Und dann ist da noch Simon Ammann. Der Schweizer segelte 2002 in Salt Lake City als 20-Jähriger zweimal zu Gold. 2010 in Vancouver wiederholte er sein Husarenstück, als wäre es das leichteste der Welt. Seither heißt die Zeitspanne von acht Jahren in der Schweizer Sportsprache gerne auch "Simiade".
"Diese Geschichte ist unfassbar, das hat alle Dimensionen gesprengt", sagt Ammann heute. Der Trubel war schon nach seinem ersten Doppelsieg gewaltig. Wegen seines silbernen Mantels und der markanten Brille wurde Ammann als "fliegender Harry Potter" weltweit bekannt. Sogar in der Late-Night-Show von David Letterman hatte er einen Auftritt.
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Und Andreas Wellinger?

Der genoss vor der Jagd nach dem nächsten Gold einen Leckerbissen der besonderen Art. Gemeinsam mit seinen Skisprung-Kollegen ließ sich der frisch gebackene Olympiasieger von den Teamköchen verwöhnen, im zehnten Stock des deutschen Hotels landete ein Steak der Extraklasse auf dem Teller. Derart gestärkt startete der 22-Jährige am Mittwoch in seinen ersten Arbeitstag auf der Großschanze. Schließlich ist Wellingers Erfolgshunger in Pyeongchang noch lange nicht gestillt.
Im ersten Training am Mittwoch hatte Wellinger aber noch Luft nach oben und kam mit seinem besten von drei Sprüngen auf 131,5 m, die Tagesbestweite erzielte der Bronzemedaillengewinner Robert Johannson (Norwegen) mit 138 m.
Wellinger sagt:
Auf der großen Schanze bin ich letzte Saison schon extrem cool gesprungen. Ich weiß, dass ich um Gold mitkämpfen kann.
Beim Weltcup vor genau einem Jahr war der Bayer auf der damals für viele unbekannten Schanze Zweiter hinter dem Österreicher Stefan Kraft geworden. Nun will Wellinger sogar noch mehr. Sollte dem Senkrechtstarter am Samstag tatsächlich der olympische Doppelsieg gelingen, würde er in diesen erlauchten Kreis aufsteigen.

Statistik verspricht Edelmetall

Der Bayer ist schon jetzt auf dem Weg zum Popstar, ein zweiter Coup könnte einen Hype auslösen, der jenem um Martin Schmitt und Sven Hannawald nahekommt. "Er ist der Skispringer, auf den die Deutschen gewartet haben", schrieb Österreichs ehemaliger Erfolgstrainer Alexander Pointner in der Tiroler Tageszeitung: "Liebling aller Schwiegermütter, hat einen guten Schmäh, ein schelmisches Lächeln. Und damit hat er das Potenzial zum Star".
Zumindest eine Medaille hat Wellinger, geht es nach der Statistik, fast sicher. Seit 1964 gibt es bei Olympia zwei Einzel-Entscheidungen, in zehn von 14 Fällen holte der Gewinner auf der kleinen Schanze auch auf der großen Edelmetall. Der ganz große Druck ist jedenfalls weg. Wellinger sagt:
Nach so einem Tag kann man locker drauf losspringen. Ich denke, dass ich am Samstag sehr gute Sprünge zeigen kann.
Und dann, zwei Tage später, gibt es da noch das Teamspringen. Auch dort gehört Deutschland zum Favoritenkreis. Dreimal Olympiagold in einem Jahr, das gelang bislang nur Nykänen. Aber das nur am Rande.
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