Markus Eisenbichler und Karl Geiger folgen einer großen Tradition: Jens Weißflog beherrschte die "K90" in den Achtzigern, Andreas Wellinger flog von ihr zum Olympiasieg, Bundestrainer Stefan Horngacher wurde Weltmeister - auf der kleinen Schanze wollen nun auch die beiden besten deutschen Skispringer der Jetzt-Zeit ihre große Chance nutzen.
Die erste WM-Entscheidung in Oberstdorf steigt dort, wo die DSV-Adler außergewöhnliche Stärken haben. Die oft unterschätzte Normalschanze könnte wieder einmal zur deutschen Superschanze werden.
"Ich kann wieder saugute Sprünge zeigen, wenn ich einen guten Tag habe", sagte Geiger dem "SID" vor der Entscheidung am Samstag (ab 16.30 Uhr im Eurosport Liveticker). Dass er nach Wochen voller Zweifeln wieder zu einem selbstbewussten Medaillenkandidaten geworden ist, sieht er auch im kleinen Schattenberg-Bakken begründet: "Das ist wirklich eine Superschanze, um sich in Form zu bringen, wenn man nicht in Form ist. Sie ist nicht ganz tückenlos, aber ich mag sie."
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Auch wenn der Oberstdorfer Lokalheld frischgebackener Skiflug-Weltmeister ist, den größten Karriere-Erfolg also auf der größten Anlage gefeiert hat - den Spitznamen "Kleinschanzen-Karle" trägt er immer noch zurecht. "Ich bin sehr absprungstark, das zahlt sich da aus", sagte Geiger, der schon bei der WM-Generalprobe in Rasnov von einer "Neunziger" auf das Podest flog. In der Qualifikation am Freitag war Geiger als Elfter bester Deutscher vor Eisenbichler (14.).

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WM in Oberstdorf: Eisenbichler kann kleine Schanzen

Die kompakten Anlagen, die im Weltcup fast ausgestorben sind, gehören bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften weiterhin zum Standard. Zum Glück für die deutschen Springer: zwar liegen die letzten K90-WM-Titel mehr als 30 Jahre zurück - Weißflog gewann 1985 und 1989.
Aber auch danach gab es Edelmetall in loser Folge bei Großereignissen. Wellinger siegte 2018 bei den Winterspielen in Pyeongchang, und auch Eisenbichler weiß, wie man auf der Kleinen ein Großer wird.

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"Ich habe schon bewiesen, dass es ich auf kleinen Schanzen kann. In Lahti habe ich da 2017 mit Bronze meine erste WM-Medaille gemacht - dabei bin ich eigentlich ein Flieger", sagte er nach zwei starken Trainingstagen dem "SID": "Skispringen bleibt immer gleich, egal ob auf Klein-, Groß oder Flugschanze. Aber hier gehört ein bisschen mehr Gefühl dazu - und das hab ich eh."

WM in Oberstdorf: Bundestrainer Horngacher setzt auf Heimvorteil

Der Großschanzen-Weltmeister von 2019 könnte zumindest kurzzeitig als zweiter deutscher Skispringer beide Einzeltitel halten - nach Hans-Georg Aschenbach, der 1974 in Falun Doppel-Weltmeister wurde.
Bundestrainer Horngacher traut seinen Assen den großen Wurf zu, auch wenn in Halvor Egner Granerud und Ryoyu Kobayashi auch zwei andere Gefühls-Wunder auf dem Kompakt-Bakken immens stark sind.

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"Dass wir hier auf der kleinen Schanze beginnen, ist definitiv ein Vorteil für uns. Wir trainieren im Sommer oft auf solchen Schanzen, und die in Oberstdorf ist eine sehr schöne. Den Heimvorteil gibt es sicherlich, und die Jungs springen auf den kleinen sehr gerne", sagte der Österreicher.
Dass auch Horngacher die "Neunziger" - benannt nach der früheren Standard-Weite der kleinen Schanze - liebt, hat einen guten Grund: 2001 holte er auf ihr mit den Austria-Adlern bei der WM in Lahti mit 31 Jahren ein letztes spätes Gold als Springer. Normal also, dass der "Steff" sie super findet.

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