Ich glaube nicht, dass ein ominöser Zaubertrank für diese Langlebigkeit verantwortlich ist. Der Schlüssel ist ein anderer: Spaß! Genauer: Spaß an der Sache, Spaß am Snookerspielen. John Higgins hat nach seinem Sieg bei der Players Championship betont, dass es ihm wieder Spaß mache, Snooker zu spielen. Und das hat ihm geholfen, seine Formkrise zu überwinden.
Auch Ronnie O’Sullivan betont immer, wie wichtig es für ihn sei, Spaß bei der Sache zu haben. Fühlt es sich für ihn an wie Arbeit, dann ist er nicht mehr in der Lage, herausragende Leistungen zu bringen. Und in eine ähnliche Kerbe hat jetzt Mark Williams geschlagen. Der hatte schon immer eine entspannte Art. Aber mittlerweile hat er noch einmal ein höheres Chill-Niveau erreicht.
Zwei bis drei Stunden Training pro Tag müssten reichen, verriet er im Interview mit World Snooker. Er liebt es, so offensiv und schnell wie möglich zu spielen. Und wenn er dann doch verliert, hat er kein Problem damit. Er fährt nach Hause, freut sich auf eine Golfrunde und steht beim nächsten Turnier wieder auf der Matte.
Snooker-WM
O'Sullivan fordert Impfpässe für WM im Crucible
17/03/2021 AM 18:34

O'Sullivan, Higgins und Williams haben Legenden-Status

Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Bei aller Entspannung und allem Spaß heißt das nicht, dass die drei nicht ungeheuer ehrgeizig sind. Diesen Biss verliert man nicht. Aber es hängt nicht mehr alles am sportlichen Erfolg. Das nimmt vielen von dem Druck, mit dem andere Spieler zurechtkommen müssen. Diese innere Freiheit kann eben auch beflügelnd wirken.
Natürlich haben die drei einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Spielern, besonders gegenüber jungen Spielern, die darum kämpfen, den Durchbruch zu schaffen. Williams, O’Sullivan und Higgins brauchen niemandem mehr etwas zu beweisen. Wenn sie morgen ihre Karriere beendeten, hätten sie mehr erreicht, als die meisten jemals können. Ihr Status als Snooker-Legenden ist für alle Zeiten fest zementiert.
Das ist ein Status, den selbst ein Judd Trump oder ein Mark Selby noch nicht erreicht haben. Und ich finde, Williams, Higgins und O’Sullivan nutzen diese innere Freiheit sehr clever. Sie brauchen niemandem mehr etwas beweisen, aber sie wissen mit all ihrer Erfahrung ganz genau, dass ihre Gegner etwas zu beweisen haben. Nämlich, dass die Überlegenheit der goldenen Generation kein Naturgesetz ist.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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