Als Karl Geiger schließlich das fehlende Stück seiner Oberstdorfer Medaillensammlung in den Händen hielt und obendrein den böse gestürzten Kumpel Markus Eisenbichler bei bester Gesundheit wusste, bestand seine Skisprung-Welt aus schierem Glück.
"Was hier passiert ist, das ist schon ziemlich beeindruckend", sagte der große deutsche Gewinner der Heim-WM nach seinem dritten Platz auf der Großschanze: "Beim Eisei habe ich ziemlich geschluckt - aber als der aufgestanden ist und sich den Schnee aus dem Bart gepult hat, wusste ich, er ist okay."
In einem emotionalen Schanzen-Thriller im wildem Schneetreiben landete Titelverteidiger Eisenbichler bei seiner Aufholjagd spektakulär mit der Nase voran im Hang. Augenzeuge Geiger ("Ojeoje, habe ich gedacht, das kann böse enden") sprang danach in einem Akt gnadenloser Nervenstärke mit einem "sausauguten zweiten Sprung, einer absoluten Rakete" noch von Platz sechs auf das Podest. Beugen musste sich der 28-Jährige nur dem neuen Weltmeister Stefan Kraft aus Österreich und dem Norweger Robert Johansson.
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Mental-Karl! Geiger holt nächste WM-Medaille - Eisenbichler stürzt
05/03/2021 AM 16:53
"Mit Bronze bin ich überglücklich", sagte Geiger der - nach Gold im Mixed und Silber von der Normalschanze - nun an drei von insgesamt nur vier deutschen Medaillen in Oberstdorf beteiligt war. Und am Samstag (17:00 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!) soll in der Mannschafts-Entscheidung eine weitere hinzukommen: "Da wollen wir richtig angreifen, alles geben", sagte Geiger.

"Magiiiic!" Karl Geiger springt zu Bronze auf der Großschanze

Weltmeister Kraft macht Seuchen-Saison vergessen

Kraft, bereits 2017 in Lahti Doppelweltmeister und in diesem Winter unter anderem von einer Corona-Infektion außer Gefecht gesetzt, siegte am Freitag mit Sprüngen auf 132,5 und 134,0 m (276,5 Punkte) souverän vor dem Norweger Robert Johansson (272,1) und Geiger (267,4), der zweimal auf 132,0 m kam.
"Es ist unglaublich, ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben", sagte Kraft bei Eurosport: "Nach all den Problemen diese Saison auf meiner Lieblingsschanze Weltmeister zu werden, ist wahnsinnig schön."
Eisenbichler (231,8) hatte nach einem schwachen Sprung auf 116,5 m schon zur Halbzeit nur auf Platz 16 gelegen. Der zweite Durchgang lief mit 134,0 m deutlich besser, allerdings kippte der 29-Jährige bei der Landung vornüber und landete bäuchlings im Schnee. Eisenbichler blieb unverletzt, die Aufholjagd war aber jäh beendet. Rund 20 Punkte kostete ihn der Sturz, auch ohne diesen hätte es damit nicht zur Medaille gereicht.

Aus der Traum: Eisenbichler stürzt bei der WM kopfüber in den Tiefschnee

Eisenbichler: "Bin am gefährlichsten, wenn mir irgendetwas weh tut"

"Es freut mich, dass dann der Karl die Medaille gemacht hat, das ist das Wichtigste. Ich selbst bin aber gerade richtig bedient. Es ist kacke, ich war echt gut in Form, und dann legt es mich auf die Waffel. Das nervt mich", sagte Eisenbichler, der 2019 in Innsbruck vor Geiger den Titel geholt hatte und nun in beiden Oberstdorfer Einzeln nur 17. wurde: "Egal, morgen gehts weiter. Und wenn mir irgendetwas weh tut, bin ich am gefährlichsten."
Die Warnung von Bundestrainer Stefan Horngacher hatte die etatmäßige deutsche Nummer eins nicht erreicht. "Der Schneefall ist nicht so schlimm in der Spur, aber bei der Landung muss man extrem vorsichtig sein, dass man nicht vornüber fällt", hatte Horngacher im "ZDF" gesagt - er sollte bitterlich recht behalten.
Der ursprüngliche Topfavorit Halvor Egner Granerud musste den Wettkampf aus der Quarantäne heraus verfolgen. Der 24-Jährige, der in diesem Winter elf Springen gewonnen hatte und vorzeitig als Gewinner des Gesamtweltcups feststeht, war am Mittwoch positiv auf Corona getestet worden und weist mittlerweile deutliche Symptome auf.
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(SID)

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