Die geliebte Allgäuer Heimat empfing Karl Geiger am Morgen nach der großen Siegesnacht mit purem Sonnenschein - und lästigen Alltagsaufgaben. "Auf zum Nasenbohren", kommandierte Stefan Horngacher den "König von Oberstdorf" und dessen Teamkollegen zum nächsten Coronatest. Der enge Zeitplan der Vierschanzentournee lässt Geiger keine Zeit zum Durchatmen - doch das nimmt er mit der Aussicht auf den ganz großen Coup gerne in Kauf.
"Es ist unglaublich, was da gestern passiert ist. Das macht mich überglücklich, ich kann nur noch so strahlen wie die Sonne hier", sagte Geiger, der aber sogleich den Blick auf die nächsten Aufgaben lenkte: "Wir schauen vorwärts. Das war nur die erste Schanze, jetzt kommen noch drei, und die haben alle ihre eigenen Herausforderungen."
Die nächste wartet in Garmisch-Partenkirchen, wo an Silvester die Qualifikation und an Neujahr das zweite Springen (jeweils 14.00 Uhr im Eurosport Liveticker) ansteht.
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Vierschanzentournee: Garmisch-Partenkirchen als Stolperstein

Oft genug war die altehrwürdige Olympiaschanze von 1936 ein Stolperstein für deutsche Springer auf dem Weg zum Tourneesieg, seit Sven Hannawald am 1. Januar 2002 hat dort kein Deutscher mehr gewonnen. Hannawald sorgte damals fünf Tage später auch für den letzten deutschen Tourneesieg - die Chance, dass er endlich seinen Nachfolger findet, scheint nun groß wie nie.
"Man muss von Tag zu Tag schauen, und ich nehme die Favoritenrolle an", sagte Geiger nach seinem siebten Weltcupsieg. Das sind fünf mehr als sein Coach Horngacher hat, der seinem Topspringer den Riesen-Wurf zutraut: "Karl ist in einem Flow, und er hat natürlich das Zeug dazu, das jetzt durchzuziehen. Und so ein Auftaktsieg in Oberstdorf nimmt natürlich auch den Druck von der ganzen Mannschaft. Aber es gibt starke Konkurrenz. Stoch, Lindvik, Granerud - auch der Markus ist dran."
Der Markus, Eisenbichler nämlich, war der zweite große deutsche Gewinner des Auftaktspringens. Im zweiten Durchgang sprang er fünfeinhalb Meter weiter als jeder andere an diesem Tag, rettete sich damit noch auf Platz fünf und darf ebenfalls auf den Gold-Adler hoffen. Zunächst aber sieht sich Eisenbichler als Co-Pilot seines Kumpels Geiger. "Ich werde ihn unterstützen, wo ich kann", sagte "Eisei", den Geigers Wahnsinns-Auftritt schwer beeindruckte: "Der Karle ist einfach ein cooler Hund."

Karl Geiger siegt in Oberstdorf 2020

Fotocredit: Imago

Vierschanzentournee: Geigers verrückte Wochen

Und das ist wahrscheinlich nach dem turbulentesten Monat in Geigers Leben noch hoffnungslos untertrieben. Anfang Dezember stieg er kurz aus dem Weltcup aus, um bei seiner hochschwangeren Ehefrau Franziska zu sein, ließ sie dann kurz in Oberstdorf zurück, um mal eben in Planica Skiflug-Weltmeister zu werden.
Zwei Tage danach kam Töchterchen Luisa auf die Welt, wiederum zwei Tage später schickte ihn ein positiver Coronatest in Quarantäne, die Geiger im letzten Moment vor der Tournee beendete - um dann eiskalt zum Sieg zu springen.
"Ich weiß auch nicht, wie so etwas geht. Die vergangenen Wochen waren ein einziges Auf und Ab, es ist alles schwer in Worte zu fassen", sagte Geiger. Der einzige Wermutstropfen: Die Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres 2020 fand bereits bis Anfang Dezember statt - Geigers Wintermärchen kann also erst 2021 richtig gewürdigt werden.
Die Vierschanzentournee 2020/21: Alle Springen - Qualifikation und Wettkampf - in Oberstdorf (28.12./29.12.), Garmisch-Partenkirchen (31.12./1.1.), Innsbruck (2.1./3.1.) und Bischofshofen (5.1./6.1.) LIVE im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!
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(SID)

Der Spielfilm zum Geiger-Sieg: "Wer hat die Ruhe weg? Der Karl!"

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