Sicher: Auch Judd Trump und Mark Allen hatten in dieser Saison Phasen, wo sie einen guten Lauf hatten. Von den Erfolgen von Ronnie O’Sullivan will ich gar nicht erst schreiben. Aber der Lauf von Neil Robertson ist noch beeindruckender. Die Beispiele Trump und Allen zeigen aber auch, dass jeder Lauf einmal zuende geht. Das weiß natürlich auch der Australier, der vor dem Finale der China Open selber darauf hingewiesen hat, dass er in den letzten Wochen sehr viel gespielt hat. Irgendwann ist der Akku leer; das haben wir ja auch bei Allen gesehen.

Robertson wird trotzdem hoffen, dass sein Lauf auch noch über die WM anhält. Die etwa zwei Wochen Pause, die er vor dem Saisonhöhepunkt im Crucible Theatre jetzt hat, sind da sicherlich eine Hilfe.

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Für die WM ist Neil Robertson auf jeden Fall bestens gerüstet. Sein Spiel ist da. Er spielt sicher, aggressiv, aber er übertreibt es auch nicht. Das ist eine sehr gute Mischung zwischen Überfallkommando und grundsolidem Matchplay. Dass er die Fitness für den 17-Tage-Marathon hat steht sowieso außer Zweifel. Das ist eine Mischung, mit der man in Sheffield viel erreichen kann. Dass er durch seinen Triumph in China in die obere Hälfte des Draw gerutscht ist, das ist noch einmal ein angenehmer Nebeneffekt. Natürlich warten auch da schwere Gegner, nicht zuletzt unter Umständen auch Titelverteidiger Mark Williams (im Halbfinale), aber auf dem Papier wirkt diese Hälfte trotzdem etwas leichter. Zumindest kann er dadurch erst im Finale auf Ronnie O’Sullivan, Judd Trump oder Mark Selby treffen.

In den letzten Jahren war Neil Robertson bei der WM ja nicht überaus erfolgreich. Seit seinem WM-Triumph 2010 ist er vier Mal in der der ersten Runde gescheitert, nur einmal hat er es bis ins Halbfinale geschafft. An seinen eigenen Ansprüchen gemessen ist das eigentlich ein bisschen dünn. Das sieht er auch selber so. In diesem Jahr will er die Aufgabe aber etwas anders angehen, wie er im Interview mit Worldsnooker erzählte: "Das ist das erste Mal, das ich einfach rausgehe und unterhaltsames, angriffslustiges Snooker spielen werde, das den Fans gefällt. Die Ergebnisse kommen dann hoffentlich von selber."

Wenn er sich diese Lockerheit wirklich bewahren kann, dann kann das sogar funktionieren. Wenn er nämlich unbelastet, aggressiv und flüssig spielt, dann ist er immer besonders gefährlich.

Jack Lisowski hat eine tolle Woche in China gespielt, aber das Finale hat gezeigt, dass zu einem wirklich großen Spieler noch was fehlt. Das hat er auch selber bestätigt. Er hat ja die gesamte Saison als "Lernkurve" beschrieben, aber die Kurve darf noch nicht zuende sein. Im Finale von Peking war es um ihn schon ziemlich früh geschehen. Nachdem ihm Neil Robertson im ersten Frame nach seiner verschossenen Roten das Break um die Ohren geschossen hatte und dann gleich eine 141 nachgelegt hatte war das Muster vorgegeben. Lisowski hat noch nicht die Möglichkeiten, um sich aus einem solchen Loch wieder zu befreien. Das braucht er aber, gerade bei der Weltmeisterschaft.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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