Es gab Tränen, es gab ein Desaster, eine Farce und zwischendurch immer wieder Medaillen-Glanzmomente. Am Montag war dann die Punktlandung zum Happy End in Bronze perfekt. Durchatmen - und dann nur noch Jubel.
Die deutschen Skispringer um ihre Topstars Karl Geiger und Markus Eisenbichler schafften im Eisschrank von Zhangjiakou das erhoffte Wunder im Teamwettbewerb und feierten Bronze ausgelassen. Es passte ins Bild dieser für alle im Team von Bundestrainer Stefan Horngacher so turbulenten Winterspiele, dass es bei der Entscheidung letztlich nur um Zentimeter ging. Zentimeter zu Gunsten von Deutschland, wohlgemerkt. Das hatte es bei Katharina Althaus bei der Kontrolle ihres Anzugs eher nicht gegeben.
Das Zitat des Tages lieferte der zum Abschluss herausragende Markus Eisenbichler: "Ich kann nicht mehr, ich bin durch. Ich wollte unbedingt die, sorry, Scheiß-Medaille haben", sagte er nach seinem ersten olympischen Edelmetall in der "ARD": "Es war ein brutaler Wettkampf, brutal eng. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Emotionen." Bundestrainer Stefan Horngacher meinte: "Es stand auf Messers Schneide, ich bin extrem glücklich."
Olympia - Skispringen
0,8 Punkte! DSV-Adler holen bei Team-Krimi Bronze - Gold für Österreich
UPDATE 14/02/2022 UM 13:07 UHR

139,5 Meter! Eisenbichler glückt bester Sprung im ganzen Teamwettkampf

Zur Halbzeit hatte das Team auf dem vierten Platz gelegen, nach fünf von acht Sprüngen nur auf dem sechsten Rang. "Wir haben ganz gute Sprünge gemacht, sind aber irgendwie nicht vom Fleck gekommen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher später, die Konkurrenz war ja auch stark, "wir brauchten ein Wunder, und das kam dann zum Glück." Vorher war nur Zittern angesagt - buchstäblich bei minus 22 Grad.

Belohnung für die Strapazen

Irgendwie war das Podium in gewisser Weise eine Belohnung für die Strapazen der vorigen Wochen, von denen jede Athletin und jeder Athlet ein Lied singen kann. Das Einzelspringen von der Normalschanze wurde mit Platz 15 für Geiger und Constantin Schmid auf Rang elf als bestem Deutschen zum Desaster, der Mixed-Team-Wettbewerb mit der Disqualifikation der Einzelzweiten Althaus und Platz neun zur absoluten. Erst die unerwartete Bronzemedaille Geigers von der Großschanze am Samstag brachte die Wende.
"Es ging mir dreckig. Ich habe keine Ahnung mehr gehabt, was ich hier eigentlich zu suchen habe", sagte Geiger jetzt. Doch er schaffte es, die negativen Schwingungen zu verdrängen und sich selbst zu befreien. Die zweite Bronze-Medaille mit dem Team fand er deshalb auch "richtig cool". Und sie führte dazu, dass Horngacher doch noch ein positives Fazit zog. "Natürlich hätten wir gerne mehr mitgenommen", gab er zu, fügte aber lobend an: "Wir haben nochmal die Kurve gekriegt."

Teamspringen-Analyse: Dieser Fehler lässt Deutschland jubeln

Auch er genoss die versöhnliche Atmosphäre. Augenzeugen berichteten, es wurden an diesem Abend noch viele Fotos geschossen. Die Langläufer hatten die DSV-Adler vor Ort lautstark angefeuert. Zunächst bekamen die Deutschen nur die Maskottchen, am Dienstag werden ihnen dann die Medaillen ausgehändigt.

Nach der Emotion kommen die Diskussionen

Danach wird es sicher ein paar Tage dauern, bis der Ernst des Alltags wieder Einzug erhält. Doch Diskussionen werden kommen. Denn noch ist unklar, wie die Sportart Skispringen sich von dem durch die strengen Kontrollen samt der Disqualifikationen im Mixed-Teamwettbewerb erlittenen Imageschaden erholen wird. Es muss einiges aufgearbeitet werden.
Bei Althaus wirkt das Kontroll-Desaster noch nach, wie ihre jüngsten Aussagen zeigen. Auch Geiger war deshalb zwischenzeitlich wieder der Kragen geplatzt.

"Das bedeutet uns alles!" Geiger extrem glücklich über Bronze

Der Weltverband FIS muss sich rechtfertigen, den Dialog suchen und vor allem auch erklären, warum genau jetzt ein Exempel statuiert werden musste. Hintergrund könnte sein, endlich dem "Hightech-Krieg", den Eurosport-Experte Werner Schuster beschrieb, Einhalt zu gebieten.
Doch dazu braucht es einen Plan, Kommunikation und Kompromissbereitschaft von beiden Seiten. Althaus hatte bereits angedeutet, im Vorfeld des nächsten Weltcups eher die Gespräche zur FIS suchen zu wollen.
Es wäre allen Beteiligten zu wünschen, dass eine adäquate Lösung gefunden wird. Auf die positiven Emotionen, die Spannung, die dieser Sport zu wecken imstande ist, darf Olympia nie verzichten.

Eurosport-Podcast: Hambüchen & Friends Folge 9 mit Martin Schmitt

Alle Folgen Hambüchen & Friends - der Olympia-Podcast findet Ihr auf Spotify, Apple Podcast oder der
Das könnte Dich auch interessieren: "Da hatte einer ein Ego-Problem": Geiger platzt im TV der Kragen

"Emotionalste Medaille": Eisenbichler und Schmid überwältigt nach Bronze

Olympia - Skispringen
Olympia-Pechvogel Sorschag bei Sturz schwer verletzt
UPDATE 13/02/2022 UM 13:03 UHR
Skispringen
Skispringen wegen Fußball-WM verlegt - Eisenbichler reagiert verärgert
UPDATE 04/08/2022 UM 07:39 UHR