Auf sein liebgewonnenes Montagmorgen-Ritual muss Andreas Wellinger vorerst verzichten: "Normalerweise schlafe ich da, bis mich die innere Uhr weckt - und dann bleibe ich liegen." Paradiesische Zustände sind das, seit Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster seinen Jungs neuerdings zum Wochenstart freigibt.
Mit seinen beiden zweiten Plätzen am vergangenen Wochenende beim Fliegen in Oberstdorf unterstrich Wellinger seine Rolle als deutsche Nummer eins, rund zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt in Lahti (22. Februar bis 5. März) ist die WM schon da. Bei den Weltcups in Sapporo am Samstag und Sonntag sowie in Pyeongchang, dem Olympiaort 2018 am folgenden Mittwoch und Donnerstag, gilt es für den 21 Jahre alten Ruhpoldinger nun, diese zu konservieren.
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"Halt! Stopp! Das wäre der ganz falsche Ansatz!", folgt der Einspruch von Bundestrainer Schuster auf dem Fuß: "Das wäre schön, wenn das funktioniert: Jetzt bin ich Erster, und da möchte ich auch Erster bleiben. Konservieren ist eine passive Haltung, und die hat im Leistungssport nichts verloren. Da steckt ja auch ein bisschen Angst vor Niederlagen dabei, die ist ein schlechter Begleiter. Deswegen versuchen wir auch, die Sportler zu einer anderen Denkweise zu erziehen."
Nie nachlassen, kein Stillstand - ein Verzicht auf die stressige Reise nach Fernost unmittelbar vor dem WM-Showdown war deshalb im deutschen Lager kein Thema. "Wir haben es schon anders probiert und mit den Topleuten Asien ausgelassen, das hat es aber auch nicht gebracht", sagt Schuster:
Für Andi ist es auch ein Vorteil vor der WM. Er steht jetzt im Fokus. Dann ist es besser, wenn er nach Asien fährt, dann ist er weg, kann sich konzentrieren und wird nicht abgelenkt.
Wellinger selbst will keine Pause, braucht keine Pause - Kein Wunder nach zuletzt fünf Podestplatzierungen in sechs Springen. Das bittere Saison-Aus von Topmann Severin Freund (Kreuzbandriss) macht Wellinger fast schon vergessen, er ist ein heißer Medaillen-Kandidat für Lahti.

Geiger, Leyhe oder doch Wank?

"Wenn ich ordentlich skispringe, so wie es im Moment der Fall ist, dann besteht die Möglichkeit auf jeden Fall", sagt der Team-Olympiasieger. Das sieht auch Schuster so:
Andi hat sich einiges erarbeitet. Und es ist die Möglichkeit da, das weiter zu entwickeln und zu verfeinern. Die Jungs sind ja jetzt nicht am Ziel, speziell er nicht.
Wellinger ist für Lahti gesetzt, Richard Freitag und Markus Eisenbichler ebenfalls. Fünf Springer wird Schuster mit nach Finnland nehmen, um die beiden freien Plätze bewerben sich final in Asien Stephan Leyhe, Karl Geiger und Andreas Wank - letzterer muss dafür mächtig liefern.
"Stephan und Karl haben einen Vorteil, haben Top-10-Plätze im Weltcup, die hat der Andi nicht", sagt Schuster, hebt jedoch sogleich den mahnenden Zeigefinger:
Aber wenn sie jetzt anfangen zu konservieren und passiv werden, dann muss man einen noch austauschen für die WM.

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