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Ronnie O'Sullivan packt aus: Top-Form am Tisch, Tacheles bei Twitter

Ronnie packt aus: Top-Form am Tisch, Tacheles bei Twitter

15/11/2018 um 11:05

Auf dem Tisch hat Ronnie O’Sullivan in seinem ersten Match in Belfast überzeugt, auf Twitter hat er dagegen zu einem Rundumschlag ausgeholt. Wobei: Rundumschlag trifft es nicht genau. Eigentlich hat er nämlich nur auf einen eingeprügelt: Barry Hearn, den Boss von World Snooker und über seine Firma Matchroom auch Mehrheitseigner der World Snooker Limited, dem Veranstalter der Maintour.

Auch sei es den Top-Spielern aus verschiedenen Gründen nicht zuzumuten, Qualifikationen in "stinkigen Freizeitzentren" zu spielen.

Auf der anderen Seite könnten sich viele, die in der Rangliste weiter unter stehen, den Sport eigentlich nicht mehr leisten. Die Verantwortlichen hätten keine Ahnung von Snooker und auch kein Interesse daran.

Harte Vorwürfe von Ronnie O'Sullivan

Stattdessen gehe es Barry Hearn nur darum, sich auf Kosten des Sportes die Taschen vollzumachen. Schon früher hatte O'Sullivan die Reduzierung der Maintour auf zum Beispiel 64 Spieler gefordert.

Außerdem fordert er die Wiedereinführung des alten Setzsystems, bei dem die Top-Spieler früher erst in der Runde der letzten 32 ins Turnier eingreifen mussten.

World Snooker hat daraufhin heute eine Erklärung veröffentlicht, die auf der offiziellen Webseite nachzulesen ist. Snooker sei "ein Land der Möglichkeiten", wird Barry Hearn dort zitiert.

Barry Hearn sieht Argumente auf seiner Seite

Die Tatsache, dass derzeit in Belfast so viele der Top-16-Spieler an Gegnern gescheitert sind, die sich erst weit unten in der Rangliste finden, sei ein Beleg für die "noch nie dagewesene" Qualität in der gesamten Breite des Tourfeldes.

Top-16-Spieler würden dadurch belohnt, dass sie aufgrund des Setzsystems erst in späten Runden direkt aufeinandertreffen könnten, aber es sei ein ausgeglichenes Teilnehmerfeld mit gleichen Möglichkeiten für alle.

Die Tatsache, dass jeder jeden schlagen könne, rechtfertige auch das Format, dass eben jeder in der Runde der letzten 128 (der ersten Runde) einsteigen müsse.

Hearn: Mehr Spieler verdienen mehr Geld

Außerdem wartet Barry Hearn noch mit einigen Zahlen auf: Das Gesamtpreisgeld sei von 3,5 Millionen Pfund in den letzten zehn Jahren auf etwa 15 Millionen angestiegen. Auch interessant:

"In der derzeitigen Rangliste haben 56 Spieler in den letzten 24 Monaten 100.000 Pfund oder mehr an Preisgeld gewonnen. In der Rangliste am Ende der Saison 2015/16 waren das nur 33 Spieler."

Ironie der Geschichte: Vor gut zehn Jahren war Ronnie einer der Lautesten unter denjenigen, die Snooker als sterbenden Sport sahen, weil Leute verantwortlich gewesen seien, die keine Ahnung vom Geschäft hätten.

Ronnie selber hat gefordert, dass gewiefte Geschäftsleute die Verantwortung übernehmen sollten. Und er selber hatte auch den Namen Barry Hearn in die Debatte geworfen.

O'Sullivan lehnt Gespräch ab

Als Barry dann wirklich die Verantwortung übernahm, da hatten viele Spieler befürchtet, er wolle die Maintour (die damals 96 Spieler umfasste) auf 48 oder gar nur 32 Spieler reduzieren. Stattdessen wurde das Feld auf 128 Spieler ausgeweitet. Die Pläne von Barry Hearn wurden auf einer Mitgliederversammlung der WPBSA angenommen.

Die Spieler selber haben also darüber abgestimmt. Der Deal: Erreicht Barry Hearn in einem Jahr nicht die zugesagte Preisgeldsumme, dann fallen die 51 Prozent von World Snooker Limited, die Matchroom hält, entschädigungslos an die WPBSA zurück.

Angebote, seine Anliegen mit der dafür zuständigen Spielerkommission (Vorsitzender: Shaun Murphy) zu besprechen, hat Ronnie O'Sullivan ebenso abgelehnt wie ein direktes Gespräch mit Barry Hearn:

"Das wäre, als wenn Du mit dem Kopf gegen die Wand rennen würdest."

Und dann setzte er noch einen drauf, indem er die Welt wissen ließ, dass er Barry Hearn auf Twitter gemutet habe, um dessen Antworten nicht lesen zu müssen.

Fazit:

Über den Stil kann man sicherlich diskutieren. Das muss aber nicht heißen, dass Ronnie O'Sullivan in allem Unrecht hat. Meiner Meinung nach hat sich unter Barry Hearn im Snooker vieles entscheidend verbessert. Aber das heißt nicht, dass alles perfekt ist.

Ronnies Vorschlag, die Chinesen sollten ihre eigene Tour aufziehen, damit sie nicht mehr in Europa spielen müssten, halte ich - Pardon! - für Unsinn. Aber es stimmt schon, dass die Belastung für die Spieler, die in der Regel bei den Turnieren weit kommen, größer ist als für diejenigen, die früh ausscheiden.

Das gilt gerade dann, wenn die Turniere kurz aufeinanderfolgen und/oder gar noch mit Interkontinentalflügen verbunden sind.

Ein Spieler muss die mentale Erschöpfung überwinden können, um in der Lage zu sein, erneut Top-Leistungen zu bringen. Das, was gerade mit Kyren Wilson passiert ist, war ein Unding: Der hat am Sonntag das Finale beim Champion of Champions gespielt und musste am Montag schon wieder beim Northern Ireland Open ran.

Das war unfair und hat Kyren seiner Chancen beraubt. Das muss man anders machen. Und es gibt sicher auch noch andere Punkte.

Deswegen aber alles in Bausch und Bogen zu verwerfen ist nicht gerechtfertigt. Es gibt Strukturen, um derartige Probleme anzugehen. Und die massiven persönlichen Angriffe sind natürlich auch nicht gerechtfertigt.

Dass Top-Spieler nicht belohnt würden, ist auch nicht wahr. Neben den Vorteilen bei der Setzung sind sie direkt für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Außerdem gibt es mittlerweile eine Reihe von lukrativen Events nur für die Besten: World Grand Prix, Players Championship und Tour Championship als Ranking-Turnier sowie Einladungsturniere wie das Masters oder das Shanghai Masters. Das sind massive Vorteile.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

Video - 21. Century der Saison! O'Sullivan glänzt in Belfast

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