage, es zu schaffen. Allerdings gibt es da eine höhere Macht, die man nicht einplanen kann. Man kann es nicht erzwingen. Entweder es passiert, oder es passiert nicht. Es ist nochmal ein anderer Anspruch im Vergleich zum normalen Tournee-Sieg. Auch da ist man schon nervös und hat Gedankenkino, aber was auf dem Weg bis nach Bischofshofen alles zusätzlich noch in einem vorgeht, ist einfach wie aus einer anderen Welt."

Wie erklären Sie sich die deutsche Tournee-Durststrecke nach ihrem Gesamtsieg 2001/02?

Hannawald: "Nachdem Martin Schmitt und ich aufgehört haben, hat man erst die Risse in der ganzen Struktur und im Aufbau des Skispringens in Deutschland gesehen. Wenn man erfolgreiche Zugpferde hat, kaschieren sie die eigentlichen Probleme. Alle glauben, man sei auf dem richtigen Weg. Wenn dann die Spitze wegbricht, ist der Schlamassel da. Das sieht man jetzt bei den Finnen, die mit internen Querelen zu kämpfen haben, die jetzt nach außen treten. Ähnlich war es in Deutschland bis zu der Ära Schuster."

Was hat sich seit Schusters Amtsübernahme verändert?

Hannawald: "Es ging zwar nicht sofort von null auf Hundert, aber mit Severin Freund waren dann schon die ersten Anzeichen erkennbar, dass es wieder in die richtige Richtung geht. Inzwischen ist es so, dass aus deutscher Sicht fast jedes Jahr ein neuer Nachwuchsspringer wie jetzt Constantin Schmid auf sich aufmerksam macht. Das war zu unserer Zeit nicht so. Unter Werner Schuster wurde eine ganz andere Basis erarbeitet."

Wer kann den Deutschen bei der Tournee gefährlich werden?

Hannawald: "Natürlich ist Richard Freitag favorisiert, es gibt aber jedes Jahr immer Überraschungen. Ich traue Kamil Stoch eine Menge zu, dazu der Pole Dawid Kubacki, der im Sommer dominiert hat. Der Rucksack der großen Erwartungen war für ihn bislang nicht zu schultern, aber womöglich gelingt es ihm, den Schalter umzulegen. Johann Andre Forfang hat bei einzelnen Springen gezeigt, wozu er in der Lage ist, auch Daniel-André Tande sollte man nicht abschreiben. Bei Stefan Kraft weiß man aus dem letzten Jahr, dass er in entscheidenden Momenten voll da ist. Sie alle werden dafür sorgen, dass sich Freitag niemals ausruhen kann."

Freitag, Eisenbichler, Wellinger

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Wer gewinnt die Tournee?

Hannawald: "Ich hoffe natürlich, dass es ein Deutscher wird. Aber Siege sind immer so eine Sache. Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass ein Deutscher auf dem Podium landen wird. Deutsche Tagessiege werden wir haben, da lege ich meine Hand für ins Feuer. Bei Freitag kann ich mit nicht vorstellen, dass er über die Feiertage derart nachlässt, dass er keine Chance mehr hat. Alle anderen werden auftauen und es wird eine spannende Tournee. Ich würde mich sehr freuen, wenn es am Ende ein Deutscher wird. Wer am Ende die Tournee gewinnen wird, weiß keiner. Sie schreibt am Ende immer andere Geschichten als die Experten und Fachleute im Vorfeld meinen."

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