Markus Eisenbichler sprang freudestrahlend durch den Schnee und klatschte mit dem finnischen Weihnachtsmann ab. Dass im stürmischen Kuusamo seine Siegesserie knapp riss, war dem Skisprung-Weltmeister schnurzpiepegal. "Joaaaaa! Zwoater ist auch geil!", rief "Eisei" und holte sich die Glückwünsche seiner Teamkollegen ab.
Dass ihm am Sonntag der Norweger Halvor Egner Granerud den dritten Sieg im dritten Saisonspringen wegschnappte, nahm Eisenbichler ganz gelassen. Die Führung im Gesamtweltcup hatte er schließlich ausgebaut. Und vor allem bei seinem traumhaften Sieg am Samstag, als er die Konkurrenz in Grund und Boden sprang, hatte der 29 Jahre alte Eisenbichler seine derzeitige Extraklasse unter Beweis gestellt.
24 Stunden später führte Eisenbichler nach dem ersten Durchgang erneut klar, dann erwischte er aber die deutlich schwierigeren Bedingungen als Granerud. Nach Sprüngen auf 141,0 und 131,0 m lag Eisenbichler mit 272,1 Punkten schließlich umgerechnet rund fünf Meter hinter Granerud (282,0/137,0+142,0), der seinen ersten Weltcupsieg feierte.
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Eisenbichler, der schon zum Saisonstart in Wisla gewonnen hatte, verfehlte den Doppelschlag binnen 24 Stunden und die Marke von Martin Schmitt. Dieser hatte 1998/99 als bislang einziger deutscher Springer die ersten drei Wettkämpfe einer Saison gewonnen.

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Eisenbichler: "Bleiben im Arbeitsmodus"

Dass es in seiner Sportart keine Sieggarantie gibt, weiß auch Eisenbichler, deshalb will er sich auf den Erfolgen keineswegs ausruhen. "Wir bleiben im Arbeitsmodus, arbeiten das jetzt wieder auf", sagte er in Kuusamo, wo er sich vier Wochen vor Beginn der Vierschanzentournee insgesamt als das Maß aller Dinge präsentierte.
Im ersten Springen am Samstag hatte er eine Machtdemonstration vom Allerfeinsten abgeliefert und mit 19,3 Punkten Vorsprung, umgerechnet fast elf Meter, auf den Polen Piotr Zyla selbst hartgesottene Fachleute verblüfft.
"Da bleibt einem die Spucke weg, das ist ein Wahnsinn. Der hat die Konkurrenz demoliert. Das ist nicht zu kopieren, in den Sprüngen steckt irrsinnig viel Individualität", sagte Österreichs Legende Toni Innauer im "ZDF". Der frühere Bundestrainer Werner Schuster sprach bei Eurosport von einer "Duftmarke, einem Zeichen an die Konkurrenz: Wenn ihr mich schlagen wollt, dann müsst ihr etwas ganz Besonderes machen."

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Eisenbichler freute sich über die Lorbeeren, will die frühen Meisterleistungen in einer Saison voller Höhepunkte mit Skiflug-WM (ab 10. Dezember), Vierschanzentournee (ab 28. Dezember) und Heim-WM in Oberstdorf (ab 23. Februar) aber nicht überbewerten. "Ich bin eher ein bisschen demütig. Ich weiß: Es geht schnell nach oben und schnell nach unten. Ich muss jeden Tag weiter hart arbeiten", sagte er.
Bundestrainer Stefan Horngacher durfte sich indes auch über starke Ergebnisse aus der zweiten Reihe freuen. Pius Paschke belegte am Samstag Platz acht, Altmeister Severin Freund verbuchte mit Platz neun am Sonntag sein bestes Ergebnis seit vier Jahren. "Wenn einer vorausgeht, können die anderen im Windschatten hinterherfahren", sagte Horngacher.
Sorgenkind bleibt Andreas Wellinger, der in allen drei Saisonwettkämpfen nach seiner Kreuzbandriss-Pause im ersten Durchgang scheiterte. "Es ist momentan schwierig", sagte der Olympiasieger.
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