Geehrt wurde Markus Eisenbichler schon vor dem Start in den WM-Winter. Für seine "Verdienste um die bairische Mundart" wurde der Skisprung-Weltmeister Ende September ausgezeichnet, die Urkunde nahm er stilecht in seiner Krachledernen entgegen. "I hab gar ned g'wusst, dass es so einen Preis gibt", sagte der 29-Jährige aus Siegsdorf gewohnt launig auf der Bühne. Auf einen Schuhplattler wie bei Olympia 2018 verzichtete er dagegen.

Für eine Tanzeinlage bleiben schließlich noch genügend Möglichkeiten. Denn in der am Freitag beginnenden Saison gibt es reichlich Pokale zu gewinnen, erstmals warten mit der Skiflug-WM, der Vierschanzentournee und der Nordisch-WM in Oberstdorf gleich drei Highlights. Bei allen drei Titelkämpfen will auch "Eisei" ein Wörtchen mitreden, nicht nur Bundestrainer Stefan Horngacher hält seinen Vorflieger derzeit für den besten DSV-Adler.

Skispringen
Eurosport-Experte Schuster: "Grenzen existieren für mich nicht"
18/11/2020 AM 13:02

"Markus ist schon seit ganz langer Zeit auf hohem Niveau. Er springt wirklich gut und hat sich definitiv noch einmal weiterentwickelt", sagt Horngacher vor dem Saisonstart am Wochenende im polnischen Wisla. Und auch Eisenbichler sagt, dass seine Vorbereitung "ziemlich gut" verlief. Nun komme es auf seinen Kopf an. Denn der "entscheidet im Endeffekt, ob man bereit ist", glaubt er.

Vor genau einem Jahr war dies nämlich nicht der Fall. Eisenbichler ging mit ähnlich hohen Erwartungen in die Saison, wurde dann aber in Wisla nur 50. und landete erst bei der Tournee erstmals in den Top 10.

Eisenbichler: Mit Heimvorteil zum nächsten WM-Titel?

Diesmal wolle er den Winter "einfach entspannt" angehen, sagt er: "Die ersten Stationen sind dafür da, dass man in den ganzen Zirkus reinfindet. Da muss man nicht gleich die Welt niederreißen."

Zumal das eigentliche Highlight Erst Ende Februar beginnt - die WM in Oberstdorf vor der eigenen Haustür wird für den Ur-Bayern vielleicht sogar der Höhepunkt der Karriere. "Eine zweite Heim-WM werde ich in meinem Skisprung-Alter wohl nicht mehr erleben", sagt Eisenbichler. Sein Ziel: "Ich gehe das ganz locker an. Ich habe schon fünf WM-Medaillen, die kann mir keiner mehr nehmen."

Anders als Teamkollege Karl Geiger kam Eisenbichler auch mit den neuen Schuhkeilen gut zurecht, die eine erneute Flut an Kreuzbandrissen verhindern sollen. Die neue Stabilität sei für ihn "vielleicht sogar ein Vorteil", sagt er.

Eisenbichler peilt in Planica fünften WM-Titel an

Gute Voraussetzungen also für sein eher defensiv gewähltes Saisonziel: "Ich will gut Skispringen und die Fans begeistern. Und mich selbst natürlich auch."

Kaum zu glauben: Noch immer hat Eisenbichler nur einen Weltcupsieg auf dem Konto, geholt im März 2019 in Planica. Genau dort steht ab dem 11. Dezember mit der Flug-WM auch das erste Highlight der Saison an.

Sollte Eisenbichler dort seinen insgesamt fünften WM-Titel holen, würde er vielleicht auch in Zukunft in seinem Job als Bundespolizist häufiger erkannt. Derzeit sei dies "vielleicht mal am Flughafen der Fall, wenn die Leute etwas länger an der Box stehen", verriet er unlängst: "Aber wir haben ja auch Uniform an." Womit er freilich nicht seine Krachlederne meint.

Das könnte Dich auch interessieren: Skiflug-WM als Autokino? Planica prescht mit origineller Idee voran

(SID)

"Es ist echt bitter": Freund über seine Situation in der Coronakrise

Wisla
Rückschlag vor Saisonstart: Freitag fliegt aus Weltcup-Aufgebot
17/11/2020 AM 09:26
Wisla
Eisenbichler brennt für Gelb: "Will das Trikot am Saisonende"
23/11/2020 AM 11:12