Der emotionalste Moment für mich war ohne Zweifel das packende WM-Finale vor dem voll besetzten Crucible Theatre. Aus epidemiologischer Sicht mag das ein fragwürdiges Experiment gewesen sein (zum Glück ist meines Wissens nichts Schlimmes passiert), aber das hat deutlich vor Augen geführt, was zuvor bei den vielen Turnieren ohne Publikum gefehlt hat.
Die Begeisterung der Fans gehört halt zum Sport dazu und kreiert erst die unvergesslichen Momente.
Natürlich: Es war gut, dass davor überhaupt Turniere gespielt werden konnten. Diejenigen, die das unter größten Anstrengungen ermöglichten, haben Außergewöhnliches geleistet. Und irgendwie hatte man sich an die beinahe sterile Atmosphäre gewohnt. Der Applaus aus der Dose änderte daran nicht viel (manchmal wäre es vielleicht auch besser gewesen, es wäre ganz still geblieben).
World Grand Prix
Kalb-Blog: O’Sullivan - Rekorde ohne Ende, auch gegen das Lehrbuch
UPDATE 20/12/2021 UM 12:30 UHR
Aber als dann wirklich wieder Stimmung in der Bude war, da sind vielen die Tränen in die Augen gestiegen; mir auch.

Trump träumt von der alten Leichtigkeit

Dass es endlich mal wieder eine normale Saison geben möge, einschließlich der üblichen hoch dotierten Turniere in China, wird auf dem Weihnachts-Wunschzettel aller Spielerinnen und Spieler stehen. Übrigens auch bei den Verantwortlichen der World Snooker Tour. So eine Pandemie-Saison lässt nämlich die finanziellen Reserven empfindlich zusammenschmelzen. Aber was steht auf den individuellen Wunschzetteln?
Dass die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit des Gewinnens wieder zurückkehrt, wird Judd Trump sich wünschen. Daran ändert auch sein Sieg beim Champion of Champions nichts. Seit dem Gibraltar Open wartet er auf einen Turniersieg bei einem Ranglisten-Turnier. Für ihn ist das schon eine auffällig lange Wartezeit, verglichen mit den zurückliegenden Jahren. Was es noch schwerer macht: Bei den letzten Turnieren quälte er sich eher durch die frühen Runden und schaffte dann im Gegensatz zu früher keine Steigerung mehr.

"Exhibition-Shot": Trump unterhält Publikum mit spektakulärem Double

Von einer Krise würde ich noch nicht sprechen, aber Stoff zum Nachdenken hat er schon.
Möglichst schnell seinen ersten Saison-Titel zu holen, könnte der Wunsch von Mark Selby sein. Nach dem Gewinn des WM-Titels in ein emotionales Loch zu fallen ist normal. Ein Titel würde ihm da wieder heraushelfen. Aber zuletzt zeigte die Kurve ja wieder nach oben.

O'Sullivan zwischen Spaß und Erfolg

Was Ronnie O’Sullivan sich wünscht, weiß ich nicht so genau. Spaß bei den Turnieren? Erfolg? Am besten wohl beides, aber beides zugleich geht halt oft nicht. Das weiß er auch. Zuletzt hat er ja mehrfach angedeutet, dazu bereit zu sein, in den Erfolg zu investieren, auch wenn der Spaßfaktor darunter leidet. Oder vielleicht leidet der Spaßfaktor auch gar nicht darunter. Beim World Grand Prix hat es auf jeden Fall gepasst.
Bei Neil Robertson dürften im Moment in Sachen Snooker nicht viele Wünsche offen sein; schließlich läuft es bei ihm, auch wenn er in Coventry das Finale verloren hat. Aber er wird sich wünschen, dass er nicht erneut durch Probleme wie den Tinnitus zuletzt zurückgeworfen wird. Ähnliches gilt ja auch für Mark Williams, der auch von gesundheitlichen Problemen gebeutelt wurde.
John Higgins wird mit seinem Leben im Moment auch weitgehend glücklich und zufrieden sein. Sein Fitness-Programm inklusive deutlicher Gewichtsreduzierung hat ihm sichtbar mehr Lebensqualität beschert, und davon profitiert auch sein Spiel. Mit vier Finals gehört er zu den konstantesten Spielern bisher in dieser Saison. Ein Titel als Sahnehäubchen obendrauf würde alles perfekt machen.

Da muss selbst O'Sullivan schmunzeln: Higgins spielt groß auf

Reanne Evans und Ng On Yee, die beiden einzigen Spielerinnen auf der Tour, werden sich sehnlichst wünschen, endlich ihr erstes K.o.-Match zu gewinnen. Dann dürfte ihnen nämlich vieles leichter fallen und sie könnten endlich zeigen, wie gut sie wirklich sind. Ich wünsche es Ihnen von Herzen.
Einer, der keine Wünsche in Sachen Snooker zu haben scheint, ist im Moment Ding Junhui. Und das macht mir Sorgen. Denn ein Ding in Top-Form ist der reine Genuss. Dass bei ihm (nach den vielen Opfern für Snooker) jetzt die Familie im Vordergrund steht ist ja menschlich verständlich. Aber man munkelt, dass er aufgrund seiner vielen Verträge und Unternehmungen wirtschaftlich nicht mehr auf die Preisgelder angewiesen ist. Vielleicht hat man deshalb immer mal wieder den Eindruck, dass ihn frühe Niederlagen gar nicht ärgern.
Ob die Wünsche in Erfüllung gehen, muss das Jahr 2022 zeigen. Vorher wünsche ich aber allen ein frohes und schönes Weihnachtsfest, eine gute Zeit zum Jahreswechsel und einen guten Start in das neue Jahr. Für 2022 hoffe ich, dass zumindest einige Ihrer Wünsche in Erfüllung gehen und Sie Glück und Zufriedenheit erleben.
Vor allem: Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund (dabei hilft Impfen, meiner Überzeugung nach).
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Erster Titel seit August 2020: O'Sullivan holt sich World Grand Prix

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